Mehr als bunt

Ein Symposium der Hochschule Bochum widmete sich „Experimentellen Farbstrategien“

Text: Brensing, Christian, Berlin

    Berlin am 9. Juli 2015 auf ei­­nem Falschfarbenbild, das im Rahmen des Sentinel-2A-Programms der
    ESA aufgenommen wurde
    Foto: Copernicus Senti­nel data (2015)/ESA

    Berlin am 9. Juli 2015 auf ei­­nem Falschfarbenbild, das im Rahmen des Sentinel-2A-Programms der
    ESA aufgenommen wurde

    Foto: Copernicus Senti­nel data (2015)/ESA

Mehr als bunt

Ein Symposium der Hochschule Bochum widmete sich „Experimentellen Farbstrategien“

Text: Brensing, Christian, Berlin

Welches Bild, welche Emotionen, vor allem aber welche Rückschlüsse ziehen wir aus den Farben unserer Umwelt? Mit „Momente der Irritation“, beschreibt Astrid Bornheim, Architektin und Dozentin am Masterstudiengang AMM Architektur Media Management der Hochschule Bochum, das Phänomen der Farbe im Raum. Unter ihrer Leitung organisierten die AMM-Studenten am Aedes Network Campus in Berlin ein Symposium zur Bedeutung der Farbe als Ausdruck in Text und Raum: „Experimentelle Farbstrategien in Architektur und Kommunikation“.
Architektur war also nur eines von vielen „Farb-Spektren“ der von Studiengangsleiter Jan R. Krause moderierten Veranstaltung. Zwar definierte Louisa Hutton die Polychromie der Bauten von Sauerbruch Hutton als ­eine Emanzipation der Farbe vor der Form, sprach Martin Fröhlich (AFF-Architekten) von einem Leben in den schattenhaften Abstufungen des Monochromen, offerierte Peter Wilson (Bolles + Wilson) mit seinem Exkurs in die bunt-aufgemischte albanische Hauptstadt Tirana einen Griff in den DIY-Farbkasten der Architektur. Doch erst der Kunsthistorikerin Eva-Maria Barkhofen gelang es mit ihrem Vortrag zu Scharouns expressionistischer Farb-Exegese, das Tor zum Kosmos der Farbe vollständig aufzustoßen.
Den Übergang vom realen zum fiktionalen Raum vollzog Bernd Jünger, Leiter der Abteilung Szenenbild beim WDR, mit seinen Erläuterungen zu den „illegalen Farben im Fernsehen“. Dort wo Illusion mit Information verknüpft wird, tauchen Zuschauer unwissentlich in perfekte Scheinwelten ein. Die buchstäbliche Erdung jenseits der Farbästhetik gelang Heike Klussmann von der transdisziplinären Forschungsplattform „Bau Kunst Erfinden“ der Universität Kassel. Deren Betonkreationen – z.B. Bling­Crete, lichtreflektierender Beton, oder DysCrete, farbstoffsensitivierter, energieerzeugender Beton – lassen die materiell-sensitiven Grenzen verschwimmen, Farbe erhält zu ihrem assoziativen Potenzial noch das der Energieeffizienz, der Nachhaltigkeit oder des Kommunikativen.
Einen weiteren Perspektivwechsel vollzog Robert Meisner von der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Geophysikalische Messwerte, erfasst von Satelliten, geben Aufschluss über jede Veränderung auf der Erdoberfläche. Doch müssen diese Daten konditioniert, sprich farblich behandelt werden, damit das menschliche Auge sie verstehen kann. Alles von einem Auto bis zu einer bunten Fassade wird bei entsprechender Farbkodierung sicht- und lesbar.

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