Wenn Architektur sich ausstellt

Text: Spix, Sebastian, Berlin; Crone, Benedikt, Berlin, Redecke, Sebastian, Berlin

Wenn Architektur sich ausstellt

Text: Spix, Sebastian, Berlin; Crone, Benedikt, Berlin, Redecke, Sebastian, Berlin

Die Erwartungen waren hoch. Nicht nur das. Es war unvorstellbar, das Ergebnis könnte nicht überwältigen, nicht in Perfektion ausgeführt sein, nicht die Architekturgeschichte um einen erfindungsreichen Baustein erweitern. Anders gesagt: Wenn das Architekturbüro OMA aus den für gute Architektur berühmten Niederlanden für das ebenfalls für gute Architektur bekannte Dänemark ein Gebäude in der Nähe dessen Regierungssitzes baut und sich in dem Innern auch noch das Architekturzentrum des Lan­des befindet, was kann dann anderes entstehen, als ein Geniestreich in Koolhaas-Manier?
Eine Enttäuschung. Doch das wäre ein zu hartes Wort. Das Blox in Kopenhagen, das wir zur Eröffnung im April besuchten (S. 22), muss als dichte Mixed-Use-Packung viel in sich vereinen. Wohnungen, Bü­ros, Fitnessstudio, Buchhandlung, Spielplatz, Café, Restaurant, Tiefgarage, nicht zuletzt: das Dansk Ar­ki­tek­tur Center. Und das alles über einer mehrspurigen Straße und in bester Wasserlage. Als wäre das nicht genug, machten Baustopp und Bauherr die Umsetzung der hoch gesteckten Ziele nicht leichter.
In England eröffnete das Royal Institute of British Architects ebenfalls am Wasser seine erste Niederlassung außerhalb Londons – in einem tiefschwarzen Neubaukomplex im alten Hafen von Liverpool (S. 30). Schwierig nur, dass der Abschnitt seit 2004 einen Weltkulturerbe-Titel trägt und jede Umgestaltung von der Unesco wie von den Bewohnern skeptisch verfolgt wird. Warum eine Architekturinstitution sich nun gerade in dieses Gebäude wagt?

Haus Schweide

Das kleine Wohnhaus im Berliner Südwesten entstand 1929. Ein typischer Bau der neuen Zeit des Aufbruchs. Es steht leer und soll verkauft werden. Man fragt sich bei diesem hinter Bäumen und einer riesigen „Stadtvilla“ aus den achtziger Jahren verborgen liegende Baudenkmal, wie es mit allen schönen Details bewahrt werden kann. Der Architekt war Johan­nes Niemeyer. Nach dem Studium in München bei Theodor Fischer erhielt er nur in einem bescheidenen Rahmen Aufträge. Es folgte daher eine Tischlerlehre in den Werkstätten Dresden-Hellerau. Ab 1921 leitete er die Fachklasse für Raumausstattung an der Burg Giebichenstein. Der große Erfolg als Architekt blieb ihm weiter versagt. Mitte der dreißiger Jahre passte er sichan und gelangte 1942 ins Büro von Konstanty Gutschow, dem „Architekten für die Neugestaltung der Hansestadt Hamburg“. Nach diesem Schritt fand er nicht wieder zurück und wurde Pastellmaler.

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