Bauwelt

Kost’ ja nix

Kirsten Klingbeil macht keinen Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen.

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

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Kirsten Klingbeil macht keinen Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen.


Kost’ ja nix

Kirsten Klingbeil macht keinen Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen.

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

Was folgt, könnte ein Fall für die Kategorie „Äpfel mit Birnen vergleichen“ sein. Zunächst zu den Äpfeln. Bei einer Prüfung der elektrischen Geräte in den Redaktionsräumen fielen drei Schreibtischleuchten durch, da sie nicht die vorgeschriebenen Sicherheitsstandards erfüllten. Es boten sich zwei Optionen:
1. Ersatz durch Neukauf; das Modell – ein Alltagsklassiker – könnte mit zwei Klicks im Internet bestellt werden. Kosten ca. 120 Euro.
2. Reparatur beim Elektriker; um das Problem zu beheben, müssen die Schalterhülsen getauscht werden. Kosten ca. 75 Euro (Materialkosten etwa 1 Euro + Stundenlohn + Kurier).
Rein wirtschaftlich betrachtet ist die Wahl leicht zu treffen: Die Reparatur rechnet sich nicht. Jetzt zu den Birnen: Ein ähnliches Problem stellt sich immer wieder auch bei Gebäuden. Oft sind sie gar nicht besonders alt – etwa die Ungers-Bauten am Lützowplatz in Berlin, die im Rahmen der IBA 1983 entstanden, für die bereits 2001 ein Abrissantrag gestellt wurde und die schließlich 2013 abgerissen wurden. Beim Abriss wird – siehe Leuchten – gern mit „Das rechnet sich nicht“ argumentiert: Abriss und Neubau seien günstiger als zu sanieren, reparieren oder umzubauen.
Auf dieser Aussage basiert der Vergleich der beiden Kernobstgewächse. Denn, dass sich Erhalt in beiden Fällen nicht rechnet, liegt an der gleichen Konstante: Müll machen ist schlicht zu billig! Nicht anders lässt sich erklären, dass allein im Jahr 2020 in Deutschland 229,3 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle angehäuft wurden (was wiederum 55,4 Prozent des gesamten Müllaufkommens ausmacht). Zur Veranschaulichung: Die Entsorgung der Leuchten, und zwar nicht auf der Straße, wie Berliner ihren Sperrmüll gern entsorgen, sondern auf dem Wertstoffhof, wäre umsonst gewesen.
Wir haben uns trotzdem für die Reparatur entschieden. Es bleibt ein kleiner Wermutstropfen, denn es wurde dabei leider nicht darauf geachtet, dass die neuen Schalter dem Original gleichen oder gar zur Leuchte passen. Ein bisschen „Reparaturkultur“ wäre wünschenswert – für Äpfel und für Birnen.

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