Manifest
Die Dritte Landschaft
Text: Reimers, Brita, Berlin
Manifest
Die Dritte Landschaft
Text: Reimers, Brita, Berlin
Keinem Fachverlag für Landschaftsarchitektur, sondern dem der theoretischen Avantgarde verpflichteten Merve Verlag ist die erste deutsche Übersetzung eines Textes des französischen Landschaftsarchitekten Gilles Clément zu danken – ein schmales Bändchen mit einfachen lebendigen Handskizzen des Autors.
Bei seinen Gärten und Parks geht es dem Hochschullehrer der École Nationale Supérieure du Paysage in Versailles, der sich Gärtner nennt, im eigenen Garten experimentiert und sich auf seinen Reisen mit der Meteorologie, dem Boden, den Pflanzen und Tieren weltweit beschäftigt, nicht um die Gestaltung von (Landschafts)-bildern. Er schafft Räume, in denen der Mensch sich nicht als Beherrscher, sondern als Teil der Natur versteht – verantwortlich für unseren Planeten. Mit seiner Streitschrift hält Clément ein Plädoyer für diejenigen Areale, die abwertend oder gar moralisch betrachtet, möglichst schnell beseitigt oder einer Nutzung zugeführt werden: die Randzonen an Straßen und Flüssen und die Brachen. Als Refugien der Artenvielfalt und Orte einer inkonstanten Evolution ehrt er sie mit dem Namen „Dritte Landschaft“ und skizziert sie im Verhältnis zu Kultur und Gesellschaft.
Damit redet er nicht dem Ruf nach einem »laissez faire« das Wort. Er ist ein viel zu kenntnisreicher Biologe und Entomologe, um darauf zu bauen, dass Spontanes planbar und Temporäres dauerhaft zu bewahren ist, wie es zum Beispiel die Gestalter der stillgelegten High Line durch Manhattan tun. Die Aufgabe des (Stadt)planers bestehe vielmehr darin, der Dritten Landschaft ihre Existenzmöglichkeit zu erhalten bzw. zu schaffen, als notwendigen Kontrapunkt zur eigentlichen Raumplanung.
Clémonts Bücher gebührt größere Beachtung, denn es ist an der Zeit, dass Gestalter Biologen und Ökologen werden oder solche heranziehen, vor allem aber, sich daran erinnern, dass ein Garten nicht weniger ist als eine Vision der Welt.
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