Neubewertungen in Köln und Bordeaux

Editorial Heft 15.2017

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Redecke, Sebastian, Berlin

Neubewertungen in Köln und Bordeaux

Editorial Heft 15.2017

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Redecke, Sebastian, Berlin

Kölns Dom ist seit der Wiederaufnahme der Arbeiten im Jahr 1842 eine Dauerbaustelle – irgendetwas ist immer zu reparieren, auszutauschen oder zu ergänzen. Ähnliches gilt für sein Umfeld. Wollte man den mäch­tigen Bau im 19. Jahrhundert freigestellt sehen, galt es im 20. Jahrhundert, sein großes Volumen möglichst störungsfrei in die autogerechte Stadt zu integrieren. Der Architekt Fritz Schaller erdachte die Domplatte: Großzügig bemessene Trassen für den Fahrverkehr wurden überdeckelt mit einem Plateau für Fußgänger. Mit dem Museum Ludwig wurde diese Struktur Richtung Rhein verlängert.
Seitdem Urbanität wieder mehr als Nebeneinander unterschiedlicher Funktionen verstanden und städtebauliches Heil zunehmend in der „guten, alten Zeit“ gesucht wird, stehen die zukunftsfreudigen Lösungen der 1960er und 70er Jahre in Frage. Für die übel beleumdeten Orte unter der Domplatte wurden jetzt Maßnahmen ergriffen, die auf eine Verbesserung der Si­tuation hoffen lassen: Tageslicht, Kunstlicht, helle Farben und Materialien, klare Verantwortlichkeiten und Funktionen, Platz auch dort für Passanten – die düstere, schlecht riechende Unterwelt aus Sichtbeton ist verschwunden. Das eigentlich Erstaunliche daran ist aber weniger die gestalterische Leistung der Architekten Allmann Sattler Wappner, als der Erfolg, in einem jahrelangen Aushandlungs- und Vermittlungsprozess den im Wettbewerb 2002 gegen Rem Koolhaas’ Vorschläge siegreichen Ansatz eines zugleich rücksichtsvollen wie konsequenten „Aufräumens“ gegen alle Einzelinteressen verteidigt und zu einer auch von den verschiedenen Beteiligten vertretenen Lösung qualifiziert zu haben. Die Kölner Domumgebung ist damit erneut ein Maßstab für andere Städte vor ähnlichen Aufgaben.
Drinnen oder draußen
Der Basketballverein von Bordeaux hat sich entschieden. Er will ins Zentrum. So wurde für ihn und weitere Ballsportvereine der Palais des Sports aus den sechziger Jahren mitten in der Altstadt reaktiviert und durch das Atelier Ferret mit einfachen Mitteln erneuert. Bordeaux möchte sich aber mit neuen Stadtquartieren rechts der Garonne erweitern. Zahlreiche öffentliche oder geförderte Projekte für die andere Flussseite liegen vor, die aber vergleichbar mit Köln die „Schäl Sick“ der Stadt bleibt. Mit dem Bau einer Brücke von Rem Koolhaas, die für eine bessere Verbindung sorgen soll, wird in diesem Jahr begonnen. Bereits fertig ist das vom Zentrum dorthin verpflanzte Stadtarchiv von Robbrecht en Daem. Noch steht es etwas verloren auf brach liegendem Gebiet. Betritt man den Bau, ist man vom Lesesaal begeistert.

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