Funktionsstapelholz

In Lausanne und Berlin soll je ein Holzhochhaus entstehen. In ihren Dimensionen ähnlich, fallen die Gebäude hinsichtlich dessen, was sie zur „nach­halti­gen Stadtentwicklung“ beitragen könnten, sehr verschieden aus – Holz ist nicht gleich Holz. Es lohnt ein Blick hinter die Fassaden.

Text: Landes, Josepha, Berlin

    1. Preis Lausanne 3XN und Itten + Brechbühls Fassadenmodul öffnet die Wohnungen über großflächige Verglasungen. Schräge Laibungen dienen dem Sonnenschutz und durch feine Perforationen der Holzoberfläche der Lärmregulierung.
    Abb.: Verfasser

    1. Preis Lausanne 3XN und Itten + Brechbühls Fassadenmodul öffnet die Wohnungen über großflächige Verglasungen. Schräge Laibungen dienen dem Sonnenschutz und durch feine Perforationen der Holzoberfläche der Lärmregulierung.

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    Das Hochhaus ist bis zur sechsten Etage als Stahlbeton-, darüber als Verbundkonstruktion aus Holz und Stahl ausgeführt.
    Abb.: Verfasser

    Das Hochhaus ist bis zur sechsten Etage als Stahlbeton-, darüber als Verbundkonstruktion aus Holz und Stahl ausgeführt.

    Abb.: Verfasser

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    In den unteren Geschossen sind Co-Living und Co-Working-Nutzungen vor­gesehen, mittig sogenann­te „Serviced Apartments“, ganz oben Wohnungen.
    Abb.: Verfasser

    In den unteren Geschossen sind Co-Living und Co-Working-Nutzungen vor­gesehen, mittig sogenann­te „Serviced Apartments“, ganz oben Wohnungen.

    Abb.: Verfasser

    Abb.: Verfasser

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    1. Preis Berlin Mad und Mud komprimieren die Struktur eines Blocks mit kleinteiligen Hinter­hö­fen auf dem gegebenen, länglichen Grundstück. Sie stapeln die „Berliner Mischung“ aus Gewerbe, Wohnen und Dienstleistungen und belassen Funk­tionsabschnitte sichtbar, indem der Turm aus verspringenden Kuben besteht.
    Abb.: Verfasser

    1. Preis Berlin Mad und Mud komprimieren die Struktur eines Blocks mit kleinteiligen Hinter­hö­fen auf dem gegebenen, länglichen Grundstück. Sie stapeln die „Berliner Mischung“ aus Gewerbe, Wohnen und Dienstleistungen und belassen Funk­tionsabschnitte sichtbar, indem der Turm aus verspringenden Kuben besteht.

    Abb.: Verfasser

    Das gänzlich als Holzkonstruktion gedachte Hochhaus ist in weiten Teilen öffentlich. Neben Gewerbe und Bildungseinrichtungen im Sockel sind auch ein Restaurant und eine Sauna im obersten Geschoss sowie die Dachterrassen für alle nutzbar.
    Abb.: Verfasser

    Das gänzlich als Holzkonstruktion gedachte Hochhaus ist in weiten Teilen öffentlich. Neben Gewerbe und Bildungseinrichtungen im Sockel sind auch ein Restaurant und eine Sauna im obersten Geschoss sowie die Dachterrassen für alle nutzbar.

    Abb.: Verfasser

    Das quadratische Fassadenraster bietet Modullösungen: vertikale und horizontale Teilung, offene und geschlossene Flächen, bis hin zur Unterbringung von Bepflanzung oder Solarpannels.
    Abb.: Verfasser

    Das quadratische Fassadenraster bietet Modullösungen: vertikale und horizontale Teilung, offene und geschlossene Flächen, bis hin zur Unterbringung von Bepflanzung oder Solarpannels.

    Abb.: Verfasser

Funktionsstapelholz

In Lausanne und Berlin soll je ein Holzhochhaus entstehen. In ihren Dimensionen ähnlich, fallen die Gebäude hinsichtlich dessen, was sie zur „nach­halti­gen Stadtentwicklung“ beitragen könnten, sehr verschieden aus – Holz ist nicht gleich Holz. Es lohnt ein Blick hinter die Fassaden.

