Auf dem Weg zu Ungewissheiten

Experimente in Architektur, Design, Kunsthandwerk und Umwelt­gestaltung

Text: Klauser, Wilhelm, Berlin


Auf dem Weg zu Ungewissheiten

Experimente in Architektur, Design, Kunsthandwerk und Umwelt­gestaltung

Text: Klauser, Wilhelm, Berlin

„Auf dem Weg zu Ungewissheiten“ nennen sich die Betrachtungen des Architektur- und Designtheoretikers François Burkhardt, und es ist möglich, dieses Buch als eine Sammlung von Es­says mit autobiografi­-schem Hintergrund zu lesen. Ob das die Intention des Autors gewe­sen ist, scheint fraglich. Burkhardt ist nämlich auch Kurator und Hochschullehrer, er will et­was vermitteln. Zusammengehalten wird die Sammlung durch ein gemeinsames Thema: den Austausch zwischen „singulären und auf den Menschen bezogenen Systemen“, wie Alessandro Mendini in seinem kurzen Vorwort formuliert.
Burkhardt führt uns zunächst zu „seinen“ Architekten: Wright, Häring oder auch Kiesler ging es um eine angemessene gestalterische und soziale Antwort auf ökologische und soziale Herausforderungen. Er ist sensibilisiert für diese Art zu Denken, als er erkennt, wie in den späten 60er Jahren von verschiedenen Seiten die Arbeit an einer gemeinsamen gestalterischen Haltung vorangetrieben wurde: im Design, in der Architektur, in der Ausstellungs- und Informationsgestaltung. Bionik und Ökologie, aber auch die Suche nach regionalen Identitäten stehen in einem spannungsvollen Nebeneinander, aus dem sich für den aufmerksamen „Kurator“ Funken schlagen lassen. Bruno Zevi, Atelier Zoo und Hans Hollein? Das passt nicht richtig und doch irgendwie...
Burkhardt hat sich, in eigenen Worten, immer als „Stimulator von Ideen“ verstanden, indem er die richtigen Akteure zusammenbrachte. Konsequent zog es ihn, nach ersten Ausstellungen, in die Institutionen. Als Leiter des Internationalen Designzentrums IDZ Berlin hatte er in den 70er Jahren wichtigen Anteil am Entstehen der IBA 1984/87, als er die Entwurfswochen etablierte, in denen sich von ihm zugeladene Architekten mit Problemen in Kreuzberg auseinandersetzten. Behutsame Sanierung, Quartiersmanagement oder Partizipation wurden als Gestaltungsaufgabe sichtbar. 1985 ermöglichte er im Centre Pompidou dem Philosophen Jean-François Lyotard die große und sehr erfolgreiche Ausstellung „Les Imatériaux“: Die Bedeutung der Informa­tion für die zukünftige Ausgestaltung der Gesellschaft wurde damals bebildert. Nachvollziehbar auch seine Bemühungen, das Kunsthandwerkdurch den Aufbau geeigneter Vermarktungsstrukturen zu erneuern und die sicheren Büros der Institution zu verlassen. Die Rolle, die Burkhardt sich im Lauf der Jahre erarbeiten konnte, war die Rolle des Gestaltungsmanagers und Ideengebers. Wie sich solch eine Mittlerfunktion ausgestalten lässt, davon hätte der Leser gerne mehr erfahren, denn im Arrangement und in der Verbindung von scheinbar nicht Zusammenhängendem liegen vermutlich die großen Herausforderungen für Gestalter. Betriebswirtschaftlich mögen Algorithmen funktionieren, es entstehen Antworten. Aber auf der sozialen und gesellschaftlichen Ebene braucht Gestaltung und Erneuerung stets die Ungewissheiten und den Austausch: Es geht um die richtigen Fragen.
Fakten
Autor / Herausgeber François Burkhardt
Verlag Birkhäuser Verlag, Basel 2016
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aus Bauwelt 7.2018
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