Eintracht gesucht

Bauwelt-Redakteur Sebastian Redecke über die Grundstücksstreitereien beim Bau der Akademie des Deutschen Fußballs

Text: Redecke, Sebastian, Berlin


Eintracht gesucht

Bauwelt-Redakteur Sebastian Redecke über die Grundstücksstreitereien beim Bau der Akademie des Deutschen Fußballs

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Zugegeben, von Fußball verstehe ich nicht viel, doch die Zahlung von 222 Millionen Euro von einem Vereinsbesitzer, damit ein Brasilianer das Team wechselt, hat mich dann doch erschreckt. 222 Millionen für einen Spieler sind deutlich mehr als die 140 Millionen, die die Akademie des Deutschen Fußball-Bundes vor einem Jahr gekostet hätte, als man dachte, mit dem Bau in Frankfurt-Niederrad beginnen zu können. Doch es kam ganz anders.
Die Akademie von kadawittfeldarchitektur soll auf dem Gelände einer über 150 Jahre alten Galopprennbahn mit Golfplatz entstehen. Obwohl der Wettbewerb entschieden war und die Stadt nach der Kündigung des Mietvertrags grünes Licht gab, wehrten sich der Rennbahn-Verein und die Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“ vehement gegen die Aufgabe des 38 Hektar großen Terrains und pochten auf den Mietvertrag mit der Stadt, der bis 2024 gilt. Die Kündigung sei rechtswidrig. Man fragt sich, warum Rechtsanwälte, das Rechtsamt der Stadt oder juristisch Bewanderte anderer Behörden bei den Verträgen nicht genauer hingeschaut haben. Ebenso mit Fragen behaftet ist, wie es zu einem Mietauflösungsvertrag mit Unterschrift des früheren Rennbahn-Mitbesitzers und Pferdezüchters Manfred Hellwig aus Bad Homburg kam. Um das Problem zu lösen, kam es 2015 zum ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Frankfurts. Die Mehrheit war für den Bau der Akademie. Klar, denn trotz großer Tradition gibt es viel mehr Eintracht- als Galopp- und Pferdewetten-Fans, in Niederrad sind gerade mal fünf Rennen im Jahr geplant. Der Galopp-Verein blieb trotz Abstimmungsergebnis stur. Am 27. Juli entschied nun das Oberlandesgericht in zweiter Instanz, dass die Stadt das Gelände räumen darf für den Bau der Akademie, die natürlich ein wunderbares Aushängeschild für Frankfurt ist.
Doch wenn für einen brasilianischen Spieler 222 Millionen bezahlt werden, damit er bei einem anderen Verein spielt, wozu dann neben der DFB-Zentrale auch noch eine Akademie? Fortbildungen für Trainer, für das Management, die hohe Kunst der Spieltaktik und internationale Analysekongresse mögen wichtig sein, doch entscheidend für den großen Erfolg sind heute allein die Millionen für die besten Einkäufe und die beste Kreuzbandriss-Versicherung.
Fakten
Architekten kadawittfeldarchitektur, Aachen
aus Bauwelt 17.2017
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