L'Arc de Triomphe, Wrapped

Christo & Jeanne-Claudes finaler Triumph in Paris

Text: Drewes, Frank F., Bielefeld

    Foto: Frank F. Drewes

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L'Arc de Triomphe, Wrapped

Christo & Jeanne-Claudes finaler Triumph in Paris

Text: Drewes, Frank F., Bielefeld

Eine Idee, die 60 Jahre bis zur Realisierung benötigt, muss zeitlos, stark und überzeugend sein. Vor allem aber bedarf es einer unendlichen Ausdauer und Hartnäckigkeit, Attribute, die ganz besonders auf die 2009 verstorbene Jeanne-Claude (*1935) zutrafen. Ohne seine Frau wären die großen Visionen Christos wohl im Skizzen- und Modellstadium stecken geblieben. Gleichwohl waren genau diese Skizzen und Illustrationen Christos elementare Grundlage für jedes Projekt, denn nur durch deren Verkauf konnten Christo und Jeanne-Claude ihre großen temporären Kunstwerke realisieren, da sie auf jegliche finanzielle Unterstützung und Werbung bewusst verzichteten. Allein für die Verhüllung des Arc de Triomphe mussten zwölf Millionen Euro generiert werden.
Über sechzig Jahre nach der Ankunft des Exilbulgaren Christo Wladimirow Jawaschew (1935–2020) in Paris im Jahre 1958 ist er nun zu einem wahrhaftig triumphalen Finale posthum an die Seine zurückgekehrt. Wäre die Verhüllung vom ursprünglich geplanten Termin im April vergangenen Jahres nicht zweimal verschoben worden, hätte Christo sie noch erlebt. In Paris hat Christo 1962 mit den gestapelten Fässern in der Rue Visconti in der Kunstwelt internationales Aufsehen erregt und 1985 mit der Verhüllung der Pont Neuf weltweite Anerkennung bei einem breiten Publikum gefunden. Die Verhüllung des Arc de Triomphe wird wohl das letzte realisierte Projekt des als Verpackungskünstler bekannten Paares sein. Abgesehen von den vielen Verpackungen und Verschnürungen von kleinen Objekten der Anfangsjahre konnten nur an die fünf Gebäude gänzlich umkleidet werden: 1968 die Kunsthalle in Bern, 1969 das Museum of Contemporary Art in Chicago und das Amerika-Haus in Heidelberg, 1995 dann der Reichstag in Berlin (nach einem 24-jährigen Ritt durch die deutsche Bürokratie) und nun final, das neben dem Eiffelturm wohl bekannteste Wahrzeichen von Paris. Nach den eher kastenartigen und sackigen Verhüllungen der frühen Projekte hat die Modestadt Paris elegante und eng korsettierte Couture erhalten.
Erstaunlich sind die Widerstände, auf die das Künstlerpaar bei eigentlich jedem größeren Projekt im öffentlichen Raum, also jenem Raum, der vielerorts bis zur Unkenntlichkeit durch Gerüste, Schutzplanen, Werbung und mitunter banalste Gebäude permanent entstellt wird, gestoßen ist. Dabei waren die Projekte von Christo und Jeanne-Claude immer ephemer, auf zwei Wochen beschränkt, selbstfinanziert und werbefrei. Somit sollte man diese Kunstaktionen als ein Geschenk sehen ­– ein Geschenk an die Menschen der Stadt mit einem ungeheuren Werbepotenzial für die Stadt, fernab der kommerziellen Aspekte, die eigentlich der Kern jeder Werbung sind.
Das unerschütterliche Durchhaltevermögen des Künstlerpaares hat sich gelohnt. Der vom ständigen Verkehrslärm umtoste Triumphbogen wurde somit für 16 Tage den Menschen der Stadt zurückgegeben. Allerdings war auch schon Tag null, der Freitag vor der "Eröffnung", sehenswert, als sich die Kräne und Kletterer entfernt hatten, sich das tägliche Ritual der symbolischen Wiederentzündung der Flame des Grabmals des unbekannten Soldaten vollzog und somit das Kunstwerk im gewohnten Kontext wirken konnte. Ab Samstag dann das übliche Bild eines Volksfestes mit Sicherheitskontrollen und durch Betonbarrieren geschützte Zufahrtsstraßen, derer nicht weniger als zwölf auf den Arc de Triomphe ausgerichtet sind. Was aber bleibt, sind die Bilder und die Erinnerung an ein kurzlebiges Kunstwerk, das trotz seines gigantischen Maßstabs so aussah wie Christos Bleistiftskizzen selbst – maßstabslos und im besten Sinne des Wortes artifiziell.
Fakten
Architekten de Guillebon, Jeanne-Claude Denat (1935–2009); Christo Wladimirow Jawaschew, Christo Wladimirow (1935–2020)

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