Connected City

Mit Oberbillwerder soll in Hamburg ein neuer Stadtteil in der Peripherie entstehen. Die IBA Hamburg führte einen aufwendigen Wettbewerblichen Dialog durch, den ADEPT für sich entscheiden konnte.

Text: Gefroi, Claas, Hamburg

    An der S-Bahnhaltestelle Allermöhe, südwestlich vom Hamburger Stadtzentrum, entsteht Oberbillwerder.
    Foto: IBA Hamburg GmbH

    An der S-Bahnhaltestelle Allermöhe, südwestlich vom Hamburger Stadtzentrum, entsteht Oberbillwerder.

    Foto: IBA Hamburg GmbH

    1. Preis ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar gehen behutsam mit der Kulturlandschaft um. Dichte und Gebäudehöhe nimmt zum Stadtrand hin ab.
    Abb.: Architekten

    1. Preis ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar gehen behutsam mit der Kulturlandschaft um. Dichte und Gebäudehöhe nimmt zum Stadtrand hin ab.

    Abb.: Architekten

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    1. Preis Der Stadtteil Neu-Allermöhe wird über eine Achse mit Oberbillwerder verbunden; zum Rand hin gibt es eine feinkörnige Mischung der Typologien.
    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    1. Preis Der Stadtteil Neu-Allermöhe wird über eine Achse mit Oberbillwerder verbunden; zum Rand hin gibt es eine feinkörnige Mischung der Typologien.

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Abb.: ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar

    Ammann Albers Stadtwerke mit Hinnenthal Schaar schlagen eine zentrale Park-Sport-Zone und polygonale Blöcke vor.
    Abb.: Architekten

    Ammann Albers Stadtwerke mit Hinnenthal Schaar schlagen eine zentrale Park-Sport-Zone und polygonale Blöcke vor.

    Abb.: Architekten

    De Zwarte Hond mit RMP stellen eine differenzierte Verkehrsführung in den Mittelpunkt ihres Entwurfs: Radschnellwege, Wohnstraße, Wege und Parkstände an der Stadtmeile
    Abb.: Architekten

    De Zwarte Hond mit RMP stellen eine differenzierte Verkehrsführung in den Mittelpunkt ihres Entwurfs: Radschnellwege, Wohnstraße, Wege und Parkstände an der Stadtmeile

    Abb.: Architekten

    KCAP mit Kunst + Herbert, GMP, WES Landschaftsarchitektur und ARUP teilen den Stadtteil in sieben
    Gebiete, getrennt durch Grünflächen
    Abb.: Architekten

    KCAP mit Kunst + Herbert, GMP, WES Landschaftsarchitektur und ARUP teilen den Stadtteil in sieben
    Gebiete, getrennt durch Grünflächen

    Abb.: Architekten

Connected City

Mit Oberbillwerder soll in Hamburg ein neuer Stadtteil in der Peripherie entstehen. Die IBA Hamburg führte einen aufwendigen Wettbewerblichen Dialog durch, den ADEPT für sich entscheiden konnte.

