Centre Pompidou Brüssel

Der Wettbewerb für das Zentrum für Moderne und Zeitgenössische Kunst und für die Architekturstiftung CIVA in Brüssel wurde einstimmig entschieden. EM2N bauen bis 2022 die Hallen des Citroën-Autohauses um. Das Projekt stellt einen wichtigen Baustein der Aktivierung des Stadtteils am alten Kanal von Brüssel dar.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

    Bis vor kurzem nutzte Citroën das 1929–32 errichtete Autohaus. Oben: Die große Werkstatt- und Garagenhalle am Quai de Wille­broeck. Das Band am Dach wollen die Preisträger als Info-Lichtband gestalten. Foto: Sebastian Redecke

    Bis vor kurzem nutzte Citroën das 1929–32 errichtete Autohaus. Oben: Die große Werkstatt- und Garagenhalle am Quai de Wille­broeck. Das Band am Dach wollen die Preisträger als Info-Lichtband gestalten.

    Foto: Sebastian Redecke

    Foto: Sebastian Redecke

    Foto: Sebastian Redecke

    1. Preis Die Autohalle an der Place de l’Yser wird zum offenen Raum für Installationen, Theater und Tanz. Das Dach mit Blick auf Stadt und Kanal dient als Terrasse für Veranstaltungen.
    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    1. Preis Die Autohalle an der Place de l’Yser wird zum offenen Raum für Installationen, Theater und Tanz. Das Dach mit Blick auf Stadt und Kanal dient als Terrasse für Veranstaltungen.

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Die alten Garagen und Werkstätten werden weitgehend so belassen wiesie sind. Die Rampen dienen als interne Straßen. Drei Blöcke werden für die Ausstellungen eingestellt.
    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Die alten Garagen und Werkstätten werden weitgehend so belassen wiesie sind. Die Rampen dienen als interne Straßen. Drei Blöcke werden für die Ausstellungen eingestellt.

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Wie vom Auslober gewünscht, öffnen sich auf derRückseite die alten Hallen weiträumig zum Kanal.
    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Wie vom Auslober gewünscht, öffnen sich auf derRückseite die alten Hallen weiträumig zum Kanal.

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Ein Saal des Ausstellungsblocks mit Blick auf den Kanal.
    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Ein Saal des Ausstellungsblocks mit Blick auf den Kanal.

