Die Robbe zieht aus

Kirsten Klingbeil hat keinen Seehund. Aber einen Hund.

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

Kirsten Klingbeil hat keinen Seehund. Aber einen Hund.

Kirsten Klingbeil hat keinen Seehund. Aber einen Hund.


Die Robbe zieht aus

Kirsten Klingbeil hat keinen Seehund. Aber einen Hund.

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

Hatte man den Mietvertrag unterschrieben, seine Kisten gepackt und die Freunde zum Umzug bestellt, musste noch eine Robbe gemietet werden. Nein, keinen Seehund der Nordsee und kein Prozedere, das sich mit zwei Klicks im Internet erledigen ließ. Wollte man einen Pritschenwagen des 1978 in Kreuzberg gegründeten Unternehmens „Robben & Wientjes“ anmieten, musste man zum Telefonhörer greifen. Besser noch, man wurde an einem der Standorte in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg, seltener hinterm S-Bahn-Ring in Neukölln oder Reinickendorf, vorstellig.
Mit gleichem Selbstverständnis, wie die weißen Autos mit dem hellblauen Robben-Logo in zweiter Reihe parken oder ganze Bürgersteige blockieren, empfingen einen in niedrigen Butzen die Mitarbeiter stets rauchend. In riesigen Kalender-Büchern wurde geblättert und die Flotte organisiert. Man hatte sich nicht der Digitalisierung hingegeben, das Unternehmen wuchs langsam, aber beständig. Der Mietpreis für eine Robbe stieg in den letzten 25 Jahren nicht; statt 5 DM beträgt die Leihgebühr pro Stunde heute noch 2,50 Euro. So avancierten die Robben zu einem festen Bestandteil im Berliner Stadtbild. Es vergeht kein Tag, an dem man sie nicht sieht.
Im August letzten Jahres haben die beiden Gründer Dietmar Robben und Ulrich Wientjes ihre Autovermietung an die Konkurrenz verkauft und gehen in Rente. Versprochen ist, die Fahrzeuge in bekannter Corporate Identity zu erhalten und alle 75 Mitarbeiten zu übernehmen. Im Februar wurde nun bekannt, dass sowohl die Geburtsstätte in Kreuzberg als auch der Standort in Prenzlauer Berg schließen. Die zwei Filetstücke, auf denen die Flotte eng aneinander geparkt die Nächte verbrachte, wurden von einem Immobilienentwickler erworben. Gerade jetzt, wo der Wohnungsmarkt auch in Berlin eine Dimension erreicht hat, in der das Umziehen gefühlt unmöglich geworden scheint, verschwindet die Robbe aus den innenstädtischen Kiezen. Entdeckt man sie nun in den Straßen, wird sie nicht mehr als Sinnbild wahrgenommen werden, für das sie einst stand: für das Neue, für den Wandel der Stadt, und für die Zeit, als man dem Umziehen mit Begeisterung und Neugier nachgehen konnte. Ihr neues Zuhause wird die Robbe demnächst abseits in Lichtenberg beziehen – und kann schon jetzt online gebucht werden.

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