Alle bauen!

KfW-Award „Bauen und Wohnen“ 2013

Text: Crone, Benedikt, Berlin

Eine von zehn Anerkennungen gab es für den Umbau einer Panzerhalle in Trier zu Lofts von Engel+Krejcirik
Foto: Lukas Huneke

Eine von zehn Anerkennungen gab es für den Umbau einer Panzerhalle in Trier zu Lofts von Engel+Krejcirik

Foto: Lukas Huneke


Alle bauen!

KfW-Award „Bauen und Wohnen“ 2013

Text: Crone, Benedikt, Berlin

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau vergibt jährlich Preise an private Bauherren für unkonventionelle Bauprojekte. Dieses Jahr ging es um die Revitalisierung von allem was leer stehen kann. Ob Schule, Wassermühle oder Panzerwerkstatt – der Bauphan­tasie waren keine Grenzen gesetzt.
Sie fing so entspannt an, die Preisverleihung des KfW-Awards 2013. Vogelgezwitscher aus Lautsprechern füllte den Raum, blaue Lichtkreise glitten über das Gewölbe des Berliner KfW-Saales, und Damen mit Perlenohrringen fischten Erdbeerstückchen aus Sektgläsern. Doch dann: „Wir von ‚Der Welt‘ lieben Leute die bauen!“, sprang Holger Zschäpitz, Wirtschaftsredakteur der Tageszeitung, auf die Bühne. „Denn Leute die bauen, haben Bürgersinn.“ Begeistert von eigenen Baugeschichten schoss der Journalist und Moderator direkt vor zur Kernaussage des Abends: „Alle bauen!“, befahl er dem Publikum. Es sei tatsächlich ein Frevel, beim derzeitigen Zinsniveau der KfW-Kredite nicht zu bauen, ergänzte geschickt der Direktor der Bankengruppe Werner Genter. Und Rainer Bomba, Staatssekretär im Bauministerium, hämmerte noch dem letzten Untätigen ein: „Bauen, bauen, bauen.“ Nur Jury-Vorsitzender Hans Kollhoff nörgelte, dass ihm die Lokalpolitik das Hochhausbauen in der Berliner Mitte so schwer mache.
Viel Geld zum Bauen brauchte der 1. Preis dann gar nicht. Weniger als 1400 Euro Baukosten pro Quadratmeter steckten Bauherren und Architekten Claudia Cappeller und Wolfdietrich Wagner aus dem Büro cappellerarchitekten in den Umbau eines Speicherhauses in Halle an der Saale. Sie peppten das 250 Jahre alte Fachwerkhaus zum Wohn- und Gewerbebau für mehrere Generationen auf. Bisher leben hier jedoch nur junge Familien und eine Studenten-WG. Ältere Interessenten hätten wohl die ungewöhnlichen Innenräume abgeschreckt. Der 2. Preis ging an eine modernisierte Wassermühle in Friedrichshafen-Ittenhausen, die noch in den 1920ern die Gemeinde mit Strom versorgte. Die Eigentümer hatten den Familienbesitz zum Hybrid-Haus für Wohnen, Arbeiten und Events ausgebaut. Noch wird daran gewerkelt, dass auch das Wasserrad wieder läuft und Energie fürs Haus erzeugen kann. Große Augen machte das Publikum bei einer der Anerkennungen: In einer 60 Jahre alten Panzerhalle der französischen Armee in Trier hat das ortsansässige Büro Engel+Krejcirik vier geräumige Lofts unterbringen können.
Dass neben der ganzen Freude am Bauen und Basteln die Projekte aber auch mal mehr Geld, Zeit und Nerven kosten als erwartet, musste schließlich Staatssekretär Bomba zugeben, als er auf den im Baurausch entstandenen Berliner Großflughafen angesprochen wurde. Er kündigte an, der BER werde noch in diesem Jahr seine Tore öffnen. Für Besichtigungen. 

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