David Adjayes Rede zur Architektur
Beim „Wege durch das Land“-Festival in Ostwestfalen-Lippe
Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin
David Adjayes Rede zur Architektur
Beim „Wege durch das Land“-Festival in Ostwestfalen-Lippe
Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin
Ostwestfalen-Lippe ist eine weitgehend ländlich geprägte Region. Ihre Stadtbilder und Dorfansichten haben in den letzten sechs Jahrzehnten bis auf wenige Ausnahmen zwar sehr gelitten unter immer neuen Modernisierungswellen, doch birgt die hügelige, waldreiche Landschaft zahlreiche Gutshöfe, Burganlagen und Klosterensembles, die davon verschont geblieben sind. Die „Wege durch das Land“ bieten seit einigen Jah-ren zumindest im Sommerhalbjahr viele Anlässe, diese Orte zu besuchen. Der vom Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe auf die Beine gestellte Veranstaltungsreigen mischt das Kulturleben der Gegend auf, indem er hochkarätige Namen aus verschiedenen Kunst- und Kulturbereichen auftreten lässt. Der Schwerpunkt liegt auf Literatur und Musik, doch ist ein Sonntag auch der Architektur gewidmet, möglich dank dem Sponsoring des im ostwestfälischen Brakel ansässigen Beschlägeproduzenten FSB.
Die „Rede zur Architektur“ haben mittlerweile so prominente Baumeister wie Souto de Moura (2013), Moshe Safdie (2008) und Peter Zumthor (2003) gehalten. Mitte Juli war nun David Adjaye an der Reihe. Eine gute Wahl, sieht der in London lebende Architekt derzeit doch der Fertigstellung seines bis dato wichtigsten Projekts entgegen: dem National Museum of African American History an der Mall in Washington DC. Mit der Vorstellung dieses Gebäudes endete auch sein Vortrag, dessen aufschlussreichster Teil aber die erste Hälfte war. Da schilderte der gebürtige Tansanier seine Foto-Recherche zur physischen Gestalt der afrikanischen Städte in Abhängigkeit von ihrer Lage in den jeweiligen Landschaftszonen des Kontinents, vom Maghreb im Norden über die Wüsten- und Sahelzone bis in die Wald- und Bergregionen Mittel- und Südafrikas.
„Geographies“ war der Vortrag von Adjaye überschrieben, und deutlich wurde sein Anliegen, den Gestaltkanon der modernen und spätmodernen Architektur vor ihrem geographischen Hintergrund zu begreifen und zu aktualisieren – hin zu einem „modernism with place“, subjektiv und lokal statt objektiv und international. Inwiefern ihm selbst das in der US-Hauptstadt gelungen ist, wird sich im nächsten Jahr zeigen, wenn das Museum eröffnet.
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