Bauwelt

„...die Globalisierung als Ergebnis des realen Schaffens von US-Architekten“

USA

Text: Mees, Carolin, New York

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    Die Hauptattraktion im französischen Pavillon: das Modell der "Villa Arpel" aus Jaques Tatis Film "Mon Oncle" (1958)
    Andrea Avezzù Courtesy la Biennale di Venezia

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Ausstellungskonzept von Leong Leong
Rendering: Leong Leong

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Ana Miljački, Eva Franch i Gilabert und Ashley Schafer
Gruppenbild: Cameron Blaylock

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Gruppenbild: Cameron Blaylock


„...die Globalisierung als Ergebnis des realen Schaffens von US-Architekten“

USA

Text: Mees, Carolin, New York

Interview mit Ana Miljački, Eva Franch i Gilabert und Ashley Schafer über das Pavillonthema "OfficeUS: Criticism by Remaking"
Gibt es gegenwärtig eine nationale US-amerikanische Architektur?
Ana Miljački | Wir haben die Frage nach einer „nationalen Architektur“ in die Frage nach ei­-ner „nationalen Expertise“ umformuliert. Während des 20. Jahrhunderts waren amerikanische Architekten an der Produktion von Städten und repräsentativen Gebäuden beteiligt, die für verschiedene Länder von nationaler Bedeutung waren – wie beispielsweise Louis Kahns Bauten in Bangladesch und Indien oder Edward Durell Stones Bauwerke in Pakistan.
Eva Franch | Unser Projekt enthüllt die zeitgenössische westliche Vorstellung von Globalisierung nicht als etwas Wertneutrales, sondern als ein Ergebnis des realen Schaffens von US-Architekten innerhalb der letzten hundert Jahre. Die Globalisierung hat dann umgekehrt zu den identitätsstiftenden Bedingungen, die das Bauen in den USA definieren, beigetragen. Wenn wir uns Masterpläne, Designs von Ausstellungen, Fragen der Materialauswahl im Kontext von Massenproduktion oder auch politischeWiederaufbauprogramme wie den Marshallplan ansehen, erweitern wir die Idee, was die „fundamentals“ der Architektur in Hinsicht auf die Globalisierung sein können.
Was werden Sie in Venedig zeigen? 
Ana | Gegenstand unserer Ausstellung sind die amerikanischen Architekturbüros, die in den letzten hundert Jahren im Ausland gebaut haben. Uns interessiert die „schmutzige“ Realität des Architekturberufs; die Projekte, für deren Realisierung Kompromisse eingegangen werden mussten. Wir behaupten, dass die amerikanischen Architekten entscheidend daran mitgewirkt ha­ben, das architektonische Wissen zu professionalisieren. Der amerikanische Historiker Henry Russell-Hitchcock schrieb einmal, dass der in Amerika entwickelte Bürotypus die Voraussetzung für den Bau von Hochhäusern überhaupt erst geschaffen habe.
Ashley Schafer | Unser Interesse gilt der Entwick­lung des Architekturbüros – vom Atelier Anfang des 20. Jahrhunderts, hin zu den heute üblichen internationalen Konglomeraten. Von einer mehr systematischen Arbeitsproduktion, wie früher bei Albert Kahn, bis zu Unternehmen wie SOM, die heute global die gebaute Umgebung bestimmen, erforschen wir strukturelle Transformationen.
Eva | Es gibt 25 Themen, die wir in unserem „Repository“ – dem Archiv der 1000 Projekte – identifiziert haben. Diese Themen werden nun die Untersuchungen im Pavillon begleiten, denn wir wollen während der sechs Monate dauernden Biennale vor Ort weiterarbeiten. Es wird um ganz allgemeine Fragen wie die Wechselwirkung von Ideen und Architektur durch Import und Export gehen, bis hin zu solch drängenden Themen wie Arbeitskraft und Energie und de­-ren Beziehung zur politischen Macht.
