Nützliches aus Köln

Eigentlich kaum vorstellbar, dass unser Autor mit seiner Vorliebe für Reduziertes auf der imm cologne jedes Jahr fündig wird. Wird er aber

Text: Kasiske, Michael, Berlin


Nützliches aus Köln

Eigentlich kaum vorstellbar, dass unser Autor mit seiner Vorliebe für Reduziertes auf der imm cologne jedes Jahr fündig wird. Wird er aber

Text: Kasiske, Michael, Berlin

Zu Jahresbeginn jagen die Möbelmessen einander – als wollten sie sich vor dem im April stattfindenden „Salone del Mobile“ in Mailand noch Aufmerksamkeit sichern. Die erste in diesem Reigen, vor der Maison & Object Paris und der Stockholm Furniture Fair, ist die imm cologne, die ­ vom 16. bis zum 22. Januar stattfand. Ihr Selbstverständnis als „wichtigste Einrichtungsmesse im weltweit wichtigsten Einrichtungsmarkt“ kommt nicht von ungefähr: Zum einen wird die Leistungs- und gleichzeitig Gestaltungsschau schon seit 1949 am Rhein ausgerichtet, zum anderen nimmt das Segment Wohn- und Küchenmöbel fast siebzig Prozent des Gesamtumsatzes der inländischen Möbelproduktion ein. Davon wird zudem ein Drittel ausgeführt, womit Deutschland weltweit den dritten Platz im Möbelexport einnimmt, überraschenderweise noch vor Italien. Deutsches Design wird von jeher weniger als aufregend denn als solide empfunden. Das mag für den Hersteller Richard Lampert Anlass sein, Möbelentwürfe aus den frühen Jahren der Bundesrepublik neu aufzulegen, die wie ihre Entwerfer etwas in Vergessenheit geraten sind. Das erste Parkhaus Deutschlands, die Haniel-Ga­rage, das Mannesmann-Hochhaus und der Flughafen Köln-Bonn sind als stilbildende Gebäude der Nachkriegszeit präsenter als ihr Schöpfer, der Düsseldorfer Architekt Paul Schneider-Esleben (1915–2005). Seinen Stuhl TT 54 – die Buchstaben stehen für ein kindliches „Tinchen Tühlchen“ – entwarf er 1954. Man sieht dem Gestell aus schwarzem, nur zehn Millimeter dickem Rundstahl an, dass Material seinerzeit knapp war. Das freilich gibt dem Stuhl das Filigrane, wobei das Geflecht aus Naturrattan an der Rückenlehne wie ein etwas zu knapp bemessenes Bikini-Oberteil wirkt. Die ursprüngliche Form wurde leicht modifiziert, wodurch der einst von Schneider-Esleben für ein Esszimmer vorgesehene Stuhl nun aktuellen Anforderungen an Ergonomie und Komfort entspricht. Auch der ehemalige Bauhäusler Herbert Hirche (1910–2002) hat zu jener Zeit Sitzmöbel mit Naturgeflecht entworfen, die jedoch mehr der ­Bequemlichkeit als dem Purismus verpflichtet ­waren. Hirche war bekannt, für seine „Möbel, die Unterhaltungselektronik beinhalten“. Lampert jedoch präsentiert eine Neuauflage des ebenfalls Mitte der 50er Jahre entstandenen Stuhls Frog. Der stapelbare Stuhl wurde seinerzeit für Hörsäle entworfen und zeichnet sich durch eine unten rund ausgeschnittene Rückenlehne aus. Die entfernt an ein Maul erinnernde Öffnung ­zwischen Sitzfläche und Lehne hat Hirche vermutlich zu der Bezeichnung „Frosch“ angeregt. Ursprünglich hatte die Rückenlehne oben einen eckigen Abschluss; in der Überarbeitung wurde sie abrundet und folgt formal dem Rohr, an das sie befestigt ist.

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