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Boris Schade-Bünsow hat den Österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig besucht

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

Boris Schade-Bünsow hat den Österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig besucht

Boris Schade-Bünsow hat den Österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig besucht


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Boris Schade-Bünsow hat den Österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig besucht

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

Österreichs Pavillon hat auf der Architekturbiennale, die derzeit in Venedig stattfin­det, eine besondere Bedeutung. Das liegt an der nach wie vor herausragenden Rolle der öster­reichischen Architektur und den historischen Verbindungen, die zu der Lagunenstadt bestehen. Kulturpolitisch ist die Eröffnung ein Ereignis. Minister Gernot Blümel lüftete am 24. Mai den Schleier, seitdem ist der Pavillon zu besichtigen. Gezeigt wird eine raumhohe, begehbare Holzskulptur mit einer Lichtinstallation. Das Ganze steht auf einem leicht konvex gewölbten Boden, dessen höchste Erhebung an der äu­ßeren Wand des Pavillons misst vielleicht einen halben Meter. Der Boden überdeckt auch den Garten hinter dem Gebäude, so wird die Grenze zwischen außen und innen wirkungsvoll auf­gelöst. Dieser Boden ist frei begehbar. Durch die Wölbung nach oben entsteht für den Schreitenden eine leichte „Fußirritation“ und deswegen schaut er zur Versicherung seines Schrit­tes häufig nach unten.
Dieser Boden hat es in sich. Er ist komplett und sehr hochwertig verspiegelt, so dass die­ser Spiegel ein nahezu verzerrungsfreies, eindrucksvolles Bild nach oben in den Raum erlaubt. Bei der Eröffnung wurde dem Minister angeblich erklärt: „Man kann die Spiegelfläche entweder als Kuppel lesen oder aber als oberste Kappe einer ziemlich großen Kugel“. Das funktioniert bestens, solange man sich allein im Pavillon befindet. Die Welt steht Kopf. Sehr eindrucksvoll. Vielleicht sogar als Metapher für den politischen Zustand Europas gedacht. Sobald aber Mehrere im Raum sind, wird es knifflig. Man blickt den anderen Besuchern von den Schu­hen über die Hosenbeine und Hemd entlang hoch zum Rumpf. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn der Pavillon nur mit Hose zu besichtigen wäre. Mit sommerlich leichten Kleidern, die bei den aktuellen Temperaturen zu empfehlen sind, wird der Pavillon aber zum Problem. An dieser Stelle also die Empfehlung, den Pavillon nur in Hosen zu besuchen. Dann macht das österreichische Freespace-Kugellaufen sogar Spaß.

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