Editorial

Haptik und Plastizität

Das Material Klinker erlangt seit ein paar Jahren wieder starke Relevanz in der Architekturwelt. Diesen Eindruck haben wir während der Arbeit an dieser Ausgabe von Brick 2.0 mehrfach bestätigt bekommen. Für Architekten wird es immer wichtiger, dass die Fassade wieder eine Tiefe, Plastizität und Haptik aufweist. Dabei spielt die Qualität der Oberflächen eine entscheidende Rolle.

Beim Klinker entsteht die Ornamentik wie von selbst durch die Kleinteiligkeit des Steins, durch die Eigenschaften des Materials. Der Klinker setzt die Rahmenbedingungen für Architekten und bietet gleichzeitig eine Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten. Genau mit dieser Thematik beschäftigen wir uns in diesem Heft: Als Einstieg diskutieren die Architekten Benedict Tonon und Sergei Tchoban mit Bauwelt-Chefredakteur Boris Schade- Bünsow und erläutern ihre Positionen zu gemauerten Fassaden. Sie halten Plädoyers für eine größere Achtsamkeit in Bezug auf Detaillierung und haptische Wirkung der Fassade, um Architektur eine neue Präsenz im Stadtbild zu verleihen. Laut Tchoban bieten die Maßstäblichkeit des Klinkers, seine Reliefwirkung und die Farbigkeit eine große Bandbreite an Variationen. Dies haben die Architekten mit ihren Berliner Projekten Motel One (Tonon) und nhow- Hotel (Tchoban) bewiesen.

Weiter geht es mit zwei spannenden Projekten aus England und Russland, bei denen die individuellen Klinker von Röben eine wichtige Rolle spielen. Die russischen Architekten Tsimailo Lyashenko & Partner haben bei ihrem Wohnungsbau 9–18 in der Nähe von Moskau größten Wert auf die Fassadengestaltung gelegt. Monatelange Experimente führten zu dem gewünschten differenzierten Farbverlauf der Klinkerfassade – von dunkel nach hell, mit insgesamt fünf Farbtönen.

Das britische Architekturbüro AHMM setzt ebenfalls auf Klinker: Bei dem Ensemble 240 Blackfriars Road in London wird ein gläserner Büroturm mit einem skulpturalen Wohnhaus mit schwarzer Klinkerfassade ergänzt.

Redaktion Bauwelt

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