Text: Landes, Josepha, Berlin

Lausanne Im Dezember gewannen 3XN und Itten Brechbühl den Wettbewerb für den sogenannten „Tilia Tower“ der Immobilien-Investmentfonds-Verwaltungsgesellschaft Realstone. Er soll Wohnungen, Kurzzeit-Apartments, Büros, ein Hotel sowie Gastronomie enthalten. Das Baufeld für den circa 85 Meter hohen Turm befindet sich im Westen von Lausanne, am SBB-Bahn­-hof Prilly-Malley. Es wird nördlich von dem in den 20er Jahren errichteten, mittlerweile denkmal­geschützten Eisenbahn-Viadukt „Le Galicien“ begrenzt. Auf dem westlichen Abschnitt stehen zwei Gebäude aus den 70er Jahren: eine Badminton-Halle sowie ein sechsgeschossiges Bürohaus. Das Baufeld ist unter dem Titel „Viaduc“ Bestandteil des Entwicklungsplans „Quartier Malley“.
Das ehemalige Arbeiterviertel, entstanden um Schlachthöfe und Güterbahnhofbetrieb, soll zum „Öko-Stadtteil“ werden, mit dem Tilia Tower als einem von fünf Hochpunkten. Die Gemeinde Prilly und der Investor haben sich zum Ziel gesetzt, mit allen Neubauten im Quartier die Anforderungen eines „2000 Watt Areals“ zu erfüllen. Dieses Zertifikat des Schweizerischen Bundesamts für Energie setzt Energieeffizienz und Ressourcenschonung in Architektur, Städtebau, Infrastruktur und Mobilität voraus. Für den Neubau des Turms folgt daraus unter anderem die Forderung nach autarker Energieversorgung, umweltschonenden Baumaterialien sowie klimagerechter Architektur.
Das Wettbewerbsverfahren verlief in zwei Phasen. Fünf von vierzehn Teams reichten, un­-terstützt von Fachplanern für Statik, Haustechnik, Brand- und Schallschutz, in der Endrunde ein. Der Vorschlag von 3XN und Itten Brechbühl heißt „Les balcons du viaduc“. Die Fassade des Turms ist einheitlich von angeschrägten Loggia-Laibungen aus Holz gefasst. Durch die unterschiedliche Größe und abwechselnde Neigung dieser, für Sonnenschutz und Akustik hilfreichen, Elemente entstehen rundum vibrierende Ansichten. Das Hochhaus mit Wohn- und Ho­-telflächen ruht auf einem Sockel, in dem beide Altbauten strukturell integriert sind. Die Fron­-ten dieser unteren, von Läden und Gastronomie genutzten Zone öffnen sich über große Glas­flächen zu einem Park mit Pflanz- und Sportflächen, der sowohl das Viadukt als auch den angrenzenden Straßenraum einbezieht.
Die Architekten nutzen ein Tragwerk aus Holz und wiederverwertetem Beton. Die Konstruk­tion aus Stützen und Platten ermöglicht eine flexible Raumaufteilung. Die unteren sechs Geschosse sind in Beton-Massivbauweise ausgeführt. Um zwei stabilisierende Erschließungskerne wird das Gebäude nach oben hin leichter. An die Stelle eines Beton-Holz-Verbundsystems in den mittleren Etagen tritt in den Wohn-Geschossen 11 bis 24 eine reine Holzbauweise.
Die Materialwahl für die Konstruktion, aber auch die Einbindung der beiden Altbauten sowie die auf die Umwelteinflüsse wie Wind, Sonneneinstrahlung und Temperaturextreme ab­gestimmte Fassadenausbildung tragen zur Optimierung der CO2-Bilanz bei. Die Energieversorgung soll über Solarpanels, die Warmwasseraufbereitung mittels Geothermie funktionieren.
Die Jury lobte die kompakte, gleichwohl strukturierte Gestalt des Hauses. Der großflächige Einsatz von Holz in Fassade wie auch Baukonstruktion widerspiegele die Vision des Bauvorhabens. Hinsichtlich der Versorgung mit Energie und Warmwasser schien den Preisrichtern das Konzept zwar schlüssig, jedoch noch nicht für den Bedarf ausreichend.
Architektur- und Freiraumwettbewerb in zwei Phasen

