Es brauchte Haltung und Rückgrat und das Erkennen der richtigen Partner

Bauwelt Interview mit Ludwig Wappner vom Architekturbüro Allmann Sattler Wappner, München, das seit 2002 an der Domplatte plant

Text: Winterhager, Uta, Köln

Ludwig Wappner wurde 1993 Partner im Büro von Markus Allmann und Amandus Sattler.
Foto: Myrzik & Jarisch

Ludwig Wappner wurde 1993 Partner im Büro von Markus Allmann und Amandus Sattler.

Foto: Myrzik & Jarisch


Es brauchte Haltung und Rückgrat und das Erkennen der richtigen Partner

Bauwelt Interview mit Ludwig Wappner vom Architekturbüro Allmann Sattler Wappner, München, das seit 2002 an der Domplatte plant

Text: Winterhager, Uta, Köln

Die Domumgebung ist eine komplexe Schnittstelle zwischen Kirche und Stadt. Eingriffe waren nur mit viel Fingerspitzen­gefühl möglich. Wären Sie gerne mutiger gewesen?
Mitnichten, wenn Sie unsere architektonischen Interventionen damit ansprechen wollen. Das Wort Mut würde ich aber gerne in einem anderen Zusammenhang anwenden. Denn es ging lange und mit viel Überzeugungsarbeit darum, die verschiedensten und komplex gewucherten Überlagerungen rund um den Dom zu entwirren und die vielen störenden Teile herauszuoperieren. Es brauchte Haltung und Rückgrat und das Erkennen der richtigen Partner, um all den nicht einfachen Protagonisten „um den Dom herum“ so viel Gewohntes, wenn auch vielerorts Unwirtliches wegzunehmen, damit der Stadt wieder ein gut gestalteter und urbaner öffentlicher Raum auf dem eigentlich gewachsenen Stadtniveau und nicht „nur über dem Verkehr“ zurückgeben werden konnte. Im ersten Workshopverfahren 2002 gab es von den eingeladenen internationalen Büros komplexe Lösungsvorschläge in allen denkbaren Varianten. Dass unser Entwurf für den Bereich des Dionysoshofs mit Baptisterium später richtungsweisend für die gesamte Domumgebung war, zeigte sich auf den zweiten Blick nach langer Ruhepause des Projekts im Jahre 2009, als die Planungen wiederaufgenommen wurden. Wir haben im gewonnenen Wettbewerb durch Zurückbauen und Bereinigen geglänzt, durch pointierte räumliche und gestalterische Ergänzungen. Trotz dieser selbst auferlegten Zurückhaltung haben wir unsere Handschrift in die neue Domumgebung einbringen können. Aber noch nie zuvor haben wir in einer solchen Größenordnung „neu gebaut“ und waren am Ende neben der hoffentlich überzeugenden Gestaltung insbesondere mit Entfernen und Aufräumen befasst. Daher war mein besonderer Appell am Ende des Verfahrens in Köln auch: Ihr müsst aufräumen! Es ist mittlerweile ein großes Dilemma vie­-ler öffentlicher Räume in unseren Städten, dass sie durch „Sekundärarchitektur“ überlagert werden.
Was lernt man als Architekt aus einem Verfahren wie diesem?
Wir sehen heute, dass es gut war, das Ergebnis von 2002 sieben Jahre später noch einmal mit Distanz und neuen Beteiligten kritisch zu reflektieren und einen öffentlichen Dialog über den Umbau der nunmehr gesamten Domumgebung zu führen. Das dann folgende Moderationsverfahren war eine intensive Erfahrung. Es waren drei außergewöhnliche Monate, in denen ich meine Interessen als verantwortlicher Architekt zurückstellen und erst einmal allen Beteiligten zuhören musste, um alle zu Beginn vehement geäußerten Meinungen mit der notwendigen Ruhe weiterzudenken und beim nächsten Treffen gut diskutierbare Ergebnisse vorzulegen. Wenn man aufmerksam zugehört hatte, konnte man beim nächsten Termin bemerken, dass insbesondere diejenigen, die einem vorher „gute Ratschläge“ gegeben hatten, wohlwollend nickten und sich im Prozess mitgenommen fühlten. Das war aufgrund der unterschiedlichen Persönlichkeiten eine zutiefst feinfühlige Angelegenheit. Manchmal kamen wir auch, um Lösungsansätze intensiver vorzubereiten, in kleineren Sonderrunden zusammen und argumentierten unter der geschickten Regie des moderierenden Kollegen Peter Zlonicky so lange, bis am Ende weißer Rauch für eine Lösung aufstieg. Zurückblickend kann man sagen, dass trotz unterschiedlicher Charaktere und Ziele am Ende gegenseitige Achtung und Anerkennung erwuchs, die bis heu­-te anhält.
Wie blicken Sie auf die Realisierung zurück?
Was uns viel Zeit und Aufwand gekostet hat, ist der mittlerweile völlig verkomplizierte Ausschreibungs- und Vergabeapparat der öffentlichen Hand. Es braucht kaum mehr nachvollziehbare Prozesse, um Dinge überhaupt vergabebereit zu machen. Dann folgen Hindernisse, da kaum noch gute Firmen überhaupt öffentliche Auf­träge anbieten, mannigfaltige widersinnige Einspruchsmöglichkeiten, und wenn man das alles hinter sich gebracht hat, sind noch viele Regularien zu beachten, bis man endlich in der Lage ist, einer Firma einen Auftrag zu erteilen. So kann man weder sinnvoll noch zielgerichtet wirtschaftlich arbeiten oder mit guten Handwerkern und Firmen gestalten, da diese sich kaum mehr an solch komplexen Prozessen beteiligen wollen. Dadurch wurde das Projekt unnötig in die Länge gezogen. Wir sind auch noch nicht am Ende des Weges, obwohl das noch vor uns liegende Stück problemlos auf Basis des Gesamtkonzepts finalisiert werden könnte.
Fakten
Architekten Wappner, Ludwig, München
Adresse Domplatte, Köln


aus Bauwelt 15.2017
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