Downtown Deutz

Köln Deutz bekommt ein neues Zentrum rund um den Bahnhof. Neben dem geplanten Casino soll ein Hochhaus entstehen. Dafür reißt der Landschaftsverband Rheinland sein Altes ab und baut größer, höher, schöner und städtischer.

Text: Winterhager, Uta, Köln

    Hochhauspufferzone und Planungsgebiet
    Abb.: Landschaftsverband Rheinland

    Hochhauspufferzone und Planungsgebiet

    Abb.: Landschaftsverband Rheinland

    1. Preis Kadawittfeldarchitektur überzeugte mit einem Zweischeibenhochhaus, ...
    Abb.: Planer

    1. Preis Kadawittfeldarchitektur überzeugte mit einem Zweischeibenhochhaus, ...

    Abb.: Planer

    ... dessen Versatz einen kleinen Platz entstehen lässt.
    Abb.: Planer

    ... dessen Versatz einen kleinen Platz entstehen lässt.

    Abb.: Planer

    2. Preis SSA hüllen den Turm auf quadratischem Grundriss in eine plastische Rasterfassade.
    Abb.: Planer

    2. Preis SSA hüllen den Turm auf quadratischem Grundriss in eine plastische Rasterfassade.

    Abb.: Planer

    Er steht vom Platz zurück auf einem C-förmigen Sockelgeschoss.
    Abb.: Planer

    Er steht vom Platz zurück auf einem C-förmigen Sockelgeschoss.

    Abb.: Planer

    3. Preis Barkow Leibinger entwickeln ein klassisch in Sockel, Schaft und Krone gegliedertes Hochhaus, ...
    Abb.: Planer

    3. Preis Barkow Leibinger entwickeln ein klassisch in Sockel, Schaft und Krone gegliedertes Hochhaus, ...

    Abb.: Planer

    ... das aus einem achtförmigen Ensemble mit zwei Höfen heraus wächst.
    Abb.: Planer

    ... das aus einem achtförmigen Ensemble mit zwei Höfen heraus wächst.

    Abb.: Planer

Downtown Deutz

Köln Deutz bekommt ein neues Zentrum rund um den Bahnhof. Neben dem geplanten Casino soll ein Hochhaus entstehen. Dafür reißt der Landschaftsverband Rheinland sein Altes ab und baut größer, höher, schöner und städtischer.

