Learning from Jungfraujoch

Bauwelt-Redakteur Jan Friedrich hat den Sommerurlaub bereits hinter sich

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Jan Friedrich hat den Sommerurlaub bereits hinter sich

Jan Friedrich hat den Sommerurlaub bereits hinter sich


Learning from Jungfraujoch

Bauwelt-Redakteur Jan Friedrich hat den Sommerurlaub bereits hinter sich

Text: Friedrich, Jan, Berlin

In dem Milieu, in dem wir Architekten und Städtebauer zuhause sind, gehört es zum guten Ton, jede Form von Tourismus, der homöopathische Dosen übersteigt, abzulehnen, genaugenommen zu verachten. Denn wir wissen: Tourismus ist destruktiv, weil er von den Orten, die er heimsucht, ausschließlich nimmt und ihnen niemals etwas gibt. Tourismus zerstört das soziale Gefüge von Quartieren, von Stadtvierteln, von ganzen Städten. Selbstverständlich versuchen wir, wenn wir selbst auf Reisen sind, solche Or­­te zu meiden. Wir suchen das Authentische, das Unverfälschte. Und ebnen nicht selten genau damit der weiteren Touristisierung den Weg. Das Dilemma ist bekannt und wird von uns hinreichend angeprangert. Lösung? Schwierig ...
Ich selbst versuche seit einiger Zeit, mich mit dem Tourismus zu versöhnen. Die Therapie, die ich mir auferlegt habe: mindestens einmal im Jahr ein massentouristisches Highlight aufsuchen. Sich von Besuchern aus aller Welt über die Akropolis drängeln lassen, drei Stunden inmitten des größtmöglichen babylonischen Sprachgewirrs vor Schloss Neuschwanstein ausharren. Solche Dinge. In diesem Jahr stand eine besondere Herausforderung an: mit der Zahnradbahn zum höchstgelegenen Bahnhof Europas, aufs Jungfraujoch. Die rund zweistündige Fahrt zu dem 3466 Meter hohen Aussichtspunkt im Berner Oberland unternimmt man gemeinsam mit fernöstlichen Großreisegruppen, arabischen Großfamilien, etwas kleineren indischen Großfamilien, amerikanischen Jugendcliquen. Oben ist alles auf die Gäste abgestimmt: Neben der grandiosen Aussicht – die vor allem als Hintergrund für Selfies dient – findet man einen Wintersport-Funpark, unzählige Restaurants, Souvenirläden, den Flagshipstore eines weltbekannten Schweizer Chocolatiers.
Wie ich das als Großstadt-Mitteleuropäer, der selbstverständlich das Authentische sucht, ausgehalten habe, werden Sie sich vielleicht fragen. Der Trick ist, solche Orte, genauso wie sie sind, als authentisch zu begreifen. Als Orte, an denen man, ohne Europa verlassen zu müssen, am eigenen Leib erfahren kann, wie anders als man selbst ein großer Teil der Welt tickt. So wird aus einer massentouristischen Zumutung eine lohnende Übung in Demut.

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