Garage in Wiener Hanglage


Eine neue Garage im Hang ergänzt ein Haus aus den Fünfzigern südlich von Wien. Mit seiner komplexen Geometrie auf kleinem Raum erzielt der Raum ein Maximum an Atmosphäre und Funktionalität.


Text: Novotny, Maik, Wien


    Mit ihrem hölzernen Tor greift die neue Garage die Architektursprache der 50er Jahre auf.
    Foto: Architekten

    Mit ihrem hölzernen Tor greift die neue Garage die Architektursprache der 50er Jahre auf.

    Foto: Architekten

    Die gestaffelte Decke und die gebogene Außenwand ...
    Foto: Christina Häusler

    Die gestaffelte Decke und die gebogene Außenwand ...

    Foto: Christina Häusler

    ... werden vom Kunstlicht akzentuiert.
    Foto: Christina Häusler

    ... werden vom Kunstlicht akzentuiert.

    Foto: Christina Häusler

Eine Garage speziell für die Autosammlung des Bauherrn – so etwas vermutet man als Teil einer brandneuen pompösen Villa, mit einem Ga­ragentor so breit wie das Ego des Besitzers. Steigt man den steilen Hang in einer Wienerwaldgemeinde zehn Kilometer südlich der Wiener Stadtgrenze hinauf, ahnt man nicht, dass man gerade an einer solchen Garage vorbeigegangen ist. Denn das zugehörige Haus spricht eine ganz andere Sprache. Die Bauherren, von großer Leidenschaft für Architektur und Design des Mid-Century-Modern beseelt, waren lange auf der Suche nach einem Objekt aus den 1950er Jahren in oder bei Wien, bis sie das baumbestandene Hanggrundstück entdeckten, auf dem 1958 die Architektin Helene Koller-Buchwieser (1912–2008) ihr eigenes Wohn- und Atelierhaus errichtet hatte. Eine Doppelnutzung, die sofort erkennbar ist in der Kopplung des skischanzenartig sich aufschwingenden Dachs des hohen Ateliertraktes und des niedrigeren Wohntrakts mit elegant horizontalem Schwung. Nach dem Tod der Architektin hatte das Haus jahrelang leer gestanden, und die meisten Kaufinteressenten hätten es wohl abgerissen. Nicht so die Bauherren, die das Objekt gemeinsam mit ihren Architekten – Birgit Kaucky und Arnold Brückner vom Wiener Büro KABE und dem Berliner Thomas Kröger – saniert haben.
Die unterhalb des Hauses gelegene Garage kam neu dazu, doch steht sie in enger Beziehung zum Haus. Im Grundriss vollzieht sie hangseitig einen Fifties-Schwung, und das hölzerne Tor unter dem aufgeklappten Sichtbeton-Vordach wurde als wohnlich wirkende Analogie zur Eingangstür im Haupthaus konzipiert. Über dem Vordach krönt eine Skulptur des Künstlers Giuseppe „Pino“ Donnaloia die Zufahrt, der auch an der Fassade des Hauses selbst den Geist der 1950er Jahre sensibel bildhauerisch ergänzte.
Die enormen Erdarbeiten, die zum Bau der Garage, die unter dem Kellerniveau des Haupthauses liegt, nötig waren, erahnt man heute kaum noch, denn auf der rund einen Meter hohen Erdschicht darüber wachsen bereits große Birken. Getragen werden sie von einer geometrisch komplex polygonal gefalteten Ortbetondecke, deren Verlauf (mit Raumhöhen von 2,20 bis 4,20 Metern) die Hangneigung nachvollzieht und dadurch den geduckten Raumeindruck einer Tiefgarage vermeidet. Akzentuiert wird die Deckengeometrie durch lineare gelbe Lichtbänder, mit denen die Berliner Lichtplanerin Anne Boissel die Wertschätzung der Bauherrschaft für den Lichtkünstler James Turrell manifestiert hat.
Nicht nur atmosphärisch, sondern auch funktional holt die Garage das Maximum aus ihrem begrenzten verfügbaren Raum heraus. Eine Drehscheibe in der Mitte erlaubt in Kombination mit der organischen Grundrissgeometrie punktgenaues Einparken mit der Schauseite der schönen Karossen zum Eingangstor. Neben dem sich – dafür war noch Platz im Hang – in einer Nische ein klimatisierter verglaster Raum für die Weinsammlung der Eigentümer befindet, der seinen Teil zur Atmosphäre der feierlichen Wärme im kühlen Untergrund beiträgt. Mit Schwung und Kantigkeit wird so der Linienführung von hochwertigen Sportwagen ebenso eine Hommage erweisen wie der luftig-bescheidenen Architektur der 1950er Jahre.



Fakten
Architekten KABE Architekten, Wien; Thomas Kröger Architekten, Berlin; Helene Koller-Buchwieser (1912–2008)
Adresse Wien


aus Bauwelt 2.2023
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