QAH steht für den Gründungsmythos des Landes

Das Fort Qasr al Hosn mitten in Abu Dhabi sollte abgerissen werden. Jetzt wird es saniert und umgebaut. Pro-Denkmal aus Bamberg und Berlin konzipierte den Managementplan. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Wolfgang Frey.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

    Wolfgang Frey Studium in Erlangen zum Dipl.-Ing. in Werkstoffwissenschaften. Denkmalpfleger in Bamberg. Seit 1997 bei ProDenkmal, seit 1999 als geschäftsführender Gesellschafter.
    Foto: ProDenkmal

    Wolfgang Frey Studium in Erlangen zum Dipl.-Ing. in Werkstoffwissenschaften. Denkmalpfleger in Bamberg. Seit 1997 bei ProDenkmal, seit 1999 als geschäftsführender Gesellschafter.

    Foto: ProDenkmal

    Gesamtansicht von Qasr al Hosn aus den 50er Jahren.
    Foto: National Archive Abu Dhabi

    Gesamtansicht von Qasr al Hosn aus den 50er Jahren.

    Foto: National Archive Abu Dhabi

    Luftbild von Abu Dhabi 1960. Am rechten Bildrand ist Qasr al Hosn zu sehen.
    Luft­foto: National Archive Abu Dhabi

    Luftbild von Abu Dhabi 1960. Am rechten Bildrand ist Qasr al Hosn zu sehen.

    Luft­foto: National Archive Abu Dhabi

    Das Fort ist heute weitgehend von Hochhäusern umgeben.
    Foto: ProDenkmal

    Das Fort ist heute weitgehend von Hochhäusern umgeben.

    Foto: ProDenkmal

QAH steht für den Gründungsmythos des Landes

Das Fort Qasr al Hosn mitten in Abu Dhabi sollte abgerissen werden. Jetzt wird es saniert und umgebaut. Pro-Denkmal aus Bamberg und Berlin konzipierte den Managementplan. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Wolfgang Frey.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Herr Frey, wie kam ProDenkmal zum Auftrag der Sanierung von Qasr al Hosn?
Unsere Aufgabe war es, einen Denkmal-Managementplan aufzustellen und diesen über die Bauzeit zu verifizieren. Der Zuschlag erfolgte über ein Bewerbungsverfahren mit ausgewählten internationalen Büros, das letztlich über die Qualität der Referenzen und die vorgeschlagene strukturelle und denkmalpflegerische Herangehensweise entschieden wurde.
Welche Bedeutung hat die alte Festungsanlage für Abu Dhabi?
Mit seinem historischen Aussichtsturm, vermutlich aus dem Jahr 1761, ist das Fort Qasr al Hosn (QAH) das älteste Gebäude von Abu Dhabi. Es war über 250 Jahre Sitz und Zentrum der politischen Führung – alle wichtigen politischen Entscheidungen bis in die 1990er Jahre stehen im direkten Zusammenhang mit diesem Ort. Die Bedeutung für Abu Dhabi ist kaum zu überschätzen. QAH steht für den Gründungsmythos des Landes: Eine Gruppe von Jägern des Bani Yas- Stammes folgte einer Gazelle, die sie zu dieser Stelle führte, wo es eine rettende Quelle gab, woraufhin sich dieser Stamm hier niederließ. Das direkt an das Fort anschließende, im Jahr 1968 ursprünglich als Sheikh Zayeds „Majlis“ gebaute Council Chamber wurde bald zur Kammer des National Consultative Council und des Federal National Council der 1971 neu gegründeten Vereinigten Arabischen Emirate.
In den frühen 1980er Jahren wurde das Cultural Foundation Building auf dem Areal von Qasr al Hosn hinzugefügt. Es beinhaltet als erstes und in dieser Form einzigartig kulturelle Einrichtungen (Kino, Konzertsaal, Bibliothek) für die junge, sich rasch entwickelnde Stadt Abu Dhabi. Noch vor einigen Jahren sollte QAH für Neubauten abgerissen werden.
In welcher Tradition steht das Gebäude?
Das Fort hat sich seit 1761 über einen langen Zeitraum hinweg um den ursprünglichen Aussichtsturm herum entwickelt. Von solchen Aussichtstürmen gab es im 19. Jahrhundert eine ganze Perlenkette entlang der zu überwachenden Küsten. Diese waren die ersten Gebäudestruktu­ren aus Stein auf der Halbinsel Abu Dhabi. Der Stamm der Bani Yas lebte während der jährlichen Perlentaucher-Saison in einfachen „Barasti“-Hütten. Es ist denkbar, dass dieser Stamm ähn­liche Befestigungsanlagen von seiner ursprünglichen Oase Liwa her kannte und diese Tradition mit nach Abu Dhabi brachte, als dieser Ort für eine dauerhafte Niederlassung ausgewählt wurde. Es gibt vergleichbare Befestigungsanlagen aus dem Portugiesischen Weltreich, wie Fort Al Ja­-
lali in Muscat/Oman, Sohar Fort in Sohar/Oman, Buhka Fort in Buhka/Oman oder Al Jahili in Al Ain (Bauwelt 4.2009).
Wie arbeiten Sie mit den Behörden und Pla­-nern zusammen? Gibt es eine Denkmalpflegebehörde und einen Architekten vor Ort?
Das Projekt wird durch das Abu Dhabi Department of Culture & Tourism geleitet, die Projektmanager aus Europa angestellt haben, die das Projekt QAH mit großem Einsatz schon über viele Jahre begleiten. Es gibt auch eine Denkmalpflegeabteilung als unser Ansprechpartner. Darüber hinaus sind für das Fort die Londoner Arup/BDP als Architekten sowie Projektsteuerer und weitere Fachplaner tätig.
Welche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen sind erforderlich?
Das Fort wird behutsam in eine museale und kulturelle Nutzung überführt. Dabei sind u.a. die besonderen historische Bauformen und Ma- te­rialien (Korallenstein, Mangrove, Stuckre­-liefs, farbige Terrakotta) zu berücksichtigen. In- teressant ist, dass in allen Bauphasen Bautechniken aus verschiedenen Regionen bis aus Sri Lanka eingeflossen sind. Eine Aufgabe wird es auch sein, eine recht betonlastige Sanierung aus den 1980er Jahren stückweise zurück zu führen.
Sind deutsche Baufirmen beim Projekt involviert?
Die hochbaulichen Maßnahmen erfolgen durch einen englischen Generalunternehmer. Mit den besonderen restauratorischen Herausforde­rungen ist ProDenkmal direkt betraut und wird Fachleute vor Ort bringen.
Fakten
Architekten Frey, Wolfgang, Bamberg/Berlin
Adresse Al Nasr Street, Sheikh Rashid bin Saeed Al Maktoum Street، Sheikh Zayed the First Street, Al Hosn - Abu Dhabi - Vereinigte Arabische Emirate


aus Bauwelt 2.2018
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