Europa bleibt kompliziert

Sebastian Redecke wartet seit Februar auf das Öffnen der Umschläge eines bedeutenden internationalen Wettbewerbs.

Text: Redecke, Sebastian, Bauwelt


Europa bleibt kompliziert

Sebastian Redecke wartet seit Februar auf das Öffnen der Umschläge eines bedeutenden internationalen Wettbewerbs.

Text: Redecke, Sebastian, Bauwelt

Ein internationaler Wettbewerb sollte eigentlich für Aufsehen sorgen: Das neue Parlamentsgebäude für die Europäische Union im Herzen von Brüssel. Der bisherige Bau von 1993 ist zu klein geworden und erfüllt nicht mehr die heutigen Anforderungen. Damals entstand hin­ter der Place du Luxembourg ein hässliches Monstrum mit Büros und Glashalle, benannt nach Paul-Henri Spaak, einem der Großen ganz zu Beginn des Europagedankens. Das Mons­trum wurde von einem Konsortium nach undurchsichtiger Auftragsvergabe gebaut, wie andere Bauten der EU in der damaligen Zeit auch (Bauwelt 40–41.1993). Im Wettbewerb war es freigestellt, ob man das Monstrum umbaut oder für einen kompletten Neubau abreißt. Die im Janu­ar eingereichten 15 Entwürfe der zweiten Runde, sicher auch von großen Namen der europäischen Architekturszene, sind nicht zu sehen. Die Jury unter Vorsitz von Dorte Mandrup tagte zwar am 18. Februar und es fiel eine Entscheidung, doch die Umschläge bleiben bis heute verschlossen. Wie kann das sein?

Auf Nachfrage ist zu erfahren, dass der Präsident des Europaparlaments, der Florentiner David Sassoli, sich zunächst mit seinen 14 Vize-Präsidenten ein Bild machen will von den Preisträgern und dann eine Entscheidung fallen wird – auch über den wohl strittigen Punkt Neu- oder Umbau. Bisher sei dafür noch keine Zeit gewesen. Nun sind seit der Jurysitzung im Februar fünf Monate vergangen und es ist weiter nichts zu hören, aber es kursiert ein Gerücht mit politischem Hintergrund: Frankreich legt größten Wert darauf, dass die Bekanntmachung des Wettbewerbsergebnisses in Straßburg stattfindet, da dort der Hauptsitz des Europaparlaments angesiedelt ist. Damit ist man mittendrin im alten Disput, ob das jährlich viele Millionen Euro verschlingende Pendeln der Abgeordneten zwischen Straßburg und Brüssel nicht endlich ein Ende haben soll. Da wegen der Pandemie zuletzt immer nur in Brüssel getagt wurde, wo auch die Ausschüsse des Parlaments zusammentreten, ist wohl die Sorge groß, dass man sich daran gewöhnt. So wartet man beharrlich auf den ersten Termin in Straßburg und will dann dort verkünden, was für die „Dependance Brüssel“ geplant ist – vielleicht doch noch vor der Sommerpause?

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