Nach welchen Parametern haben Sie die Projekte ausgewählt?
Ashley | Unsere Forschung fand an verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt. Evas Team befand sich in der Storefront for Art and Architecture und an der Columbia University, Ana leitete ein größeres Team zusammen mit Michael Kubo am MIT, und mein Team war an der Ohio State University sowie beim Architekturmagazine PRAXIS. Jede Gruppe befasste sich mit unterschiedlichen Bestandteilen des Projekts – forschte in Sammlungen architektonischer Fachzeitschriften, inter­nationalen Archiven und holte Informationen von Architekturbüros ein.
Eva | Wir haben nach Büros gesucht, die groß genug waren, um im Ausland zu bauen. Zu ei­nem bestimmten Zeitpunkt hatten wir 2500 Projekte von über 200 Firmen. Nachdem wir diese erste Liste und eine Reihe von Anekdoten und Themen zusammengetragen hatten, begann die Kartierung: Wir haben unsere Sammlung nach den Begriffen Diversität, Typologie und Ort, aber auch nach der Ausübung des Berufs und den jeweiligen geopolitischen und öko­nomischen Bedingungen sortiert. Am Ende entschieden wir uns für 1000 Projekte. Möglicherweise sind es auch 1001.
Sind Ihnen während der Recherche Gebäude oder Orte aufgefallen, die Sie überrascht haben?
Eva | Wir haben Architekten besucht, die Hunderte von Projekten außerhalb der USA gebaut haben, die uns überhaupt nicht bekannt waren. Wir haben zum Beispiel mit Jack Massey ge­sprochen, Direktor der United States Information Agency in den 1950er Jahren. Er hat uns Originalmaterial und Fotos gezeigt, die belegen, in welchen Ländern die US-Regierung während des Kalten Krieges an Ausstellungsprojekten beteiligt war.
Sie zeigen diese in der Ausstellung?
Ana | Im Pavillon wird das „Repository“ aus handelsüblichen Dreiring-Ordnern aufgebaut – für jedes Projekt und Büro ein Ordner. Diese Bibliothek wird entlang der Wände „des Büros“ auf­gereiht.
Ashley | Zusätzlich haben wir die gesammelten Informationen gegenübergestellt, um uns und den Besuchern zu helfen, die Geschichten dieser weltweiten Verflechtung „zu sehen“. Wir haben eine ganze Reihe von Karten und Diagrammen erstellt, die Teil der Ausstellung und des Katalogs sein werden. Diese Infografiken zeigen die Entwicklungen, die in der architektonischen Praxis stattgefunden haben.
Wer wird in dem Büro, das Sie im Pavillon installieren, anwesend sein?
Eva | Im Pavillon werden sechs Partnerbüros arbeiten. Insgesamt sind es acht Architekten, die eine innovative Architekturproduktion repräsentieren sollen. Diese Partner des „OfficeUS“ ar­beiten gemeinsam mit eingeladenen Experten an den 25 Themen. Sie alle werden für die Dauer der Biennale-Ausstellung weltweit mit Fachleuten zusammenarbeiten, die wie wir der Meinung sind, dass die Form des Architekturbüros reformiert werden muss.
Nach der Biennale, was geschieht weiter mit Ihrem Projekt?
Eva | Es wird vier Bücher geben, die das OfficeUS im nächsten Jahr über unsere Recherche her­ausgibt – eines davon ist die „Agenda“, der Katalog zur Ausstellung. 
Ana | Unser Projekt wird hoffentlich dazu bei­tragen, dass Architekten anders über ihr Wirken nachdenken – und sich mehr als bisher als Akteure erleben, die selbst „Geschichte“ pro­duzieren.
Das Interview führte Carolin Mees
Fakten
Architekten Franch i Gilabert, Eva, New York; Miljački, Ana, Boston; Schafer, Ashley, Boston
aus Bauwelt 21.2014
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