Fragen des Zusammenhalts

Text: Stumm, Alexander, Berlin; Crone, Benedikt, Berlin;

Fragen des Zusammenhalts

Text: Stumm, Alexander, Berlin; Crone, Benedikt, Berlin;

Wofür steht Europa? Diese Frage ist vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wieder allgegenwärtig. Die beiden europäischen Kulturhauptstädte 2022 Esch und Kaunas stehen exem-plarisch für die großen (stadt-)politischen, sozio-ökonomischen, ökologischen und militärischen Plattentektoniken des Kontinents.
Das luxemburgische Esch-sur-Alzette befindet sich inmitten eines weitreichenden Strukturwandels. Als ehemaliger Standort der Schwerindustrie sollte es durch die Ansiedlung mehrerer Universitätsinstitute in Belval an der Peripherie von Esch neu belebt werden. Doch das top-down geplante Projekt hat dabei die Bewohnerinnen und Bewohner vergessen. Die Herausforderung von Esch – das macht die Situation mit vielen postindustriellen Städten in Europa vergleichbar – ist, wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln, Renaturierungsprojekte anzustoßen und CO2-arme Infrastrukturen zu schaffen, dabei zugleich die (baukulturelle) Identität zu bewahren und mit den Menschen zu planen. Im Fall von Esch umfasst der Titel europäische Kulturhauptstadt mit der nach Frankreich reichenden Minett erstmals eine landesübergreifende Region. Denn die Problematiken bedingen sich und können nicht mehr nur national gelöst werden. Die komplizierte Gemengelage zwischen leid­voll erkämpfter Souveränität des Baltikums und dem Großmachtstreben Russlands lässt sich auf architektonischer Ebene wohl nirgends besser ablesen als im litauischen Kaunas. Die Stadt entstand ab 1919, als nach der Unabhängigkeit vom Zarenreich die prädes­tinierte Hauptstadt Vilnius von der polnischen Armee besetzt wurde. In wenigen Jahren entwickelte sich Kaunas zu einer modernen Stadt, in der litauische Architekten im großen Stil die aktuellen Avantgarde-Bewegungen ins Land brachten. Bis zum Einmarsch der Sowjettruppen 1940 blieb sie die „temporäre Hauptstadt“. Seit dem 24. Februar 2022 ist Litauen ein sicherer Hafen für Geflüchtete aus der Ukraine – und die östliche Grenze der EU Aushandlungsort gesamteuropäischer Identität.

Tokios zweites Gemeinschaftshaus

Mehrgenerationenhaus, Studierenden-WG, Gemeinschaftsküchen: Während das Teilen von Wohnraum
in Europa weit verbreitet ist, ist es in Japan eine Seltenheit. Mit dem „Share House“ entstand 2014 in Tokio das erste explizite Gemeinschaftshaus des Landes. Und es sollte nicht das letzte bleiben. Nach vier Umbauten nach dem „Share“-Prinzip folgte nun ein zweiter „Share“-Neubau, ein neungeschossiges Hochhaus, zu finden im Tokioer Stadtteil Tenjincho.

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