Stadt im Stresstest

Pandemien erfordern Maßnahmen. Doch wie wappnen wir uns vor kommenden Katastrophen? Das Memorandum „Urbane Resilienz“ eines Expertinnenbeirates im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik will nicht nur Symptome, sondern auch Ursachen behandeln.

Text: Burose, Alina

Stadt im Stresstest

Pandemien erfordern Maßnahmen. Doch wie wappnen wir uns vor kommenden Katastrophen? Das Memorandum „Urbane Resilienz“ eines Expertinnenbeirates im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik will nicht nur Symptome, sondern auch Ursachen behandeln.

Text: Burose, Alina

Risiken sind allgegenwärtig: extreme Wetterereignisse, Großunfälle, Terroranschläge, Stromausfälle, Wirtschaftskrisen und nicht zuletzt Pandemien. Zustände, die organisierte Strukturen ins Chaos stürzen. Stadt heißt viel Struktur und viel Chaos auf engem Raum – auch, wenn alles seinem Alltag folgt. Bekannte Defizite und Probleme werden durch Katastrophen offengelegt. Die Pandemie ist ein Katalysator und auch weiterhin, trotz Immunisierungsfortschritt, immer wieder ein Schlag ins Gesicht.
Urbane Resilienz beschreibt die Fähigkeit einer Stadt, sich im Falle von Krisen flexibel, widerstands- und nachhaltig anpassungsfähig zu verhalten. Führt uns die Stadtplanung in eine robuste, adaptive und zukunftsfähige Stadt? Schön wäre es, aber dass das noch ein ganzes Stück Arbeit bedeutet, lässt das Memorandum auch durchsickern. Die Liste der Baustellen ist lang und viele leider tief gesellschaftlich verankert. Von fehlenden Radwegen, unzureichendem öffentlichen Nahverkehr über kaum vorhandene Digitalisierungsprojekte bis hin zu schwerwiegender Diskriminierung bei der Wohnungssuche und mangelhafte Sicherheit im öffentlichen Raum. Jeder Bereich sehnt sich nach finanziellen und personellen Förderungen, Umstrukturierung, Umweltgerechtigkeit, Chancengleichheit und Freiräumen für Ideen. Eine auf Fortschritt trainierte Gesellschaft sucht in jedem Projekt die Effizienz – Fortschritt um des Fortschritts Willen. Doch gilt es an Sicherheit, Wohlergehen und Lebensqualität zu denken; Verantwortung zu übernehmen für Nachhaltigkeit und dem globalen Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen.
Als Einflussfaktoren setzen Stadtplanung und das Bauen im Allgemeinen die Prioritäten für Aufgaben- und Handlungsfelder. Das Zusammenleben als solches wird von dem Kontext und den geschaffenen Gegebenheiten bestimmt. Wo und wie wohne ich? Wer sind meine Nachbarn? Kann ich mich mit allem Notwendigen versorgen? Welches Freizeitangebot gibt es? Zivilgesellschaft organisiert sich zum größten Teil selbst und soll auch weiterhin Stadt gestalten dürfen. Den Rahmen schaffen aber Akteure, die normalerweise nicht in den Quartieren wohnen, die sie planen, bauen oder finanzieren. Bei diesen Prozessen muss die Komplexität der jeweiligen Stadt erfasst sein, um zuvor genannten Defiziten entgegenzuwirken und auch in der Bevölkerung mehr Halt zu erzeugen.
Die Folgerungen für die Stadtpolitik wurden seitens des Expertenbeirates im Memorandum „Urbane Resilienz – Wege zur robusten, adaptiven und zukunftsfähigen Stadt“ formuliert. Die Verabschiedung des erarbei­teten Manuskripts fand im Mai dieses Jahres im Zuge des 14. Bundeskongress statt. Weitere Informationen unter www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de

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