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Bauwelt-Redakteur Jan Friedrich hat ein bisschen in der Chronik seines beruflichen Facebook-Profils gestöbert

Text: Friedrich, Jan, Berlin


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Bauwelt-Redakteur Jan Friedrich hat ein bisschen in der Chronik seines beruflichen Facebook-Profils gestöbert

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Jeden Tag am Schreibtisch sitzen und zweimal im Monat eine Zeitschrift machen – das reicht heute natürlich nicht mehr. Der Digitalisierung sei Dank. Heute produziere ich Inhalte und spiele sie meinen Lesern unentwegt über jene Kanäle zu, mit denen ich sie am besten zu erreichen glaube. Wie alle Kollegen aus der Schreiberzunft bin ich in den sozialen Medien unterwegs. Ich gehöre, was neue Technik betrifft, wahrlich nicht zu den ersten, die sie nutzen. Ob ich durch die Tatsache, dass ich erst seit Februar 2016 ein Facebook-Profil habe, gemäß den „Five Customer Segments of Technology Adoption“ noch zur „late majority“ gehöre oder schon „laggard“, Nachzügler, bin, weiß ich nicht. Ich weiß aber – Facebook vergisst nicht – was damals meine erste Facebook-Amtshandlung war: der eben gekürten neuen AzW-Direktorin zu ihrer Berufung gratulieren. Ein netter Einstand, finde ich immer noch. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich das Profil ausschließlich beruflich nutze. Dass ich meine Texte poste, um auch die zu erreichen, die nicht jede Bauwelt lesen, aber mit der Zeit merken: „Was der Friedrich schreibt, ist doch meistens ganz lesenswert, schau ich mal wieder rein.“ Das war die Idee. Anrührend naiv, ich weiß.
Es dauerte keine Stunde, bis Freunde und Bekannte entdeckt hatten, dass ich endlich bei Facebook war. Ein großes Hallo. Und klar, man akzeptiert generös Freundschaftsanfragen. Fühlt sich ja gut an. Eine Woche später war es vorbei mit meinem rein beruflichen Facebook-Profil. Wer möchte, kann dort heute also zum Beispiel herauslesen, dass viele meiner ehemaligen Mitschülerinnen sich sehr um das Wohl von Tieren sorgen. Dass ich mindestens einmal seit Februar 2016 in einem Berliner Biergarten einen halbvollen Krug in die Höhe stemmte und dabei recht feuchtfröhlich dreinblickte. Dass ich mutmaßlich in einem Männerchor singe (jedenfalls bin ich auf dessen Facebook-Profil­foto zu sehen), dessen Mitglieder anlässlich mindestens einer Gelegenheit in Hunde- und Katzen-Shirts aufgetreten sind. Dass ich in den letzten Oktobertagen geboren wurde, mein Sternzeichen also der Skorpion sein muss. Warum ich Ihnen mit diesen Unwichtigkeiten die Zeit stehle? Selbstverständlich möchte ich, dass alle meine Leser, egal über welchen Kanal ich sie erreiche, auf demselben Stand sind. Informationsgerechtigkeit ist wichtig heute.

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