Manfred Prasser

1932–2018

Text: Scheffler, Tanja, Dresden

    „Außen Schinkel, Innen Prasser“: historische Gebäudehülle des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt in Berlin von Karl Friedrich Schinkel, Wiederauf- und Umbau mit neuem Konzertsaal durch Manfred Prasser und sein Kollektiv (1979–84)
    Abbildung: IRS Erkner, Wissenschaftliche Sammlungen, C_41_01-01; Zeichnung: Carl Krause

    „Außen Schinkel, Innen Prasser“: historische Gebäudehülle des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt in Berlin von Karl Friedrich Schinkel, Wiederauf- und Umbau mit neuem Konzertsaal durch Manfred Prasser und sein Kollektiv (1979–84)

    Abbildung: IRS Erkner, Wissenschaftliche Sammlungen, C_41_01-01; Zeichnung: Carl Krause

Manfred Prasser

1932–2018

Text: Scheffler, Tanja, Dresden

Seine wichtigsten Ost-Berliner Projekte waren in der DDR allgemein bekannt: Manfred Prasser konzipierte mit dem flexibel bespielbaren Großen Saal das Herzstück des Palasts der Republik und plante den Wiederaufbau des Gendarmenmarkts (damals noch Platz der Akademie genannt). Prassers Name war aufgrund der komplexen Kollektivstrukturen der Baubranche in der DDR jedoch lange Zeit nur Weggefährten und Fachleuten geläufig.
Manfred Prasser (1932–2018) war gelernter Zimmermann und hatte Bauingenieurwesen studiert. Er war Polier, Bauleiter und Prüfingenieur, arbeite später jedoch auch als Entwurfsarchitekt. Ab 1968 leitete er beim Bau- und Monta­ge­kombinat Ingenieurhochbau (VEB BMK IHB Berlin) ein größeres Entwurfskollektiv, das unter dem Stadtbaudirektor Erhardt Gißke für die „Aufbauleitung Sonderbauvorhaben“ Gesellschaftsbauten plante. Prasser entwickelte sich zu einer Schlüsselfigur für die Realisierung hochkarätiger Projekte. Mit seinem Charisma, seinen markigen Worten und den graphisch beeindruckenden Schaubildern, die verschiedene darstellungsstarke Architekten seines Planungsteams anfertigten, konnte er bei den jeweils zuständigen Funktionären immer das Maximum für die Projekte herausholen.
Der Entwurf des sechseckigen Großen Veranstaltungssaals des Palasts der Republik (1973–76) war Prassers „Meisterstück“. Quasi als ultima­tive Weiterentwicklung der Piscator-Bühne war der Saal mit seinem individuell angefertigten Schwenkparkett, den verschiebbaren Wänden und einer einzigartigen Bühnentechnik in zig verschiedenen Varianten bespielbar.
Anschließend war Prasser für den Wiederaufbau des Gendarmenmarkts (1976–84) zuständig, bei dem der vorher in drei Teilbereiche unterteilte Platz zusammengefasst und durch mehrere Stufen vom umgebenden Straßenniveau abgehoben wurde, so dass eine völlig neue Raumwirkung entstand. In diesem Zuge wurde auch die Rekonstruktion der drei bedeutenden historischen Bauten des Platzes in Angriff genommen: Der Französische Dom wurde 1983 wieder eröffnet, der Deutsche erst nach der Wende, das zum Konzerthaus umfunktionierte Schauspielhaus 1984 eingeweiht. Beim Umbau des Schinkel’ schen Schauspielhauses lehnte Prasser eine zeitgenössisch-moderne Innenraumgestaltung ab; er entwarf stattdessen zusammen mit Peter Weiß einen auf klassizistischen Vorbildern basierenden neuen Konzertsaal. Später stellte er den Prachtbau gerne mit „Außen Schinkel, Innen Prasser“ vor. Parallel dazu entwickelte Prasser mit seinem Kollektiv für die Randbebauung des Gendarmenmarkts mehrere in Skelettbauweise errichtete Neubauten mit vorgehängten, filigran gestalteten Betonwerkstein-Fassaden und Arkaden.
Manfred Prasser war darüberhinaus an vielen weiteren, in der Fachliteratur meist vage mit „nach Entwürfen von Architektenkollektiven unter der Gesamtleitung von Erhardt Gißke“ bezeichneten Projekten in der Entwurfsphase federführend beteiligt, so beim Grand Hotel in der Friedrichstraße und dem Dom-Hotel (heute: Hilton) am Gendamenmarkt. Für den von Walter Schwarz ausgeführten Friedrichstadtpalast erarbeitete Prasser die Gebäudekonzeption und entwarf zusammen mit Dieter Bankert (Bauwelt 9.2016) auch die entscheidenden baukünstlerischen Details. Höchste Zeit hier endlich einmal genauer hinzuschauen.

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