Knowhow im Moscheebau

Doris Kleilein stellt vage Mutmaßungen zu islamischen Gebetsorten in Deutschland an

Text: Kleilein, Doris, Berlin

Doris Kleilein stellt vage Mutmaßungen zu islamischen Gebetsorten in Deutschland an

Doris Kleilein stellt vage Mutmaßungen zu islamischen Gebetsorten in Deutschland an


Knowhow im Moscheebau

Doris Kleilein stellt vage Mutmaßungen zu islamischen Gebetsorten in Deutschland an

Text: Kleilein, Doris, Berlin

Wie viele Moscheen gibt es in Deutschland? Dieser Frage ging jüngst eine Hamburger Wochenzeitung nach und kam nach einem Monat Recherche zu dem Ergebnis: keine Ahnung. Man kennt die Anzahl von Kirchen (rund 45.000) und Synagogen (130). Zu Moscheen liegen nur Schätzwerte vor. Knapp 3000 muslimische Gebetshäuser soll es hierzulande geben, die meisten in ehemaligen Lagerhallen, Tiefgaragen oder Mietwohnungen in Hinterhöfen. Schätzen statt wissen, vermuten statt kennen – das Verhältnis zu den Orten islamischen Glaubens in Deutschland bleibt vage. Auch Architekturschaffende wissen mehr über Moscheen in der Türkei oder Marokko, die sie auf Reisen besucht haben, als über das Gebetshaus um die Ecke. Das verwundert nicht, denn über die Architektur deutscher Moscheen gibt es nicht viel zu berichten. Oder was fällt Ihnen zu dem Thema ein? Die Kölner Zentralmoschee von Paul Böhm gammelt vor sich hin, ihre Eröffnung wird in BER-Manier Jahr für Jahr verschoben. Es gibt ein paar kleine Neubauten, die in Ermangelung anderer Beispiele seit Jahren als „best practice“ herhalten müssen: das islamische Forum im bayrischen Penzberg (Jasarevic, 2005) oder die Kocatepe-Moschee in Moers (Lorber + Paul, 2009). Dabei ist das deutsche Knowhow im Moscheebau global durchaus gefragt, man denke nur an KSP, die in Algier die drittgrößte Moschee der Welt bauen und dabei auch auf ornamentale Formen der islamischen Architektur zurückgreifen. Zuhause? Streit mit der Ditib, der äußerst schwierigen Bauherrin aus der Türkei, die weder Wettbewerbe noch die HOAI besonders schätzt, dazu Streit mit den Anwohnern, die stadtbildprägende muslimische Gemeindehäuser im Viertel nicht besonders schätzen. Was dabei herauskommt, landet immer wieder mal in den Veröffentlichungsangeboten an die Bauwelt: architektonische Fabelwesen im Gewerbegebiet mit grotesken Minaretten und dem Charme von Hochsicherheitstrakten. Warum gelingt es so selten, die große Nachfrage nach islamischen Gebets- und Gemeinderäumen mit der sozialen Stadtentwicklung zu verknüpfen? Wo sind die architektonisch, aber auch programmatisch nach vorne weisenden Konzepte? Es muss doch noch etwas anderes geben als das „House of One“.

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Betrifft House of One

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