Der Beton-Würfel ist gefallen

Für das hochkarätige Pri­vatarchiv des Kunst­­samm­lers Egidio Marzona bekamen die Staatli­chen Kunst- sammlungen Dres­den den Zuschlag. Es soll im ba­rocken Blockhaus unter­gebracht werden.

Text: Scheffler, Tanja, Dresden

    Das Blockhaus hat eine Top-Lage: Es ist von der Altstädter Elbseite aus das erste am Neustädter Brückenkopf ins Blickfeld fallende Gebäude. Der bereits leergeräumte Festsaal wurde Anfang der 1980er Jahre neu gestaltet. Er orientierte sich stilistisch an der Erbauungszeit des Gebäudes.
    Foto: SIB

    Das Blockhaus hat eine Top-Lage: Es ist von der Altstädter Elbseite aus das erste am Neustädter Brückenkopf ins Blickfeld fallende Gebäude. Der bereits leergeräumte Festsaal wurde Anfang der 1980er Jahre neu gestaltet. Er orientierte sich stilistisch an der Erbauungszeit des Gebäudes.

    Foto: SIB

    Foto: SIB

    Foto: SIB

    Foto: Till Schuster

    Foto: Till Schuster

    1. Preis Nieto Sobejano verbinden die Ausstellung durch eine Wendeltreppe mit der Workshop- und
    Arbeitsebene im 1. Obergeschoss. Eine schlichte Ma­terialwahl soll die Klarheit des Konzepts be­to­nen.
    Abb.: Architekten

    1. Preis Nieto Sobejano verbinden die Ausstellung durch eine Wendeltreppe mit der Workshop- und
    Arbeitsebene im 1. Obergeschoss. Eine schlichte Ma­terialwahl soll die Klarheit des Konzepts be­to­nen.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    2. Preis Schulz und Schulz schlagen verschiedene Höhensprünge vor, die die Jury für die späteren Betriebsabläufe bemängelte. Zudem sei die ungeklärte Nutzung des üppigen Dachgeschosses ungeklärt.
    Abb.: Architekten

    2. Preis Schulz und Schulz schlagen verschiedene Höhensprünge vor, die die Jury für die späteren Betriebsabläufe bemängelte. Zudem sei die ungeklärte Nutzung des üppigen Dachgeschosses ungeklärt.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    3. PreisWandel Lorchs Entwurf überzeugt die Jury mit der „hohen räumlichen Differenziertheit“ der of­fenen Ausstellungsflächen und geschlossenen, für die intensive Archivarbeit geeigneten Bereiche. Auch die Konzentration der Funktions- und Verkehrsflächen in viele kleinere Neben­zonen wurde gelobt, die ein „Maximum an bespielba­rer Fläche im historischen Mantel des Blockhauses“ ergibt.
    Abb.: Architekten

    3. PreisWandel Lorchs Entwurf überzeugt die Jury mit der „hohen räumlichen Differenziertheit“ der of­fenen Ausstellungsflächen und geschlossenen, für die intensive Archivarbeit geeigneten Bereiche. Auch die Konzentration der Funktions- und Verkehrsflächen in viele kleinere Neben­zonen wurde gelobt, die ein „Maximum an bespielba­rer Fläche im historischen Mantel des Blockhauses“ ergibt.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

Der Beton-Würfel ist gefallen

Für das hochkarätige Pri­vatarchiv des Kunst­­samm­lers Egidio Marzona bekamen die Staatli­chen Kunst- sammlungen Dres­den den Zuschlag. Es soll im ba­rocken Blockhaus unter­gebracht werden.

