Hochhaus am Berliner Europaplatz

Mit der verweigerten Entscheidung der Juroren besteht eine Chance von 2:1, dass für den Neubau der KPMG ein Büro zum Zuge kommen könnte, das bislang noch kein Pro­jekt in der deutschen Hauptstadt realisiert hat.

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

    2. Preis: Allmann Sattler Wappner, München
    Abb.: Architekten

    2. Preis: Allmann Sattler Wappner, München

    Abb.: Architekten

    Beim Entwurf von Allmann Sattler Wappner sah die Jury Fragen offen hinsichtlich der konstruk­tiven Umsetzbarkeit.
    Modellfoto: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

    Beim Entwurf von Allmann Sattler Wappner sah die Jury Fragen offen hinsichtlich der konstruk­tiven Umsetzbarkeit.

    Modellfoto: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    2. Preis: Thomas Müller Ivan Reimann, Berlin
    Abb.: Architekten

    2. Preis: Thomas Müller Ivan Reimann, Berlin

    Abb.: Architekten

    Am Entwurf von Müller Reimann bezweifelte die Verwaltung, dass die Überschreitung der Baugrenze in Richtung Norden genehmigungsfähig sein wird.
    Foto: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

    Am Entwurf von Müller Reimann bezweifelte die Verwaltung, dass die Überschreitung der Baugrenze in Richtung Norden genehmigungsfähig sein wird.

    Foto: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

    2. Preis: UNStudio, Amsterdam
    Abb.: Architekten

    2. Preis: UNStudio, Amsterdam

    Abb.: Architekten

    Beim Entwurf von UN Studio erschienen der Jury die „schrägen Verbindungen in Nutzung und Anordnung nicht völlig plausibel“.
    Foto: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

    Beim Entwurf von UN Studio erschienen der Jury die „schrägen Verbindungen in Nutzung und Anordnung nicht völlig plausibel“.

    Foto: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

Hochhaus am Berliner Europaplatz

Mit der verweigerten Entscheidung der Juroren besteht eine Chance von 2:1, dass für den Neubau der KPMG ein Büro zum Zuge kommen könnte, das bislang noch kein Pro­jekt in der deutschen Hauptstadt realisiert hat.

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

Allmählich nimmt die Umgebung rund um den vor elf Jahren eröffneten Berliner Hauptbahnhof (Bauwelt 26.2006) Gestalt an. Jüngste Präzisierung des entstehenden Quartiers ist der Wett­bewerb für ein neues Hochhaus auf der Nordseite des Verkehrsknotens, das zusammen mit zwei weiteren Baublöcken die Ostseite des künftigen Europaplatzes fassen wird. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG will hier, auf dem sogenannten Baufeld A4, ihre über ganz Berlin verstreuten Räumlichkeiten zusammenfassen und so der Bedeutung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften für die deutsche Wirtschaft an zentraler Stelle im Berliner Stadtbild ein Wahrzeichen bauen. Und darf sich nun, da das Preisgericht (Vorsitz: Matthias Sauerbruch) drei Arbeiten gleichrangig beurteilt hat, aussuchen, welche Architektur ihr dafür am zweckmäßigsten erscheint.
Das Erstaunlichste an der verweigerten Entscheidung der Juroren: Mit den jeweils mit einem 2. Preis prämierten Entwürfen von Allmann Sattler Wappner, München, und UN Studio Van Berkel en Bos, Amsterdam, besteht eine Chance von 2:1, dass ein Büro zum Zuge kommen könn­te, das bislang noch kein Projekt in der deutschen Hauptstadt realisiert hat (Anm. d. Red.: Inzwischen steht fest, dass das Büro Allmann Sattler Wappner mit der Realisierung beauftragt wird, Stand: 24. August 2017). Die Verfasser der weiteren prämierten bzw. anerkannten Arbeiten des eingeladenen Verfahrens – Müller Reimann (der dritte 2. Preis), Ortner & Ortner, Kleihues + Kleihues (jeweils Anerkennung) – sind in der näheren oder weiteren Umgebung des Hauptbahnhofs bereits reichlich mit Gebautem vertreten.
Welche der drei Arbeiten unter städtebaulich-architektonisch-funktionalen Aspekten zur Ausführung kommen sollte, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden: Die Auslobung für ein so hoch geheimes Bauvorhaben wie die Bürozentrale einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wird verständlicherweise streng geheim gehalten und der Fachpresse auch auf Nachfrage nur in Auszügen, ohne die eigentliche Aufgabenstellung, zur Verfügung gestellt, gleichfalls das Protokoll des Preisgerichts. Die Öffentlichkeit hat sich also mit der Anschauung der Renderings und Modellfotos zu bescheiden. Was gibt es da zu sehen? Städtebaulich jedenfalls keine Alternativen: Die Hochhäuser wachsen jeweils an der Südwest­ecke des Baufelds mit jeweils 23 Geschossen in die Höhe, bei ASW und UN Studio als schlichter Rechtkant, bei Müller Reimann als gestaffelte Baumasse mit abgerundeten Ecken. Unterschiede finden sich eher im Ausdruck. Dem Entwurf der Niederländer bescheinigt das Preisgericht insgesamt einen erfrischenden Ansatz: „Das Ziel ist es, neueren Arbeitsweisen, die nicht in Hierarchien, sondern in Netzwerken, nicht in Besitzständen, sondern in Austausch denken, einen räumlich-architektonischen Ausdruck zu ver­leihen, der sich bis in den Stadtraum hinein niederschlägt.“ Im Entwurf von Müller Reimann fand die Jury zwar „eine besonders sinnvolle und effiziente Grundrissorganisation“, diskutierte „die Fassaden und das entsprechende Farb- und Materialkonzept dennoch kontrovers, da so offensichtlich Assoziationen an vergangene Architekturepochen evoziert werden und dies an dem äußerst zeitgenössischen Stadtraum Europaplatz nicht angemessen erscheint.“ Allmann Satt­ler Wappners Hochhaus schließlich überzeugte durch „eine noble Eleganz, einen entsprechenden Auftritt an diesem prominenten Entrée in die Europacity und eine angemessene Eigenständigkeit im ,Dreiklang‘ der profilbildenden Hochhäuser an diesem Standort“. Viel Glück den Wirtschaftsprüfern für ihre Wahl!

Einphasiger nicht-anonymer Einladungswettbewerb
2. Preis Allmann Sattler Wappner, München
2. Preis Thomas Müller Ivan Reimann, Berlin
2. Preis UNStudio, Amsterdam
Jury
Matthias Sauerbruch, Berlin; Moritz Auer, München; Uta Pottgießer, Berlin; Ralph J. Habbel, Berlin; Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat, Bezirk Mitte; Stefan Kiehn, Head of Corporate Real Estate Management, KPMG AG; Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin/Staatssekretärin, Berlin; Matthias Schmidt, Leiter Development Deutschland, CA Immo, Berlin
Auslober
CA Immo Deutschland GmbH

Wettbewerbsbetreuung
[phase eins]
Fakten
Architekten Allmann Sattler Wappner, München; Thomas Müller Ivan Reimann, Berlin; UNStudio, Amsterdam
aus Bauwelt 17.2017
Artikel als pdf

3 Kommentare


Ihr Kommentar






loading