Schrundig, bunt oder glatt

Lots of Pictures – Lots of Fun. Skulpturen und Bilder von Eduardo Paolozzi in der Berlinischen Galerie

Text: Kasiske, Michael, Berlin

    Stehendes Pferd 1946. Viele seiner Arbeiten zeigen seine Begeisterung für das Maschinenhafte.
    Abb.: Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by VG Bildkunst

    Stehendes Pferd 1946. Viele seiner Arbeiten zeigen seine Begeisterung für das Maschinenhafte.

    Abb.: Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by VG Bildkunst

    Collage Wittgenstein in New York aus der Serie As is When 1965.
    Abb.: Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by VG Bildkunst

    Collage Wittgenstein in New York aus der Serie As is When 1965.

    Abb.: Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by VG Bildkunst

Schrundig, bunt oder glatt

Lots of Pictures – Lots of Fun. Skulpturen und Bilder von Eduardo Paolozzi in der Berlinischen Galerie

Text: Kasiske, Michael, Berlin

Mit Eduardo Paolozzi (1924–2005) würdigt die Berlinische Galerie eine zentrale Figur der bri­tischen Pop Art. In den frühen 1950er Jahren bil­dete er mit den Architekten Alison und Peter Smithson, dem Kritiker Reyner Banham und anderen die „Independent Group“ (IG). Sie stellten, auch formal, die damalige Aktualität der Mo­derne infrage, indem sie emotional und direkt den Dingen des Alltags frönten.
Das wirkliche Leben fand Paolozzi in Bildern von Filmstars, Lebensmitteln, Comicstrips und Gebrauchsgegenständen aus den damals geläufigen Printmedien. Die daraus montierten Collagen stellte er 1952 als „Bunk!“ in einer legendären Diashow der IG vor.
Dem gingen schwarzweiße Collagen voran, in denen Paolozzi Geräte in Figuren oder Interieurs einsetzte. Die Verfremdung der offensichtlichen Buchseiten zeugen vom Einfluss des Surrealismus, dem er während seines Aufenthalts in Paris von 1947 bis 1949 nahekam. Zum Thema „Mensch und Maschine“ wird er lebenslang arbeiten.
Bis auf das Porträt der Beteiligten fehlt in Berlin leider der Beitrag zur Ausstellung „This is tomorrow“, den Paolozzi 1956 in der Londoner Whitechapel Gallery zusammen mit den Smithsons und dem Fotografen Henderson schuf. „Die erste Notwendigkeit ist ein Stück Welt, der Patio, die zweite ein geschlossener Raum, der Pavillon.“ kommentierten die vier ihre Installation, die Banham zufolge wie eine Ausgrabung nach einer atomaren Vernichtung wirkte.
Seine frühen Objekte zeigen eine unbändige Freude am Machen, zunächst mit schrundigen Oberflächen, die dann wie auch in späteren Collagen durch Maschinenformen wie Zahnräder ersetzt werden. Diese Auswüchse sind mehr als Ornamentik, sie geben Skulpturen etwas Erzäh­lerisches. Ab Mitte der 1960er Jahre setzen sich, vor allem bei Paolozzis Arbeiten für den öffentlichen Raum, glatte Oberflächen durch, wodurch die Maschinenhaftigkeit ungleich spielerischer daherkommt. Man sieht ihn 1962 auf der Suche nach Vorlagen auf den Schrottplätzen Hamburgs, wo er eine Gastprofessur innehatte. Andere Fotos präsentieren sein vollgestopftes Berliner Atelier während eines DAAD-Stipendiums 1974/75. Bis zuletzt blieb Paolozzi der Architektur verbunden: Für den Eingangshof der British Library, die sein Freund und Sammler Colin St. John Wilson entworfen hat, schuf er die Figur des vorgebeugten Newton, dem er seine eigenen Gesichtszüge verlieh.

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