Container als Lösung

Studentendorf in Berlin-Plänterwald

Text: Haberle, Heiko, Berlin

1. Preis: Holzer Kobler Architekturen

1. Preis: Holzer Kobler Architekturen


Container als Lösung

Studentendorf in Berlin-Plänterwald

Text: Haberle, Heiko, Berlin

Seit in Berlin die Mieten explodieren, sind Studentenwohnungen gefragt wie nie. Investoren haben die kleinen Einheiten längst als lukrativ entdeckt. In Adlershof, Friedrichshain und Mitte sind derzeit Anlagen in Planung. Jetzt wurde ein Wettbewerb für ein Containerdorf nahe am Plänterwald entschieden.
Die Idee kam dem Berliner Immobilienunternehmer Jörg Duske durch einen Fernsehbericht über Contai­nerdörfer für Studenten in Amsterdam. Im Oktober 2012 kaufte er ein 11.000 m² großes Grundstück im Berliner Ortsteil Plänterwald. Für 13 Millionen Euro sollen hier 400 Wohnungen für Studenten entstehen, ein „Wohnkunstwerk“ aus Containern.
Aufgrund seiner Lage in der Gabelung zweier S-Bahnstrecken ist das Grundstück für herkömmlichen Wohnungsbau kaum vorstellbar, doch angesichts des anziehenden Wohnungsmarktes scheinen sich die Ansprüche zu ändern. Und für Studentenwohnungen ist der Standort auf den ersten Blick durchaus gut gewählt: Der Campus der Humboldt-Universität in Adlershof ist nicht weit entfernt.
Im Dezember 2012 hat Duskes Unternehmen einen Wettbewerb ausgelobt. Der Kreativität wollte man möglichst wenig Grenzen setzen. Wichtig war allerdings, dass die Zusammensetzung aus Containern erkennbar bleibt, auch wenn diese nie auf hoher See gewesen sein, sondern in einer Amsterdamer
Fabrik speziell für die Wohnnutzung produziert werden. Entsprechend der Nachfrage beim Berliner Studentenwerk, für dessen 9500 Plätze es lange Wartezeiten gibt, sollen mehr als die Hälfte der 400 Ein-heiten Einzelwohnungen sein, der Rest 2er- und 3er-Einheiten, teilweise Duplexe.
Aus 105 Bewerbungen wurden 15 Büros zur Teilnahme aufgefordert. Die Entscheidung fiel auf ungewöhnliche Weise in parallelen „Auswahlverfahren“. Das persönliche Umfeld des Bauherrn, die Teilnehmer eines Votings bei Facebook, eine siebenköpfige Jury aus den Bereichen Landschaftsplanung, Statik, Haustechnik, Containerbau und TGA unter Leitung der Architektin Katja Fuks, und auch die Planungsbehörde des Bezirks Treptow-Köpenick wählten jeweils ihre Favoriten und tauschten sich im Anschluss aus. Mitte März fiel die Entscheidung für den Entwurf von Holzer Kobler Architekturen. 
In ihrem Vorschlag „Frankie und Johnny“ stapeln die Architekten rund 400 Container in zwei fünfstöckigen, parallelen Reihen. Der enge Zwischenraum, über den die Container mit berankten Laubengängen erschlossen werden, soll den Bahnlärm abhalten. In den ersten beiden Geschossen sind Container zusammengelegt, um einen Veranstaltungsraum mit angeschlossenen Arbeitsräumen, einen Waschsalon, eine Fahrradwerkstatt oder anmietbare Abstellflächen aufzunehmen. Durch Containergruppen, die weiter auskragen oder um 90 Grad gedreht angeordnet werden, entstehen Aufweitungen und Einschnitte. Im so herausgebildeten Kopfbau zur Eichbuschallee soll ein Café eröffnen.
Bei den Innenräumen hätte man sich trotz der räumlichen Zwänge mehr Vielfalt gewünscht, etwa durch den Einsatz von Raummöbeln, wie sie z.B. im Entwurf von Petr Hájek (ein 2. Preis) zu finden sind. Sein Konzept sieht die Anordnung der Container in einer Freiform um einen großen Hof vor, wobei der gewünschte Eindruck eines lebhaften Studentendorfes etwas verloren geht. Der Entwurf von KSP Jürgen Engel (ein 2. Preis) erinnert eher an eine hochpreisige Wohnanlage. Die Herausbildung von Einzelhäusern erscheint zwar sinnvoll, jedoch fehlen jegliche Unterscheidungsmerkmale.
Dass der Entwurf von Holzer Kobler mit seiner farbenfrohen Industrieästhetik auch noch ein studentisches Lebensgefühl vermittelt, dürfte vor allem für das Marketing von Vorteil sein. Schließlich handelt es sich hier nicht um eine studentische Initiative, sondern um einen Investor, der seine Idee medial geschickt vorantreibt. Konsequenter wäre es allerdings gewesen, den Wettbewerb auch für Studenten zu öffnen. Die Ergebnisse wären sicher einfallsreicher gewesen. Dennoch, jeder neue Wohnquadratmeter für Studenten ist zu begrüßen, zumal sich die von Duske angekündigte Warmmiete von 220 Euro für eine Wohnung mit 28 m² im Preisbereich der klassischen Wohnheime bewegt. Ein WG-Zimmer dürfte sich dafür kaum mehr finden lassen. Schon im Herbst sollen die ersten Container bezogen werden.
Architektenwettbewerb
1. Preis Holzer Kobler Architekturen, Berlin | ein 2. Preis Petr Hájek Architekti, Prag | ein 2. Preis KSP Jürgen Engel Architekten, Berlin, mit Ecolution, Karlskrona
Fakten
Architekten Holzer Kobler Architekturen, Berlin; Petr Hájek Architekti, Prag; KSP Jürgen Engel Architekten, Berlin, mit Ecolution, Karlskrona
aus Bauwelt 14.2013
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