Bauhaus 99

Vor dem Jahrhundert­-Jubiläum: Positionen, Konzepte, Erwartungen

Text: Grass, Michael; Kil, Wolfgang, Berlin

1923, erster Auftritt des Bauhauses. Im Aktsaal ein Schild: „Die in der Verkaufshalle ausgestellten Gegenstände sind verkäuflich und sogleich mitzunehmen.“
Foto: Bauhausuniversität Weimar/Archiv der Moderne, © Staatliche Bildstelle Berlin

1923, erster Auftritt des Bauhauses. Im Aktsaal ein Schild: „Die in der Verkaufshalle ausgestellten Gegenstände sind verkäuflich und sogleich mitzunehmen.“

Foto: Bauhausuniversität Weimar/Archiv der Moderne, © Staatliche Bildstelle Berlin


Bauhaus 99

Vor dem Jahrhundert­-Jubiläum: Positionen, Konzepte, Erwartungen

Text: Grass, Michael; Kil, Wolfgang, Berlin

Während alle Welt mit Spannung die Fertigstellung von drei neuen Bauhausmuseen erwartet, zeigt sich der Weg ins Jubiläumsjahr 2019 als reich an Hindernissen: Fassadenstreit in Weimar, Dessau eröffnet nicht vor Herbst, und das Berliner Bauhaus-Archiv ist eben erst ins Interimsquartier umgezogen. Bietet wachsende Neugier da nicht Grund für Blicke hinter die Kulissen? Weit vor der irgendwann fälligen Architekturkritik hat die Bauwelt nach Berechtigung und Auftrag der drei neuen Häuser gefragt. Die sammlungsführenden Häuser begründen neue Präsentationsflächen allein schon mit einer hundertjährigen Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte, aber auch neue Erkenntnisse wollen eingearbeitet sein. Die Diskursgruppe „projekt bauhaus“ will dagegen das Bauhaus als Institution erst einmal beerdigen, um dann seinen Ideen zu neuer Relevanz zu verhelfen.
Mit den folgenden Texten kommen die Verantwortlichen für die neuen Museen selbst zu Wort. Es sind individuelle Statements, Antworten auf eine Anfrage der Redaktion, in der es vor allem um Sinn und Methodik einer Musealisierung der gerühmten Schule ging: Was ist vom Bauhaus hundert Jahre nach des­sen Gründung Neues zu erwarten? Lässt das Übergewicht an Stildebatten der zurückliegenden Jahre eine Betrachtung von „Bauhaus“ als Idee und Experiment überhaupt noch zu? Bloße Archivierung und Zurschaustellung der Artefakte reichen heute sicher nicht. Aber können neue Vermittlungsstrategien neue Zielgruppen für die Bauhausidee erschließen? Andererseits – wer auf eine „fortdauernde Aktualität“ der Reformkunstschule drängt, muss deren Konzepte auch als reale Handlungsoption für heute drängende plane­rische Aufgaben anbieten. Dabei darf kritisch nach dem Ist-Zustand des Phänomens Bauhaus gefragt, dessen Inanspruchnahme als elitäres Distinktionsmerkmal kritisiert oder als durchgesetzte Mittelstandskultur diskutiert werden.
Nicht zuletzt geht es auch um die Inszenierung der jeweiligen Orte. Weimar, Dessau und Berlin waren historische Wirkungsstätten der Schule – in welchem Verhältnis sollen also die Neubauten zu den „auratischen“ Original-Schauplätzen stehen? Allein in Berlin lässt sich der geplante Neubau als Aushandlungsprozess mit dem historischen Bestand deuten. In Weimar und Dessau entstehen markante Solitäre, die zusätzlich als neue touristische Attraktion dienen sollen. Was also macht den „authentischen“ Bauhaus-Gedenkort aus?

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