Wulf Eichstädt

1941-2018

Text: Emge, Rico, Berlin

    Wulf Eichstätt
    Foto: Privat

    Wulf Eichstätt

    Foto: Privat

Wulf Eichstädt

1941-2018

Text: Emge, Rico, Berlin

„Wie die meisten Berliner Architekturbüros können wir derzeit keine Mitarbeiter engagieren.“ Mit diesem Satz begann – paradoxerweise – 1998 meine lange und fruchtbare Zusammenarbeit mit Wulf Eichstädt.
Wulf Eichstädt studierte Architektur und Städtebau in Hannover und Berlin. Er war zwischen 1973 und 1978 Mitarbeiter am Deutschen Institut für Urbanistik, wo er zu den Themen „Kommunale Strategien im Wohnungssektor“ und „Neue Formen der Stadtentwicklung“ forschte und sich besonders für die bauliche Selbsthilfe stark machte. Parallel promovierte er zum Thema „Wanderungen, Wohnungsmarkt und Wohnungspo­litik“.
Über sein Engagement für Kreuzberg kam er 1979 zur Internationalen Bauausstellung IBA ´87 (ab 1986 S.T.E.R.N. GmbH). Hier setzte er sich als Stadterneuerungskoordinator der IBA Alt mit Hardt-Waltherr Hämer für die Entwicklung und Realisierung von modellhaften Stadterneuerungsprojekten in Kreuzberg SO 36 ein. Im Strategiengebiet rund um das Schlesische Tor ging es neben der Sicherung der städtbaulichen Kontur und historischer Bausubstanz besonders um die Einbeziehung der Bewohner und Akteure, die vielfach aus der Hausbesetzerszene stammten. Auch Dank Wulf Eichstädts klugem Verhandlungsgeschick konnte die Anfang der 80er Jahre politisch aufgeladene Ausgangslage konstruktiv moderiert und so eine behutsame Stadterneuerung in Kreuzberg umgesetzt werden. Für die Neubauprojekte gelang es ihm, herausragende Architekten wie Álvaro Siza zu gewinnen.
1989 gründete er sein Büro, um sich eigenen konkreten Architekturaufgaben zu widmen. So steht beispielsweise der 1995 fertiggestellte Umbau des Emmauskirchturms am Lausitzer Platz in Berlin Kreuzberg für seine sensible architektonische Haltung. „Neues Leben in alten Gebäuden“ zeigt sich hier sehr deutlich. Seit der Jahrtausendwende bearbeitete sein Büro hauptsächlich Projekte des Stadtumbaus und der integrierten Stadtentwicklungsplanung. Im Jahr 2005 unterstützte er die Gründung des Büros UmbauStadt, in das unser inzwischen gemeinsam geführtes Büro Eichstädt/Emge überging. Neben seiner Projektarbeit im Büro veröffentlichte er zu unterschiedlichen Fachthemen, so war er Mitherausgeber der Stadtbauwelt 150, die im Jahr 2001 erschien und sich dem Thema Stadtumbau Ost widmete.
Mit seinem 70. Geburtstag beendete er sein aktives Berufsleben, beriet aber seine Büropartner immer wieder und unterstützte Projekte in seiner erfahrenen Art. Neben seiner Familie stand nun besonders die Kunst im Vordergrund. Das Spannungsverhältnis von Architektur, Natur, Farbe und Licht faszinierte Wulf Eichstädt und findet sich in seinen Aquarellen wieder. Von den vielen Berliner Architekten und Stadtplanern war Eichstädt ein besonderer Akteur, der im Rahmen städtebaulicher Planungen immer den Menschen im Vordergund sah.
Am 1. April ist Wulf Eichstädt im Alter von 76 Jahren plötzlich gestorben. Wir vermissen ihn, als Partner, Mentor und Freund.

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