Abu Dhabi noch wertvoller

Editorial

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin; Thein, Florian, Berlin


Abu Dhabi noch wertvoller

Editorial

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin; Thein, Florian, Berlin

Bei der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi am 8. November letzten Jahres war der französische Staatsprä­sident Emmanuel Macron davon überzeugt, dass im „Dienste der Schönheit“ etwas Wunderbares entstanden ist. Tatsächlich sind auf 8600 Quadratmetern 600 Kunstwerke aus aller Welt zu sehen, dazu die schützende Stahlkuppel mit ihrer netzartigen Struktur als Geste voller Symbolik und als ein Meisterwerk der Imagination und der Ingenieurbaukunst. Für die Initiatoren soll das Museum mit seiner Sammlung Kulturen miteinander verbinden und damit vielleicht sogar in einer von Spannungen und Kriegen bestimmten Region ein wenig friedensstiftend wirken. Doch befasst man sich näher mit dem Louvre-Konzept am Golf, kommt man mehr und mehr ins Grübeln. Warum muss kostbare Kunst wie früher bei den Herrscher­familien in Europa dorthin gelangen, wo das Geld dafür bezahlt wird? Welche Bedeutung hat die Sammlung wirklich für Abu Dhabis Scheich bin Zayed Al Na-hyan? Verfolgt das gesamte Projekt mit dem Nachbargebäude für Guggenheim, (das bald noch größer als Bilbao gebaut wird), nicht vielmehr die Strategie, Größe und Reichtum der Emirate zu zeigen? Taugt für solche Ziele der Versand von einem Tizian oder Gauguin, den sich der Louvre exzellent bezahlen ließ?
Jean Nouvels Entwurf wird von kontextuellen Bezugspunkten bestimmt. Anlage und Gestalt haben Wurzeln im Land. Nouvels Referenz ist die Medina, über deren Plätze und Gassen Strohmatten hängen – ein Gegensatz zur am Golf abgeladenen Glitzerwelt von erschreckender Willkür. Das Ausstellungskonzept mit der Gegenüberstellung unterschiedlicher Kulturkreise durch Kunst führt hingegen die Globalisierung vor Augen. Für die Touristen aus Asien wird der nun näher gerückte Louvre in jedem Fall ein Magnet sein.
Eine Maschine in Blau und Rosa
Soll man 40 Jahre alte Materialien einfach austauschen, wenn sie heute noch von dem selben Hersteller produziert werden? Oder lieber nur partiell reparieren unddas Original bewahren? Ab wann sind Originale überhaupt schützenswert? In den vergangenen fünf Jahrenwurde der Umlauftank 2 von Ludwig Leo aus dem Jahr 1974 durch die Wüstenrot Stiftung aufwendig saniert. An der funktionalen Maschine, die auch nach der Sanierung noch als Versuchsanstalt für schiffstechnische Modellversuche der TU Berlin dient, erprobten HG Merz Architekten den denkmalpflegerischen Umgang mit einem Bauwerk der Nachkriegsmoderne. Dabei mussten sie stets den gangbaren Weg zwischen Pragmatismus und denkmalpflegerischem Dogma ausloten, wie HG Merz und Projektleiter Stefan Motz im Bauwelt-Gespräch erklären.

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