Text: Scheffler, Tanja, Dresden

Ab 1732 nach Plänen von Zacharias Longuelune auf der Neustädter Elbseite errichtet, blieb das Blockhaus in Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg als ausgebrannte Ruine stehen und wurde erst ab 1978 im Zuge der Neubebauung der angrenzenden Hauptstraße wieder aufgebaut. Dabei wurde es im Inneren mit einem Festsaal, einem Klubsaal und einer Gaststätte neu gestaltet. Nach der Wende wurde das Gebäude vom Freistaat Sachsen erworben, für Verwaltungszwe­cke umgenutzt und nach ersten Schäden durch das „Jahrhunderthochwasser“ 2002 notdürftig repariert. Nach dem Hochwasser 2013 mussten die dort ansässigen Institutionen ausziehen. Seitdem gehört das leerstehende Gebäude zu den besten, frei verfügbaren Dresdner Immobilien im Portfolio des Freistaats.
Hier soll nun das „Archiv der Avantgarden“ des deutsch-italienischen Galeristen und Verleger Egidio Marzona untergebracht werden. Seine Sammlung umfasst rund 1,5 Millionen Exponate und Dokumente zum Expressionismus, Futurismus und Konstruktivismus, sowie zu verschiedenen Strömungen der 1960er bis 1980er Jahre. Neben Kunstwerken, Architekturzeichnungen, Designobjekten und Fotografien vor allem schriftliche Unterlagen, fein säuberlich in Klarsichthüllen abgeheftet in Tausenden von Ordern. Sie warten nur noch auf ihre wissenschaftliche Erforschung und Präsentation. Einige Teile davon sind bereits in Dresden angekommenen und werden aktuell im Japanischen Palais zwischengelagert. Um diese auf einen Wert von rund 120 Millionen Euro geschätzte Sammlung zu bekommen hat der Freistaat neun Mitarbeiterstellen und die Übernahme der aktuell mit 20 Millionen Euro veranschlagten Kosten für den Blockhaus-Umbau angeboten. Denn die größtenteils auf die Kunstkammern der früheren sächsischen Kurfürsten zurückgehenden Bestände der Museen der SKD weisen im Bereich der Kunst des 20. Jahrhundert schmerzliche Lücken auf. Marzonas Sammlung kann einige dieser Lücken schließen. Sein komplettes Archiv im überschaubaren Blockhaus adäquat unterzubringen ist jedoch eine kniffelige Aufgabe.
Dafür lobte der Freistaat, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), einen Wettbewerb aus, für den sich 103 Architekten beworben haben. 11 zusätzliche Teilnehmer waren gesetzt. Im Rahmen eines Auswahlverfahrens wurden davon 35 Büros zur Teilnahme ausgewählt und von die­-sen später 28 Arbeiten eingereicht. Aufgabe war die Erstellung einer neuen räumlichen Kon­zep­tion innerhalb der überlieferten denkmalgeschützten Gebäudehülle, die das geforderte Raumprogramm von rund 1900 Quadratmetern Nutzfläche für die Bereiche des Archives, der Forschung und Ausstellung schlüssig umsetzt. Dabei war aufgrund der Hochwassergefahr kei­-ne unterirdische Unterbringung des Archivguts möglich.
Beim Entwurf von Nieto Sobejano (1. Preis) schwebt das Archiv als massiver Betonkubus im leergeräumten Gebäude. Das Erdgeschoss soll als flexibel bespielbare offene Foyer- und Ausstellungszone genutzt werden. Obwohl „die Angemessenheit des Ausstellungsraumes im Hinblick auf die Anforderungen der Institution“ kontrovers diskutiert wurde, konnte sich die Jury für diese „radikale architektonische Setzung“ begeistern.
Schulz und Schulz Architekten (2. Preis) überzeugten mit der Idee, in die historische Gebäudehülle ein völlig neues, industriell angehauchtes Raumtragwerk aus Fachwerkträgern mit verschiedenen Plattformen und gläsernen Kisten einzustellen.
Wandel Lorch Architekten (3. Preis) schlugen vor, einzelne Innenwände zu erhalten und an diesen partiell die verschiedenen historischen Zeitschichten freizulegen. Dabei gibt es im Erd­geschoss einen flexibel bespielbaren Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich. Vom Foyer aus gelangt der Besucher über das bereits vorhandene, seitlich liegende Haupttreppenhaus in das darüber liegende Archiv und passiert auf dem Weg in den zentral gelegenen Vorlage- und Lesesaal ein Schaulager.
Der Staatsbetrieb SIB beabsichtigt, Nieto Sobejano Arquitectos mit dem Umbau zu beauftragen. Spätestens seit der Rekonstruktion der Frauenkirche ist jedoch klar, dass sich die Tragfähigkeit von barocker Bausubstanz, die 1945 der Hit­ze des Feuersturms und später offen der Wit­terung ausgesetzt war, in Grenzen hält. Daher wirkt das Konzept, einen Betonkubus mit drei Etagen Rollregalen über „vier diagonale Dachbalken“ aus Stahlbeton auf den historischen Außenmauern des entkernten Blockhauses „schwebend“ aufzulagern wie eine ziemlich gewagte Idee, die später im Zuge der Anordnung von weiteren verdeckten Tragkonstruktionen womög­-lich mit zusätzlichen Eingriffen in die überlieferte Bausubstanz verbunden ist.
Das gesamte Archiv-Projekt bedient außerdem das in Teilen der Bevölkerung weit verbrei­-tete Gefühl, seit der Wende vom Westen „kul­turell kolonialisiert“ zu werden. Denn die Kunst der DDR-Zeit erfährt deutlich weniger Wertschätzung. Auch beim aktuellen Wettbewerb wurde „vom Rückbau der inneren baulichen Struktur ausgegangen“. Damit wurden alle während der DDR-Zeit neu hinzugefügten Ele­mente des Blockhauses zum Abriss freigegeben, darunter auch ein an der zentralen Innenwand angebrachtes Wandbild, das bereits nach der Übernahme des Gebäudes durch den Freistaat mithilfe von neuen Verkleidungen verdeckt wurde.
Eine für viele der ehemaligen Nutzer und Besucher dieses Gebäudes genauso wichtige Fra­ge ist jedoch: Was passiert mit den Kronleuchtern des Festsaals? Denn sie sind in der Erin­nerung vieler Dresdner fest mit diesem Gebäudeverbunden. Wenn sie bei der anstehenden Komplettentkernung im Container landen, wäre das –selbst unter dem Aspekt der Radikalität der Avantgarde – sicherlich kein gutes Omen.

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