Zukunft Wohnhochhaus?

Editorial

Text: Geipel, Kaye, Berlin

John Hejduks Kreuzberg Tower, 1988
Foto: Hélène Binet

John Hejduks Kreuzberg Tower, 1988

Foto: Hélène Binet


Zukunft Wohnhochhaus?

Editorial

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Es ist wieder en vogue, sich die Stadt als elegante Kollektion von hohen Bauten vorzustellen, die wie gespitzte Bleistifte in den Himmel stechen. 9/11 liegt weit zurück. Eine gewisse Angstlust ist wohl mit einkalkuliert, wenn Architekten wie Rafael Viñoly und Herzog & de Meuron (Bauwelt 17.2017) in New York oder Ole Scheeren in Bangkok superschlanke Wohnhochhäuser bauen, die aussehen, als könnten sie wie ein Jenga-Spiel in sich zusammenstürzen. Es sind Wohnhochhäuser als ultimatives Symbol für den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Bewohner, die sich mit schwindelerregenden Preisen in den Himmel der Stadt hinaufkaufen.
Die Gründe für den Hochhausboom liegen auf der Hand: Das Wohnhochhaus ist eine naheliegende Antwort auf die immer knapper werdenden innerstädtischen Flächen. Die Zahlen für Deutschland sind dabei noch bescheiden: Zwischen 2010 und 2015 sind in Deutschland 2484 Wohnungen in Hochhäusern gebaut worden, so eine Studie von bulwiengesa. Und zwischen 2016 und 2018 ist ein Anstieg auf 7280 zu erwarten - eine geringe Zahl angesichts der 248.000 Wohnungen, die im letzten Jahr in Deutschland fertiggestellt wurden. Etwas anders sieht die Situation in Frankfurt aus: Dort werden bis 2020 rund 4000 Wohnungen in Türmen fertig – knapp ein Viertel aller Neubauten. Neben dem künftig höchsten Wohnhochhaus Grand Tower gibt es hier eine ganze Reihe von Luxus-Projekten wie den Henninger Turm, den Taunusturm und das Westend-Ensemble.
Und plötzlich all die Hochhauspläne...
Wir haben für dieses Heft bei sieben Städten mit hohem Druck nachgefragt, wie es mit der koordinierten Hochhausplanung und dem Thema Wohnhochhaus aussieht. Die Ergebnisse unterscheiden sich von Stadt zu Stadt; gemeinsam ist ihnen die Anstrengung, eine Entwicklung zu koordinieren, die aus dem Ruder laufen könnte. Meist werden Hochhauspläne, die in den 90er Jahren zum gestalterischen Schutz der Innenstädte aufgestellt wurden, vorsichtig erweitert. In Hamburg zum Beispiel beschränkt man die Spielwiese hoher Bauten sinnvollerweise auf die HafenCity, in München gilt nach wie vor „Nicht höher als die Frauenkirche“. Aber der Blick auf die Innenstädte ist nur ein Teil des Problems. Genauso wichtig ist das kontinuierliche Weiterplanen an den Hochhausensembles der 60er und 70er Jahre, egal ob in Nordrhein-Westfalen, in Frankfurt oder in Amsterdam – den vorbildlichen und mit dem Mies van der Rohe Preis ausgezeichneten Kleiburg-Block in Bijlmermeer haben wir bereits in Heft 17 vorgestellt.
Eines ist klar: Hohe Häuser fordern nicht nur eine besonders gute Architektur, sie fordern auch mehr Innovation von Seiten der Stadtplaner. Wo bleiben zum Beispiel die Konzepte für das kleine, bezahlbare und überall leicht zu integrierende Hochhaus, dessen Urtyp John Hejduk im Rahmen der Berliner IBA 1988 gebaut hat? Für mich ist dieser Bau immer noch der schönste Turm zum Wohnen, der je gebaut wurde.
Wie die neuen Konzepte aussehen können, wollen wir am 7. und 8. Dezember auf dem Bauwelt-Kongress mit Ihnen und vielen Architekten, Stadtplanern und Entwicklern diskutieren und Sie an dieser Stelle herzlich einladen. Das Programm finden Sie bereits hier: kongress.bauwelt.de

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