Potsdamer Positionen, Berliner Entwickler

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Friedrich, Jan, Berlin

Potsdamer Positionen, Berliner Entwickler

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Friedrich, Jan, Berlin

„Es gibt nichts, was stört“. Die Besucherin vor dem Palais Barberini ist begeistert. Sie erlebt den Alten Markt von Potsdam als schönen Ort mit schönen Fassaden, die im strahlenden Sonnenschein wie Kulissen des Filmstudios Babelsberg aussehen. Hasso Plattner, der Potsdamer Software-Milliardär, und seine Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht haben es möglich gemacht: Das alte Palais mit seiner im 18. Jahrhundert vom römischen Palazzo Barberini übernommenen Fassade steht wieder da, wo es sich bis zu seiner Zerstörung 1945 befand – und wird nun mit großem Erfolg als Ausstellungshaus des Mäzens genutzt. Die Besucherin hat nicht alles gesehen. Hinter dem Obelisken, auf der anderen Seite des Platzes, steht die ehemalige Fachhochschule, ein DDR-„Mon­tagebau“ von 1971. Der Block ist trotz Protesten seit kurzem leergeräumt und soll weg, damit Investoren den Alten Markt mit profitabler Mischnutzung hinter wei­teren schönen Fassaden komplettieren können. Es regt sich Widerstand. Warum darf dieser Montagebau, mit Sorgfalt hergerichtet und umgebaut, nicht einen Platz am Alten Markt haben? Er steht für seine Zeit.
Potsdamer Positionen, die diskutiert werden, gibt es viele, so auch bei der Biosphäre. Die frühere Blumenhalle der Bundesgartenschau 2001 ist defizitär im Unterhalt, und die Stadt denkt bereits über einen Abriss nach. Die Architekten Barkow Leibinger machten Vorschläge, ihren architektonisch viel beachteten Bau umzunutzen. Eine Entscheidung steht an.
Beim Potsdamer Sport- und Freizeitbad wurden Positionen mehrfach gewechselt. Im Juni sprang der Oberbürgermeister ins Wasser, und das Haus von gmp Architekten war eröffnet – endlich, nach langer Planungsgeschichte mit Oscar Niemeyer.
Als Position leise und bedacht: Die neu errichteten Restaurierungswerkstätten der Stiftung Preu­ßische Schlösser und Gärten von Staab Architekten fallen kaum ins Auge. Sie stehen südlich vom Schlosspark Sanssouci auf dem Gelände der schon lange verschwundenen Ananas- und Melonen-Treibhäuser für die Tafelrunde des Königs.
Selber machen!
Weil die klassischen Berliner Developer kein Interesse an ihrer Arbeit zeigten, haben Sascha Zander und Christian Roth vor Jahren schon neben ihrem Architekturbüro zanderroth eine eigene Entwicklungs­gesellschaft gegründet und zusammen mit Bauherrengemeinschaften bemerkenswerte Wohnhäuser gebaut. Ein jüngst fertiggestelltes Projekt in Berlin-Frie­drichshain ist dieses Jahr auf der Immobilienmesse Mipim als „Best Residential Development“ ausgezeichnet worden. Anlass für uns, mit den beiden über ihre Erfahrungen mit dem Immobiliengeschäft zu sprechen.

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