Text: Gefroi, Claas, Hamburg

Manchmal macht Stadtentwicklung weite Sprünge in kürzester Zeit. Galt in Hamburg eben noch das Motto „Mehr Stadt in der Stadt“, mithin das Leitbild einer weiteren Verdichtung der inneren Stadt, so ist man nun auf der Suche nach „Mehr Stadt an neuen Orten“. Die neue Schwerpunktsetzung erfolgte aus der Not heraus: Um Wohnungsknappheit und galoppierende Miet- und Kaufpreise zu bekämpfen, sollen pro Jahr 10.000 neue Wohnungen entstehen. Doch in den zen­tra­len Lagen sind die Flächenreserven weitgehend erschöpft und allein durch Abriss und Neubau, Aufstockung und Umnutzung lässt sich das Senatsziel nicht erreichen. So wird die Innenentwicklung nun einerseits ergänzt durch zusätzlichen Wohnungsbau in sogenannten „Fokusräumen“, beispielsweise im relativ gering verdichteten Hamburger Osten („Stromaufwärts an Elbe und Bille“) oder Süden („Sprung über die Elbe“) und andererseits durch den Bau ganzer neuer Quartiere und Stadtteile an der Peripherie – eben „mehr Stadt an neuen Orten“.
Das größte und ambitionierteste Vorhaben ist der in Planung befindliche neue Stadtteil Oberbillwerder. Er soll entstehen auf momentan noch landwirtschaftlich genutzten Flächen nördlich der S-Bahnlinie nach Bergedorf. Das weite Marschgebiet zwischen der inneren Stadt und Bergedorf lag seit Fritz Schumachers Zeiten im Fokus der Stadtplanung, aber erst in den 1980er und 1990er Jahren folgten mit dem in zwei Abschnitten errichteten Stadtteil Neu-Allermöhe Taten. Diese Stadterweiterung, zunächst als herkömmliche Großsiedlung angedacht, wurde von der „Freien Planungsgruppe Berlin“ unter Egbert Kossak zu einem beschaulichen Stadtteil mit drei- bis viergeschossigen Mietwohnungshäusern, Fleeten und einem See. Er steht für einen wichtigen Wendepunkt der Stadtplanung.
Gleich oberhalb von Neu-Allermöhe und des S-Bahnhofs Allermöhe könnte nun mit Oberbillwerder ein erneuter Paradigmenwechsel ein­geleitet werden. Auf 124 Hektar soll hier eine Musterstadt des 21. Jahrhunderts mit bis zu 7.000 Wohneinheiten und 5.000 Arbeitsplätzen entstehen, die dem Leitbild einer „Active City“ folgt: Bewegung, Sport und Gesundheitsangebote als prägende Faktoren des Zusammenlebens und der Lebensqualität. Erreicht werden soll dies durch Freiräume, zentrale Sportanlagen, eine autoreduzierte innere Erschließung und die Ansiedlung von Firmen aus den Branchen Ernährung, Gesundheit und Bewegung.
Dass man es ernst meint mit dem Anspruch, Neues zu wagen, zeigte die Entscheidung, die städtische IBA GmbH (gegründet für die Realisierung der IBA 2013 in Wilhelmsburg) mit dem Planungs- und Realisierungsprozess zu betrauen. Sie kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen, wie man innovative Städtebau- und Architekturkonzepte zusammen mit Bürgern und Investoren entwickelt und umsetzt. Statt eines üblichen städtebaulichen Wettbewerbs wurde für Oberbillwerder ein sehr aufwändiger mehrstufiger Wettbewerblicher Dialog initiiert, an dem die Öffentlichkeit, Sachverständige aus Verwaltung, Vereinen und Initiativen, Fachgutachter und Beratungsgremien beteiligt waren. Nach einer ersten Qualifizierungsphase mit zwölf Planungsteams wurden vier Teams für die Vertiefungsphase ausgewählt: ADEPT ApS, Ammann Albers StadtWerke GmbH, De Zwarte Hond und KCAP Architects & Planners. In insgesamt acht großen öffentlichen Veranstaltungen während des Verfahrens konnten Bürger Ideen und Kritik einbringen – und dies taten sie in großer Zahl, obwohl der Stadtteil auf der grünen Wiese entsteht: Pro Veranstaltung tummelten sich über 400 Personen.
Klarer Sieger (18:2 Jurystimmen) und mit der Erstellung des Masterplans betraut wurde das Team ADEPT ApS (Kopenhagen) mit Karres en Brands Landschapsarchitecten b.v. (Hilversum) und Transsolar Energietechnik GmbH. Sie gewannen den Wettbewerb mit der Vision einer „Connected City“: Vorgesehen sind mehrere typologisch und funktional differierende, sich teilweise überlagernde „Loops“, die den Stadtteil prägen sollen. Während ein „Loop“ Vernetzungen und Verbindungen mit den bebauten Gebieten und Landschaftsräumen der Umgebung schaffen soll, zieht sich ein „Grüner Loop“ als grünes Band durch den Stadtteil und verbindet Schule, Kitas, kommerzielles Zentrum und das Schwimmbad. Eine zentrale Achse („Rambla“) in Nord-Süd-Ausrichtung durchzieht Oberbillwerder und verbindet den Stadtteil mit Neu-Allermöhe im Süden. Dichte und Gebäudehöhen nehmen vom Zentrum aus zu den Rändern hin ab. Kanäle, die hier auch der Entwässerung des Marschgebiets dienen, durchziehen den Stadtteil. Bemerkenswert ist die besonders feine Mischung von Programmen und Funktionen: Insgesamt sind fünf Stadtquartiere mit unterschied­li­cher thematischer Ausrichtung und verschiedenen Gebäudetypologien (Zeilen, Blöcke, Punktbebauungen sowie Mischformen in unterschiedlicher Dichte und Höhen) geplant. Der Funktionsplan gleicht einer bunten Patchworkdecke.
Die kleinteilige Differenzierung der städtebaulichen Typologien eröffnet – man vergleiche dies nur einmal mit der Hafencity und ihren immerfort wiederholten Block- und U-Strukturen – zahlreiche Möglichkeiten. Dennoch ist der offene Ansatz des Entwurfs alles andere als beliebig: So wurden bereits Straßenprofile angelegt, in denen Gebäudehöhen, Straßenbreiten, Verkehrs- und Grünflächen sowie Kanäle räumlich definiert werden. Feinkörnige Mischung, Milieubildung, Flexibilität und Vielfalt, hohe Freiraumqualitä­ten und die Einbindung in die Landschaft sind große Stärken dieses Entwurfs, der nun bis Ende September zu einem Masterplan konkretisiert werden soll. Die Grundlagen für einen wirklichen Pionierstadtteil mit bundesweiter Strahlkraft sind damit geschaffen. Ob Oberbillwerder tatsächlich neue Wege zu einem attraktiven städtischen Leben an der Peripherie aufzeigt, wird nun die Umsetzung erweisen.
Wettbewerblicher Dialog

1. Preis ADEPT Aps mit Karres+Brands und Transsolar
Weitere Teilnehmer
Ammann Albers Stadtwerke mit Hinnenthal Schaar
De Zwarte Hond mit RMP
KCAP mit Kunst + Herbert, GMP, WES Landschaftsarchitektur und ARUP

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