Preisträger 3XN architects, Kopenhagen, mit Itten + Brechbühl, Lausanne
Teilnehmer zweite Phase
AETC, Genf; Aeby Perneger & Associés, Genf; RDR architectes, Lausanne; Cyrus Moser, Frankfurt. Alle Teilnehmer der zweiten Phase erhielten ein Entgelt in Höhe von 70.000 CHF.
Jury
Patrick Devanthéry (Vorsitz), Esteban Garcia, Alberto Simonato, Alain Gillièron, Amina Ould Henia, Jean-Claude Péc­let, Luca Deon, Floriane Robert, François de Marignac, Cristina Woods, Thomas Jund, Lyesse Laloui
Ausloberin
Realstone, Lausanne
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Berlin Mit 98 Metern soll das WoHo in Berlin-Kreuzberg das höchste Holzhaus Deutschlands werden – und ein gestapeltes neues Stadtquartier. Als Sieger aus einem zweiphasigen Wettbewerb, ausgelobt vom Projektentwickler UTB, gingen im Januar Mad arkitekter hervor. Ihr Entwurf ist von der typischen Kreuzberger Hoftypologie abgeleitet und beinhaltet das als „Berliner Mischung“ bekannte Nebeneinander von Wohnen, Gewerbe und Produktion. Die Jury, der auch die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und der Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt angehörten, entschied aus sechs von vierzehn in die Endrunde gelangten Einreichungen.
Das Grundstück spannt länglich zwischen Tempodrom, Landwehrkanal und Mendelssohn-Bartholdy-Park – in einem Gebiet, das durch die Berliner Teilung jahrzehntelang als zentral gelegener Randbereich galt und sich seit den Neunzigern mausert. Mit Planungen zum Exilmuseum (Bauwelt 20.2020), dem Deutschlandhaus und fortschreitender Bebauung rund um den Park am Gleisdreieck/Urbane Mitte rückt die Nachverdichtung heran.
Mad entwickelten einen einfachen Baukasten, aus dem sie anhand einer einleuchtenden Methode zu ihrer Kubatur und Gebäudeanatomie gelangen. Sie gruppieren vier verschieden hohe Baukörper auf dem Grundstück, die sie so zu­einander versetzten, dass gefasste Freiräume entstehen. Die Baukörper verstehen sie als Teile einer größeren Hofstruktur, die auf die zur Verfügung stehende Grundfläche zusammengeschoben wird. Weitere Volumen, die auf einem „ordentlichen“ Blockrand Platz fänden, nicht aber an diesem Ort, stapeln sie über der Mitte des unteren Riegels zu einem Turm mit 29 Geschossen. Dabei bleiben die Einzelvolumina ablesbar, denn auch sie verspringen zueinander.
Die Fassade baut auf einem schlichten Raster der Holzskelettbauweise auf. Der Turm, der hauptsächlich Wohnungen enthält, hat quadratische Teilungen von drei auf drei Metern, zwei der niedrigeren Bauten sind stärker vertikal gegliedert. Im Zusammenspiel verleihen das relativ starre Fassadenmuster und die aus der Reihe tanzenden Volumen einander Lebendigkeit. Das WoHo ist bis auf die Erschließungskerne und Stahl­verbinder eine konsequente Holzkonstruktion.
Das Gebäude soll den KfW 40-Standard erfüllen. Dafür sehen die Architekten eine Wärmepumpe, Energiespeicher und Wärmerückgewinnung vor. Außerdem sind in einigen der vorgefertigten Fassadenelemente Photovoltaikpaneele enthalten, andere sind, wie auch die Dächer, begrünt. Neben der Umweltverträglichkeit spielen bei diesem Hochhaus-Projekt in erster Linie soziale und nachbarschaftliche Aspekte eine Rolle. Die Wohnungsgrößen variieren von 35 bis 100 Quadratmeter, es soll 30 Prozent geförderten Wohnungsbau geben, genossenschaftliches Wohnen sowie alten- und behindertengerechte Einheiten. In den Gewerbebereichen war die Unterbringung sozialer Nutzungen gewünscht. Zudem sind viele außen- wie auch innenliegenden Flächen für Passanten erreichbar und einladend. Der Baukörper enthält gar in sich eine Treppe zur Erschließung der Dachlandschaft.
Hinsichtlich der Grundrissausbildungen fordert die Jury eine Überarbeitung. Sie kämen dem Anspruch zeitgemäßen Wohnens noch nicht nach. Auch Energie- und Brandschutzkonzept schienen noch nicht stichhaltig. Neun von zehn Preisrichtern empfahlen den Entwurf zur weiteren Bearbeitung.

Eingeladener Realisierungswettbewerb in zwei Phasen

1. Preis
(40.000 Euro) Mad, Oslo, mit Mud, Bergen
2. Preis (25.000 Euro) Partner und Partner mit Treibhaus, beide Berlin
ein 3. Preis (10.000 Euro) baumschlager eberle architekten mit Locodrom Landschaftsarchitekten, beide Berlin
ein 3. Preis (10.000 Euro) ZRS Architekten mit schöner Landschaftsarchitekten, beide Berlin
Jury Marta Doehler-Behzadi, Thomas Bestgen, Verena Brehm, Andreas Garkisch, Regula Lüscher, Christa Reicher (Vorsitz), Florian Schmidt, Ute Schneider, Birgit Teichmann, Julia Tophof
Ausloberin UTB Construction & Development, Berlin

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