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

    Abb.: EM2N, NOA, SBA

Centre Pompidou Brüssel

Der Wettbewerb für das Zentrum für Moderne und Zeitgenössische Kunst und für die Architekturstiftung CIVA in Brüssel wurde einstimmig entschieden. EM2N bauen bis 2022 die Hallen des Citroën-Autohauses um. Das Projekt stellt einen wichtigen Baustein der Aktivierung des Stadtteils am alten Kanal von Brüssel dar.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Das frühere Citroën-Gebäude an der Place de l’Yser in Brüssel hat eine große Bedeutung. Es bildet eine Art Entrée, wenn man den breiten Boulevard von der Basilika Koekelberg im Nordwesten der Stadt zur Place Rogier ins Stadtzen­trum entlangfährt. Das Rund des Gebäudes zeigt dorthin. Die Werkstätten des auffälligen Autohauses liegen dahinter am Kanal Brüssel-Charleroi. Entstanden ist der Bau in den Jahren 1929-32 durch die Architekten Maurice-Jacques Ravazé, Alexis Dumont und Marcel Van Goethem und wurde später mehrmals umgebaut und ergänzt. Die Stahlglas-Fassade der Ausstellungshalle hat eine Höhe von 21 Metern (Bauwelt 11.2017).
Citroën hat den Standort vor kurzem aufgegeben. Die Stadt Brüssel, vertreten durch die Société d’Aménagement Urbain (SAU), kaufte 2015 das Gebäude, um dort sein neues Kulturzentrum „Pole Culturel Citroën“ einzufügen. Es soll zum Anker werden für die groß geplante Neugestaltung und -bebauung entlang des Kanals. Mehrere Wohnbauten sind bereits entstanden. Als wichtigster Partner für das Kulturzentrum wurde das Centre Pompidou gewonnen, das bereits Dependancen in Metz und Málaga gegründet hat. Das markante Gebäude in Metz baute Shigeru Ban (Bauwelt 22.2010). Das Brüsseler Projekt nennt sich mit dem Partner heute „KANAL – Centre Pompidou“. Die kontinuierliche Umstrukturierung und Neubebauung am Kanal, der mit gemischter Nutzung ein neuer pulsierender Ort der Stadt werden soll, ist das wichtigste Projekt von Kristiaan Borret, der 2014 das Amt des Stadtbaumeisters von Brüssel übernommen hat.
Große Vitrine
An dem Bewerbungsverfahren zum Wettbewerb für den Umbau und die Ergänzung des Autohauses beteiligten sich 92 Büros. Unter den nicht Ausgewählten gehören für eine solche Aufgabe prädestinierte Büros wie Lacaton Vassal aber auch David Chipperfield, Foster + Partners, BIG, Coop Himmelb(l)au, Kengo Kuma, Sanaa, Junya Ishigami und Snøhetta, aus Deutschland waren u.a. Sauerbruch Hutton, Auer Weber und Barkow Leibinger dabei. Für die zweite Phase wurden sieben Büropartnerschaften ausgewählt.
Aufgabe war, in dem Gebäudekomplex ein Museum der Modernen und Zeitgenössischen Kunst (15.000 Quadratmeter), die Architekturstiftung CIVA, ebenfalls mit großen Ausstellungsflächen, dazu ein Auditorium mit 400 Plätzen (10.000 Quadratmeter) und einen offenen Bereich für kulturelle Veranstaltungen von größtmöglicher Bandbreite sowie einige Shops (10.000 Quadratmeter) unterzubringen.
Die Jury (Vorsitz Roger Diener) entschied sich einstimmig für die Arbeit von EM2N in Zusammenarbeit mit noAarchitecten, Brüssel, und Sergison Bates, London. Der vom Büro EM2N (Matthias Müller und Daniel Niggli) bisher wichtigste Um- und Erweiterungsbau ist das Toni-Areal in Zürich, ein riesiger ehemaliger Milchverarbeitungsbetrieb, der zur neuen Hochschule der Künste (ZHdK) wurde (Bauwelt 34.2014).
Das Konzept der Preisträger für Brüssel lässt sich leicht ablesen: Die große frühere Ausstellungshalle an der Place de l’Yser bleibt in seiner ganzen Höhe frei und wird nun als „Vitrine“ für Großinstallationen und Konzerte genutzt. Das Dach wird zur Terrasse für Veranstaltungen. Die dahinterliegenden Hallen werden von kleineren Einbauten wie Büros befreit und nach der Instandsetzung und neuer Verglasung weitgehend so belassen wie sie sind. Die zentralen Erschließungswege kreuzen sich in der Mitte der ehemaligen Garagen- und Werkstätten. Hierfür werden zum Teil die alten Rampen im Gebäude als offe­-ne Straßen genutzt. Um die geforderten Flächen unterbringen zu können, werden drei Blöcke unterschiedlicher Höhe in diesen hinteren Gebäudekomplex eingestellt, die sich in ihrer Architektursprache deutlich zurücknehmen aber große Fensterbänder zum Kanal aufweisen. Die Neubauten gewährleisten die klimatechnischen Voraussetzungen für die Ausstellungen und das Auditorium. Die alten Hallen öffnen sich, wie vom Auslober gewünscht, weiträumig und einladend zum Kanal. Ein Info-Lichtband umgreift das Gebäude an der Dachkante.
Alle ausgewählten Architektenteams des Wettbewerbs waren der Faszination der alten Hallen erlegen und bewahren sie in großen Teilen. Die zusätzlichen Flächen werden entweder integriert oder aufgesattelt und lassen große Offenheit und Flexibilität zu. Grundlegend andere Konzepte gab es also nicht. 125 Millionen Euro stehen für das Brüsseler Centre Pompidou zur Verfügung. Die Eröffnung ist für 2022 geplant.
Eingeladener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
1. Preis EM2N, Zürich; noAarchitecten, Brüssel; Sergison Bates Architects, London
Weitere Teilnehmer am Wettbewerb
51N4E, Brüssel, Caruso St. John Architects, London, l’AUC, Paris; Thomas Demand, Berlin
Diller Scofidio + Renfro, New York; JDS Architects, Brüssel
Lhoas & Lhoas, Brüssel; Ortner & Ortner, Berlin
OMA, Rotterdam
Office Kersten Geers David Van Severen, Brüssel;
Christ & Gantenbein, Basel
ADVVT; Gent; AgwA, Brüssel; 6a Architects, London
Jury

Roger Diener (Vorsitz), Serge Lasvignes, Kristiaan Borret, Cédric Libert, Betty Waknine, Gilles Delforge, Yves Goldstein
Fakten
Architekten EM2N, Zürich; noAarchitecten, Brüssel; Sergison Bates Architects, London
aus Bauwelt 12.2018
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