Turmspitzen zu Zipfelmützen

Die Lyonel-Feiniger-Galerie in Quedlinburg zeigt humorvoll Respektloses von Stefan Wewerka

Text: Kasiske, Michael, Berlin

    Stefan Wewerka, Münster zu Freiburg i. B., aus der Serie „Kathedralen“, 1974–76/ 1986, Radierung, aquarelliert
    Abb.: Wewerka Ar­chiv, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

    Stefan Wewerka, Münster zu Freiburg i. B., aus der Serie „Kathedralen“, 1974–76/ 1986, Radierung, aquarelliert

    Abb.: Wewerka Ar­chiv, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

    Stefan Wewerka verschiebt den Kölner Dom um 1 m, 1987, Produktionsfoto des Films „Verrückte Welten – Die Karrieren des Stefan Wewerka“ von Lothar Spree, 1987
    Abb.: Wewerka Ar­chiv, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

    Stefan Wewerka verschiebt den Kölner Dom um 1 m, 1987, Produktionsfoto des Films „Verrückte Welten – Die Karrieren des Stefan Wewerka“ von Lothar Spree, 1987

    Abb.: Wewerka Ar­chiv, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Turmspitzen zu Zipfelmützen

Die Lyonel-Feiniger-Galerie in Quedlinburg zeigt humorvoll Respektloses von Stefan Wewerka

Text: Kasiske, Michael, Berlin

Wahrzeichen oder gar nationale Symbole haben Stefan Wewerka (1928–2013) nie überwältigt. Aus vertrauten Objekten oder eben Abbildern von Gebäuden durch Zerschneiden und Verschieben neue humorvolle Aspekte herauszukitzeln – das muss dem Architekten, Designer und Künstler stets eine geradezu diebische Freude bereitet haben. Von nichts anderem zeugen die in einem Zeitraum von über vierzig Jahren entstandenen Grafiken, die in der Quedlinburger Lyonel-Feininger-Galerie zu sehen sind.
Für die Serie „Döme“ von 1970 zerschnitt Wewerka die Turmabschlüsse der Kathedrale am Rhein und fügte sie neu zu bewegten Spitzen, dieEselsohren einer Narrenkappe sein könnten oder Zipfelmützen des deutschen Michels. Dem nationalen Kulturgut seinen Ernst zu nehmen und dann als Siebdrucke verschiedenfarbig zu reproduzieren, weist Wewerka als Pop-Artisten aus. Er war auch ein begnadeter (Selbst-)Darsteller, das zeigt das Foto aus einem Film, in dem er 1987 den Kölner Dom um einen Meter zu verschieben versucht.
Zuvor hatte er sich mit der Verfremdung his­tori­scher Stahlschnitte von Kirchen als postmoderner Dekonstruktivist erwiesen. Durch seine scheinbare Respektlosigkeit erwies er diesen Bauwerken, die es zu damaliger Zeit neu zu ­würdigen galt, eine leichtfüßige und gleichsam ästhe­tische Referenz. Von späteren Vorhaben,
wie etwa den größten Tagebaubagger des Landes neben den Kölner Dom zu platzieren, existieren leider keine Bilder. Schade. Zu gerne hätte man die Konstruktion der Riesenmaschine vor den Strebungen des gotischen Bauwerks in ­Augenschein genommen.

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