Schauspiel und Schriften

Editorial

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin

Schauspiel und Schriften

Editorial

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin

Düsseldorfs Hafen wurde zum Medienhafen und machte 1999 von sich Reden, vor allem als Frank O. Gehry dort seinen Neuen Zollhof fertigstellte. Zu­letzt präsentierte an einem anderen Hafenbecken Christoph Ingenhoven sein Hotelprojekt „Pier One“, als Pfahlbau im Wasser. Ein Stück weiter nördlich war 2013 der Abriss der die Stadt trennenden Hochstraße „Tausendfüßler“ ein weiterer Schritt von großer Bedeutung für Düsseldorf. Es gab viel Luft für neue Planungen. Fertig wurde in diesem Jahr Ingenhovens Geschäftshaus Kö-Bogen II, nach dem Kö-Bogen I von Daniel Libeskind 2013. Die Zeiten ändern sich schnell. Während der erste Kö-Bogen nur „Cuts“ mit etwas Grün aufweist, ist der zweite weitgehend von Grün umgeben. Ingenhoven sanierte auch gegenüber das Schauspielhaus von 1970. Wir stellen beide Bau­-ten vor. Da der Architekt noch immer schwärmt von seinem Gesprächsvormittag mit Peter Sloterdijk am 19. Januar im Schauspielhaus, erfüllen wir hier gerne seinen Wunsch und geben dem viel beachteten Phi­losophen etwas Raum: „Einer der Sätze im Zusammenhang mit Architektur, den ich am liebsten zitiere, stammt von Aristoteles. Nicht weil er von der allergrößten Aktualität wäre, sondern weil man an ihm so gut sieht, was man jetzt neu denken muss. Er sagte
an den Architekten gewandt ,Errichte die Häuser so, wie die Natur sie wachsen ließe, wenn die Natur Häuser wachsen ließe.‘ Heute ist die Stadt eine Sehenswürdigkeit geworden, weil sie als Kategorie eine gro­-ße historische Tiefe besitzt. Aber phänomenologisch sind Städte zum großen Teil erst kürzlich aus dem Boden gestampft worden. Darum müsste man das Zitat eigentlich umformulieren und sagen ,Errichte heute Städte so, dass Besucher aus Indien und China noch in hundert Jahren gerne dorthin fahren‘. Das ist eine These gerade für die europäische Stadt, es gibt eigentlich fast nirgendwo sonst solche urbane Attraktoren. Es gibt Tempelgebäude. Es gibt große Gräber.“
Ohne Fachbuch nie ins Bett
„Mit Toilettenpapier könnten wir in diesem Jahr reich werden, aber mit bedrucktem Papier ist derzeit nicht viel zu holen“, sagte mir im Corona-Frühjahr 2020 der Inhaber eines Berliner Architekturbuchverlags. Amazon hatte damals sein Buchgeschäft ausgesetzt zugunsten der bevorzugten Bearbeitung „lebensnotwendiger Güter“, der Buchhandel war in manchen Bundesländern im Lockdown ebenfalls zwangsgesperrt. Nun steht bald das Christkind vor der Tür, und es liegt an uns, der Politik zu zeigen, dass ein Leben ohne Bücher zwar „möglich, aber sinnlos“ ist, um mit dem großen Loriot zu sprechen. In diesem Sinne: Schenkt Lektüre!

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