Spielraum

Sie zählen zu den deutschen Büros, die keinem bestimmten Stil oder „Ismus“ verpflichtet sind, aber gleichwohl regelmäßig mit beispielhaften Bauten publiziert werden.

Text: Drewes, Frank F., Herzebrock-Clarholz

Barkow Leibinger. Spielraum

Barkow Leibinger. Spielraum


Spielraum

Sie zählen zu den deutschen Büros, die keinem bestimmten Stil oder „Ismus“ verpflichtet sind, aber gleichwohl regelmäßig mit beispielhaften Bauten publiziert werden.

Text: Drewes, Frank F., Herzebrock-Clarholz

Sie zählen zu den deutschen Büros, die keinem bestimmten Stil oder „Ismus“ verpflichtet sind, aber gleichwohl regelmäßig mit beispielhaften Bauten publiziert werden. Bei Barkow Leibinger beruht diese Haltung sicherlich auch auf der Tatsache, dass sie ihre Wurzeln im Industriebau haben, wo für puren Formalismus und Theorieetüden wenig Raum bleibt. Vielmehr bedienen sich die Partner aus dem Fundus der konstruktiven Mög-lichkeiten und betrachten Industriearchitek-tur als eine Abfolge von Vorgängen, bei denen sowohl alte als auch neue Technologien und Materialien zum Einsatz kommen, und überführen diese Prozesse in architektonische Formen, die „repetitiv, seriell und additiv“ sind. Sie neigen weder zu einer übertriebenen Konstruierwut noch betrachten sie Architektur als primär skulpturales Objekt. „Für mich muss Architektur nachvollziehbar sein, und sie muss angemessen sein“, bringt Regine Leibinger die Schlüsselbegriffe ihrer architektonischen Haltung auf den Punkt. Allen Gebäuden ist eine strukturelle Eindeutigkeit zu eigen, die ebenso diszipliniert wie spielerisch ist. Auch wenn Barkow Leibinger einen übertrieben expressiven Ausdruck ablehnen, nutzen sie den Spielraum der kontrollierten Strukturen, um ihrer Architektur Eigenständigkeit zu verleihen. Besonders das erste Kapitel des Buches mit dem Titel Fabrication/Research geht diesem spielerischen Aspekt nach, der durchaus auch einen Forschungsansatz in sich trägt.
Die 37 gezeigten, größtenteils realisierten Projekte stammen überwiegend aus den letzten Jahren und können als Werksübersicht verstanden werden. Die Unterteilung in fünf Kapitel verhindert eine chronologische oder hierarchische Gliederung, was zur spannenden und gelungenen Durchmischung dieser Monographie beiträgt. Spannend ist auch die Auswahl des Planmaterials, jedes Projekt wird mit nur wenigen Zeichnungen erläutert, anhand derer die Hauptcharakteristik herausgearbeitet wird.
Zu den büroeigenen Projektfotografien gesellt sich ein ausführlicher Fotoessay von Iwan Baan, der den Trumpf Werkscampus in Ditzingen neu portraitiert hat. Die oft als Solitäre dokumentierten Gebäude stehen bei ihm immer im Kontext mit dem Bestand und werden auch in ihrer Hauptaufgabe gezeigt: als Arbeitsraum für Menschen, die gewöhnlich in Architekturfotografien nicht auftauchen.
Das ansprechend und hochwertig gestaltete Buch erscheint in Englisch und Deutsch, wobei die deutschen Texte gebündelt am Ende zu lesen sind. Die Projektbeschreibungen wurden leider nur in Englisch publiziert.
Fakten
Autor / Herausgeber Herausgegeben von Barkow Leibinger
Verlag Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2014
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aus Bauwelt 13.2015
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