D3-Turm am Alexanderplatz

Text: Crone, Benedikt, Berlin

    Die Bodenhaftung des Turms an der Alexanderstraße gab Ausschlag für die Entscheidung zugunsten des Sauerbruch-Hutton-Entwurfs (links). Die geplanten Raumgrenzen des Alexanderplat­zes (rechts)
    Abbildungen: Architekten

    Die Bodenhaftung des Turms an der Alexanderstraße gab Ausschlag für die Entscheidung zugunsten des Sauerbruch-Hutton-Entwurfs (links). Die geplanten Raumgrenzen des Alexanderplat­zes (rechts)

    Abbildungen: Architekten

    Abbildungen: Architekten

    Abbildungen: Architekten

D3-Turm am Alexanderplatz

Text: Crone, Benedikt, Berlin

Um es gleich zu sagen: Er passt, der neueste Siegerentwurf zum Berliner Alexanderplatz. Der für das Baufeld D3 von Sauerbruch Hutton entworfene Turm passt sogar so gut an den Ort, dass Ortsfremde – und dazu zählen auch viele Berliner – die Finesse oder gar Anwesenheit des Hochhauses womöglich erst auf den zweiten Blick wahrnehmen könnten.
Die Entwurfs-Herleitung geht wie folgt: Man nehme das Berolinahaus von Peter Behrens für den Sockel, das benachbarte Park Inn Hotel für den Turm und den überarbeiteten Kollhoff-Plan als Richtlinie, anschließend vermenge man das Ganze feinfühlig und passe es an den heutigen Investmentmarkt an. Doch hinter dem Entwurf steckt natürlich noch mehr.
Was nach zwei aneinandergedrückten Glas­türmen aussieht, ist ein Hochhaus, das auf zwei Seiten mittig durch eine vertikale Furche ge­teilt wird. Durch diesen Kniff wirkt der nach neuem Masterplan nur 130 Meter hohe Turm wie zwei schlanke Türme, statt einer sonst pummeligen Version eines Hochhauses. Die eine Hälfte des Turms wird von einem Raster aus hellen Lisenen und dunklen Brüstungsfeldern definiert, die andere Hälfte umgekehrt von dunklen Lisenen und hellen Brüstungsfeldern. Interessant ist die Nutzungsverteilung: Im Turm sollen ausschließlich Büros untergebracht werden, in der unteren Hälfte des Sockels Gewerbe, in der oberen Wohnungen. Mit neun verschiedenen Grundrissen von 20-Quadratmeter-Stuben („Mirco-Living“) bis 120-Quadratmeter-Appartments sollen die Wohnungen für bis zu 500 Menschen reichen und einen begrünten Innenhof umschließen. Der Sockel, der wie ein Fuß klobig in den Platz zu treten scheint, enthält damit im Innern ein Refugium für alle jene, die sie sich vor dem Konsum- und Touristentaumel des Platzes zurückziehen wollen. Am Park Inn Hotel soll der Sockel verkleinert werden, um eine neue Durchwegung zur Alexanderstraße zu schaffen.
Sauerbruch Hutton war gemeinsam mit acht anderen Büros von dem französischen Entwickler und Grundstückseigentümer Covivio zu einem Wettbewerb geladen worden. Im Sommer vergab die Jury zwei 2. Preise und schickte die Berliner Architekten sowie die Schweizer Diener & Diener in eine Überarbeitung. Diener & Diener entwarfen einen Turm mit einem streng getakteten Fassadenraster, dessen Abschluss zur Straßenseite im Sockel zu verschwinden scheint – ein für die Jury ausschlageben­der Unterschied zum Entwurf von Sauerbruch Hutton. Bei ihnen zieht sich das Hochhaus an der Nordseite erkenntlich bis zum Erdgeschoss durch. Da sich dort, an der Alexanderstraße, der Haupteingang befinden wird, sei der Bodenkontakt wichtig für die „Adressbildung“, so der Geschäftsführer von Covivio Deutschland, Marcus Bartenstein.
Realisiert werden soll der Turm bis 2023 – und ein weiteres Hochhaus des französischen Konzerns sei hinter dem Kaufhof-Bau schon angedacht. Eine Berliner Hochhaus-City ist damit jedoch nicht in Sicht: der Gehry-Turm steht wegen Uneinigkeiten mit den Berliner Verkehrsbetrieben weiterhin auf wackeligem Boden, der Bau des Monarch-Towers (Ortner & Ortner) ist genehmigt, aber nicht begonnen, und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (die Linke) kämpft dafür, das alle anderen hochfliegenden Träume nicht über die 130-Meter-Marke des Park Inn Hotels schießen werden (der Kollhoff-Plan sah einst 150 Meter vor).
Der Alexanderplatz bleibt wohl noch lange, wie wir ihn kennen: zugig, laut und unfertig.

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