Maria Schwarz (1921-2018)

Text: Buslei-Wuppermann, Agatha, Düsseldorf

    Maria Schwarz, bis zuletzt im Einsatz für die Architektur. Zu ihrem 90. Geburts­tag erschien 2011 eine Festschrift, in der Wegge­fährten Begegnungen mit ihr schildern. Das Buch von Agatha Buslei-Wuppermann ist im Verlag Schnell & Steiner erschienen und kostet 14,50 Euro.
    Foto: Archiv Agatha Buslei-Wuppermann

    Maria Schwarz, bis zuletzt im Einsatz für die Architektur. Zu ihrem 90. Geburts­tag erschien 2011 eine Festschrift, in der Wegge­fährten Begegnungen mit ihr schildern. Das Buch von Agatha Buslei-Wuppermann ist im Verlag Schnell & Steiner erschienen und kostet 14,50 Euro.

    Foto: Archiv Agatha Buslei-Wuppermann

Maria Schwarz (1921-2018)

Text: Buslei-Wuppermann, Agatha, Düsseldorf

Maria Schwarz ist tot. Der Verlust ist für alle, die sie kannten, schmerzlich. In der von Männern dominierten Zeit in der Architektur hat sie sich einen Namen im Sakralbau gemacht. Neugierig und vital agierte sie zwischen Reißbrett und Telefon bis ins hohe Alter von 97 Jahren.
Maria Schwarz, geb. Lang, kam am 3. Oktober 1921 in Aachen zur Welt. Geprägt durch ein handwerklich-künstlerisches Elternhaus, studierte sie ebenso wie ihre beiden Geschwister Architektur an der Technischen Hochschule in Aachen. Otto Gruber, René von Schöfer und Hans Schwippert waren ihre Lehrer. Nach Abschluss ihres Studiums im Jahr 1943 war die junge Diplomingenieurin ab 1946 zunächst Mitarbeiterin von Hans Schwippert. 1949 wechselte sie zur Wiederaufbaugesellschaft nach Köln, wo sie unter der Leitung von Rudolf Schwarz, Fritz Schaller und Gottfried Böhm an der Umsetzung des Generalplans für das zerstörte Köln arbeitete. Zwei Jahren später heiratete sie Rudolf Schwarz. In Köln-Müngersdorf baute das Paar 1954–56 ein bescheidenes Wohn- und Atelierhaus. Es sollte ein offenes Haus für Kollegen, Künstler und Freunde werden. Als 1956 der Katholikentag auf dem nahe ge­le­genen Nordfeld stattfand, diente das Haus Schwarz als ideale Umkleidekabine für eine Reihe von Exzellenzen. Auch Ulrich Conrads, von 1957 bis Ende 1988 Chefredakteur der Bauwelt, war ein gern gesehener Gast im Hause Schwarz. Er lobte nicht nur die Kochkünste von Maria Schwarz, sondern auch die lebendige Zusammenarbeit mit ihr. 2011 schrieb er: „Ich war Gast im Hause Schwarz in Müngersdorf und war es gern. Schließlich haben Maria Schwarz und ich etwas gemeinsam veranstaltet. Nämlich die erste und einzige Veröffentlichung der ‚Wegweisung der Technik‘ (1926) in allen, auch in den bislang ungedruckten Teilen und Ergänzungen von Rudolf Schwarz.“
Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns übernahm Maria Schwarz 1961 die Büros in Köln und Frankfurt und widmete sich bis 1967 vor allem der Fertigstellung seiner geplanten und unvollendeten Bauwerke. Die Symbiose zweier Architekten hätte nicht enger sein können. Sie baute aus ersten Vorentwürfen, Ideenskizzen oder winzigen Perspektivzeichnungen zehn Kirchen ganz im baumeisterlichen Sinne von Rudolf Schwarz. Damals waren die Frauen in der Architektur rar und im Kirchenbau undenkbar. Unter dem Namen „Schwarz und Partner“ arbeitete sie seit 1992 mit zwei weiteren selbstständigen Architektinnen. Schwerpunkte ihrer Arbeit lagen seither auf Umgestaltungs- und Renovierungsarbeiten von Kirchen. Von 1986–88 leitete Maria Schwarz die Renovierung der Paulskirche in Frankfurt am Main, die Schwarz 1948 aus den Trümmern des ersten Deutschen Parlamentsgebäudes geschaffen hatte und die bis heute glücklicherweise ihren klaren Duktus bewahrt hat. Wenige Wochen vor ihren Tod tat sich da ein mächtiger Gegenwind auf, dem sie noch mit aller Energie entgegen wirkte. Werktreue war ihr wichtig. Maria Schwarz sprach eine Sprache, so authentisch wie ihr Mann baute. Kein Detail zu viel.
Kollegen nannten Maria Schwarz liebevoll die „Schreinswärterin“. Sobald Bauwerke von Schwarz oder ihrem Lehrer Schwippert in Gefahr waren, kannte sie kein Pardon. Als im hochfeinen Isabellensaal des Kölner Gürzenich von Schwarz nach der Renovierung wieder zwei Gobelins aus dem Jahre 1963 auf die Längswände aufgebracht werden sollten, schritt sie resolut ein: „Nix da – die Gobelins kommen da nicht mehr rein!“ Vehement kämpfte sie auch für den Erhalt der Kirche St. Raphael in Berlin-Gatow. Sie konnte den Abriss im Jahre 2005 jedoch nicht verhindern. Diese Niederlage verkraftete sie nur schwer.
Die Nachricht von der beschlossenen Zerstörung des Innenraums der St. Hedwigs-Kathe­drale von Hans Schwippert am Berliner Bebelplatzkam an ihrem Todestag in feinstem Juristendeutsch und hat sie nicht mehr erreicht. Sie hatte die Kriegswunde im Boden noch deutlich in Erinnerung und verstand in einzigartiger Genauigkeit die Interpretation des Entwurfs. Mit ihrem unbändigen Lebenswillen hat sie bis zu ihrem Tod für den Erhalt des Schwippertschen Bauwerks als „Mahnmal für den Frieden“ und der sinnbild­lichen Verklammerung von West und Ost gekämpft. In großer Sorge um ein einmaliges Denkmal verstarb sie am 15. Februar 2018 in ihrem Kölner Atelier- und Wohnhaus. Freunde, Kolleginnen und Kollegen verlieren in Maria Schwarz einen wunderbaren Menschen und eine streitbare Bewahrerin hoher Werte der Baukultur.

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