Text: Winterhager, Uta, Köln

Formal gehört Deutz zum Stadtbezirk 1, der Innenstadt von Köln, doch es liegt immer noch auf der anderen Rheinseite, der Schäl Sick. Aber Deutz soll städtischer werden - innenstädtischer und großstädtischer. Konkret bedeutet dies eine Verdichtung und Neustrukturierung des Bereichs rund um den Ottoplatz am Deutzer Bahnhof. So rückte der kleine Bahnhofsvorplatz in den Fokus der Planer und Investoren, die ihm einiges zutrauen als Stadteingang, Empfang für die Messe. Er soll das geplante Casino ertragen (Bauwelt 2.2017) und eine nicht unerhebliche Menge Verkehr. Dass der Landschaftsverband Rheinland (LVR) sich nach Prüfung von Alterna­ti­ven nun entschieden hat, das von ihm 1986 bezogene Hochhaus vis-à-vis des Bahnhofs Deutz abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, ist durchaus begrüßenswert. Denn auch städtebaulich droht das sechzehn Geschosse hohe ehemalige Ford-Hochhaus (R. Kleinschmidt 1966) für den sich mit großer Dynamik entwickelnden Ort zum Bremsklotz zu werden. Knapp 20 Meter höher soll der Neubau werden und wäre dann mit 73 Metern immer noch ein Hochhauszwerg. Während (richtig hohe) Hochhäuser in vielen Städten als urbane Wohnform zunehmend diskutiert und gebaut werden, bereitet Höhe den Kölnern Bauchschmerzen. Noch vor 20 Jahren waren für Deutz Downtown fünf Hochhäuser geplant. Doch 2004, als gerade der Rohbau des 103 Meter hohen KölnTriangles (Gatermann + Schossig, 1992–2006) stand, setzte die UNESCO den Dom auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Dort blieb er zwei Jahre mahnend platziert, bis 2006 ein Höhenkonzept erstellt war, das zum Schutz der Domsilhouette eine auf beiden Rheinseiten liegende Pufferzone definierte.
Nun liegt das betreffende Grundstück am Ottoplatz zwar nicht in, aber direkt an der Grenze der Pufferzone, und weil das neue LVR-Hochhaus deutlich höher werden soll als der Bestand, suchten Stadt und Bauherr frühzeitig den Kontakt zu ICOMOS, dem deutschen Nationalkomitee der UNESCO. In einer dem Wettbewerb vorausgehenden Machbarkeitsstudie wurde die Position des Hochhauses auf dem Baufeld bestimmt und seine Höhe auf maximal 73 Meter begrenzt, um negativen Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des Kölner Doms wie auch auf die unmittelbare Nachbarschaft auszuschließen.
Platz machen
Ende Februar wurde nun der Planungswettbewerb für den Neubau des LVR-Hauses am Ottoplatz entschieden. Da die Hochhausfrage bereits geklärt worden war, waren die 24 teilnehmenden Büros aufgefordert, mindestens 1000 Büroarbeitsplätze auf 38.000 Quadratmeter BGF oberirdisch sowie eine zweigeschossige Tiefgarage „städtebauverträglich unterzubringen, und eine klare Stadtsilhouette auszubilden, die das städtebauliche Umfeld ordnet“. Doch diese For­derung der Auslobung erwies sich als schwierig umsetzbar, sollte doch bei gleichzeitiger Aufwertung des öffentlichen Raums die BGF im Vergleich zum Bestandsbau mehr als verdoppelt werden. Die Jury unter Vorsitz von Jörg Aldinger zeichnete den Entwurf von kadawittfeldarchitektur (Aachen) mit dem ersten Preis aus, vergab den zweiten Preis an SAA Schweger Architek­ten (Hamburg), den dritten an Barkow Leibinger (Berlin) und fünf Anerkennungen. Ein Verhandlungsverfahren mit den drei Preisträgern soll folgen.
Ein Haus
Kadawittfeldarchitektur (1. Preis) gaben ihrem Entwurf den Titel „Ein Haus“, denn genau so soll der Komplex aus einem 17-geschossigen Zwei-Scheiben-Hochhaus und einem sechsgeschossigen Sockelbau gelesen werden. Gelungen ist dies zum einen durch eine schöne Antwort auf die exponierte städtebauliche Situation, wo mit den Kanten einer Hochhausscheibe im Westen und des langen, vergleichsweise flachen Sockelbaus ein öffentlicher Platz gebildet wird, der den neu gestalteten Bahnhofsvorplatz in seinen Proportionen spiegelt und die erhaltenswerte Platane als Fassung der Ostseite mit einschließt. Zum anderen überzogen die Architekten alle Gebäudeteile bündig mit einem strengen Kleid aus hellen Werksteinlisenen. Horizontal sitzen sie im schmalen Raster des Ausbaus nebeneinander, in der Vertikalen erfolgt die Gliederung jedoch zweigeschossig, um auf elegante Weise die wahre Geschosszahl zu überspielen. Insgesamt 1010 Büroarbeitsplätze finden in Hochhaus und Sockelgebäude Platz, was den Bedarf der Bauherren etwas übertrifft. Die Jury riet jedoch dazu, die großzügig angelegten Verkehrsflächen noch einmal zu überprüfen.
Die strenge Figur
Das Büro SSA (2. Preis) überzeugte die Jury mit einer vergleichsweise einfachen und monolithisch ausgearbeiteten Kubatur aus einem 19- geschossigen Turm auf quadratischem Grundriss, der von einer durchgehend sechsgeschossigen C-för­migen Sockelbebauung gefasst wird. Durch diese Fassung rückt der Turm vom Ottoplatz ab, die Stadtkante bildet allein die Mantelbebauung. Typologisch stellt dies einen Kompromiss zwischen der benachbarten Blockrandbebauung und dem Hochhaussolitär dar, der an der Schnittstelle zwischen Alt-Deutz und Messe­-City gut platziert ist.
Ebenso wie die Sieger umhüllen SSA Turm und Sockel mit einer strengen, plastisch ausgeformten Rasterfassade aus hellem Betonwerkstein und lassen damit beides als eine Figur erscheinen, was die Jury als „wohltuend“ empfand.
Überraschend plastisch
Barkow Leibinger (3. Preis) entwarfen ein Ensemble aus einem 19-geschossigen Hochhaus, das gerade nicht fugenlos aus dem Kopf einer sechsgeschossigen Mantelbebauung emporwächst. Diese entwickelt sich in Form einer Acht mit zwei Höfen nach Süden, wobei die abgestuften Gebäudehöhen sich an der Nachbarschaft orientieren. Entlang der Opladener Straße führt der Neubau die Flucht der Constantinhöfe fort und bildet mit einem Rücksprung rund um die Pla­tane einen kleinen Platz aus. Mehr öffentlichen Raum gibt es nicht, eng wird es an der dem Ottoplatz zugewandten langen Front, in der auch der Haupteingang liegt. Die Aufweitung als Empfang wurde sozusagen in den Gebäudekomplex verlegt, wo ein Atrium als zentraler Verteiler für alle Nutzungsbereiche dient.
Schön ist bei diesem Hochhaus die klassische Gliederung in Sockel, Schaft und Krone interpretiert worden. Im Zusammenspiel mit der hohen Plastizität der Fassade und den feinen Abweichungen der Fluchten vom rechten Winkel entsteht ein Gebäude, das seine Präsenz nicht al­-lein über die Größe generiert, sondern über eine
individuelle Formensprache. Leider sah die Jury in dieser konsequenten Haltung eine Konkurrenz zum Deutzer Bahnhof.
Nichtoffener, einphasiger Planungswettbewerb fürArchitekten
1. Preis kadawittfeldarchitektur, Aachen
2. Preis SAA Schweger Architekten, Hamburg
3. Preis Barkow Leibinger Architekten, Berlin
Anerkennungen
Staab Architekten, Berlin; JSWD Architekten, Köln; Rhode Kellermann Wawrowsky, Düsseldorf; Wittfoht Architekten, Stuttgart; Wulf Architekten, Stuttgart
Fachpreisrichter
Jörg Aldinger, Brigitte Kochta, Ulrike Böhm, Jörg Friedrich, Barbara Kaulhausen, Reinhard Lepel, Eike Becker, Berthold Burkhardt, Franz-Josef Höing, Hilde Léon, Jürgen Minkus, Manfred Ortner, Kirsten Schemel, Johannes Schilling, Michael Schumacher, Kunibert Wachten, Christian Hoffmann
Auslober
Landschaftsverband Rheinland (LVR)
Wettbewerbsbetreuung
Fiebig Schönwälder Zimmer, Düsseldorf/Berlin
Fakten
Architekten kadawittfeldarchitektur, Aachen; SAA Schweger Architekten, Hamburg; Barkow Leibinger Architekten, Berlin
aus Bauwelt 8.2017
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