Zeitreise

Sebastian Redecke gratuliert dem Berliner-Schloss-Architekten Franco Stella zum 75. Geburtstag

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Sebastian Redecke gratuliert dem Berliner-Schloss-Architekten Franco Stella zum 75. Geburtstag

Sebastian Redecke gratuliert dem Berliner-Schloss-Architekten Franco Stella zum 75. Geburtstag


Zeitreise

Sebastian Redecke gratuliert dem Berliner-Schloss-Architekten Franco Stella zum 75. Geburtstag

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Die Doppelfenster sind drin, die Ausbauten in vollem Gang. Die Feier zu Ehren des Schloss-Architekten findet in zwei Sälen im Obergeschoss statt – dem zukünftigen Ethnologischen Museum vom Humboldt Forum. Der 75-jährige Franco Stella begrüßt sichtlich gerührt die Gäste. Die Geburtstagsredner sind voll des Lobes, obwohl die Anfänge des Projekts nicht einfach waren. Erst eine Partnerschaft mit den Routi­niers gmp Architekten und Hilmer & Sattler und Albrecht, die beim Schloss-Wettbewerb leer ausgegangen waren, machte es damals überhaupt möglich, dass Stella mit seinem winzig kleinen Büro in Vicenza das Großprojekt beginnen konnte. Ein Auftragsdeal im großen Stil – so wundert es nicht, dass Christoph Sattler und Volkwin Marg ganz vorne sitzen. Je mehr ich mich in die Reden der Feststunde hineinvertiefe, fühle ich mich in eine frühere, intensiv miterlebte Zeit der Neunziger und frühen Zweitausender versetzt. Wie in einer Zeitreise tauche ich wieder ein in den damaligen Diskurs zur „Europäischen Stadt“, gepaart mit der Faszination für den Razionalismo italiano. Über diesen doziert Gerwin Zohlen detailliert und stellt Stellas „klaren rationalistischen Duktus“ heraus. Er ist für ihn aber trotz der Exklusivität eines veritablen Palazzo-reale-Architekten ein „ganz und gar nicht pompös auftretender Mann“. Marco de Michelis, aus Italien angereist, erzählt sehr persönlich aus der gemeinsamen Studienzeit mit Stella in der damals führenden Architekturschule IUAV von Venedig. Und er erzählt von den Siedlungen, die damals in den sechziger Jahren eine ungeheuer wichtige Rolle spielten. Sie pilgerten mehrmals nach Berlin West und Ost. Mir wird bewusst, wie schnell Architekturströmungen mit der Zeit wieder verblassen oder völlig verschwinden. Hans Stimmann tritt zum Schluss ans Pult. Ihm ist an dem Abend vor großem Publikum und dem Jubiliar eine Klarstellung wichtig: Er war bereits nicht mehr Berliner Senatsbaudirektor, als er 2008 mit seinem „italienischen Freund Franco“ auf der Piazza dei Signori von Vicenza beim Espresso saß und sie sich über Palladios Teatro Olimpico unterhielten. Damals rief ihn Petra Kahlfeldt an und fragte nach der Mobilnummer von Stella. Die Juryvorsitzende wollte ihm mitteilen, dass er den ersten Preis beim Schloss-Wettbewerb gewonnen hat. Stimmann reichte sein Handy weiter. Alles nur Zufall.

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