Kleinstadt mit Zukunft?

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Redecke, Sebastian, Berlin

Kleinstadt mit Zukunft?

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Redecke, Sebastian, Berlin

Ortspezifische Eigenarten haben Kleinstädte geprägt und oft auch groß gemacht. Es kann sich dabei um das Quellwasser handeln, das Gesundheit verspricht, es kann auch ein großes Unternehmen am Ort sein, das die Einwohner voller Stolz zusammenschweißt. Es kann der Landanbau in der Umgebung prägend sein oder die bauliche Historie, die sich durch ihre Kraft und Schönheit auszeichnet. Kleinstädte können sich aber mit ihren Pluspunkten nicht zufriedengeben. Aufgrund ihrer bescheidenen Größe sind sie abhängiger von sozioökonomischen Veränderungen. Sie leiden vor allem unter dem Schwund junger Bewohner, die es in die Ballungsräume zieht. Diese Entwicklung ist zu bremsen. Auf kommunaler Ebene haben meist wenige Akteure großen Einfluss und damit unmittelbare Gestaltungsmöglichkeiten, die es zu nutzen gilt.
Die in diesem Heft besuchten 16 Kleinstädte abseits von Metropolregionen haben alle etwas Charakteristisches zu bieten, dazu Themen, die aktuell vor Ort diskutiert werden und einen Schwerpunkt der Betrachtung darstellen. Acht von ihnen befinden sich im Grenzgebiet zu den neun Nachbarländern mit Ausnahme von Luxemburg, acht liegen mehr oder weniger ganz in der Nähe auf der anderen Seite. An die offenen Grenzen und den offenen Austausch in Europa haben wir uns gewöhnt, und doch zeigen sich in den Kleinstädten auf beiden Seiten der Grenze Unterschiede in der Vorgehensweise von Planungsstrategien und bei den Entscheidungskompetenzen deutlicher als erwartet. Die 16 Porträts kommen ohne Interviews aus und erheben nicht den Anspruch einer ausführlichen Analyse und kritischen Kommentierung aller Fakten. Auch das Dauerthema des Leerstands von Läden in oder am Rand von Ortskernen steht nicht im Vordergrund. Gezeigt wird der Ist-Zustand. Dazu erklären die jeweiligen Pläne von schwarzplan.eu auf einen Blick die Einbettung in die ländliche Umgebung und, in einem größeren Maßstab, die strukturellen Eigenarten im Ortskern. Um diese Sicht auf die Kleinstädte zu komplettieren, wurden sie im Mai nicht nur von den Autoren, sondern auch von zwei Fotografen aufgesucht. Sie haben ihre Eindrücke fotografiert, die nicht notwendig mit den Texten korrespondieren. Trotzdem ergibt sich mit den wenigen Fotos ein Bild des Ortes. Eine Ausnahme in der Reihe der Städte bildet Kempten. Sie ist mit 67.000 Einwohnern eine Mittelstadt. Dem Autor war es wichtig, diese Stadt auszuwählen, da sich mit dem Architekturforum Allgäu eine Initiative erfolgreich Gehör verschafft hat und mit Partnern in der Stadt bereits viel erreichen konnte.
Das Fazit: Eine Reihe von Kleinstädten bietet in ihrer Entwicklung neue Ansätze. Dabei ist in verschiedenen Facetten ein beeindruckendes Engagement der Bewohner, aber auch von Planern und Politikern für ihre Stadt zu beobachten, die viel unmittelbarer agieren können als in Großstädten. In der Planung lässt sich allgemein die Tendenz feststellen, dass bei weiteren Ansiedlungen die Ausweisung neuer Baugebiete nur noch vorsichtig vorgenommen wird; Verdichtung und Neunutzung des Bestands im Ortskern oder in später entstandenen Quartieren gewinnen auch in Kleinstädten mehr und mehr an Bedeutung.
Oft war bei den Besuchen die Hoffnung zu hören, dass sich nicht weiter alles fokussiert auf die Ballungsräume, sondern die Kleinstädte in ländlichen, oft abgeschnittenen Gebieten die Möglichkeit haben, aus sich heraus neue Potenziale zu entwickeln, mit dem wichtigen Ziel, dass eine jüngere Generation dort andere Lebensqualitäten als in der Großstadt mit den größer werdenden Defiziten wertzuschätzen lernt.

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